Eines der Highlights meiner 10-wöchigen Reise durch Südamerika, war der Perito Moreno Gletscher im patagonischen Teil Argentiniens. Patagonien, das war schon lange mein Traum gewesen, große Berge, blaugrüne Seen, wildes Land, Gletscher, und natürlich das Eis. Ein Besuch an diesem berühmten Gletscher, der Teil des Inlandeises ist und die größte Eismasse neben der Arktis und Antarktis darstellt, war deshalb für mich obligatorisch.

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Perito Moreno: Der berühmteste Gletscher Südamerikas

Zwischen dem ebenfalls berühmten Fitz Roi nahe des argentinischen Örtchens El Chalten und meiner 8-Tages-Trekkingtour im Torres del Paine Nationalpark in Chile legte ich einen kurzen Stopp in El Calafate ein, denn den Perito Moreno Gletscher im Nationalpark Los Glaciares, nur 80 km von dort entfernt (in der patagonischen Weite ein Katzensprung), muss man unbedingt gesehen haben. So jedenfalls steht es in meiner Trekkingbibel Patagonien und Feuerland von Ralf Gantzhorn*, der mir das Buch sogar signiert hat und ganz offensichtlich ebenso verknallt ist in diese Gegend wie ich.

Mittlerweile habe ich nun schon einige Gletscher gesehen, in Island, der Schweiz, Grönland, in der Antarktis. Vergesse ich einmal die Antarktis, denn die brennt sich mit ihrer Gesamtheit des Unfassbaren ins Gehirn, war tatsächlich der Schönste bisher der Perito Moreno Gletscher im patagonischen Argentinien.

Der Perito Moreno, benannt nach einem argentinischen Geographen und bis zum ersten Weltkrieg als „Bismarck-Gletscher“ bekannt, wächst noch, im Gegensatz zu den meisten Gletschern dieser Welt. Die Ursachen sind nicht genau geklärt, man vermutet bestimmte Winde, die für den Gletscher klimatisch günstig sind.
Alle paar Jahre stößt er an die gegenüberliegende Magellan-Halbinsel und staut einen Teil des Sees auf, bis dann das Eis durch den Wasserdruck spektakulär zusammenbricht. Als ich Ende 2012 den Gletscher besuche, ist der letzte Eis-Bruch ein halbes Jahr her.

Karte Perito Moreno mit Wanderwegen

Die Karte zeigt, wo der Gletscher an die Magellan-Halbinsel stößt. Der Seitenarm „Brazo Rico“ wird dabei alle paar Jahre aufgestaut, bis der Druck auf das Eis zu groß ist und dieses bricht.

Der Perito Moreno ist eine der größten Attraktionen Argentiniens, las ich, und war daher schon auf die Massen an Touristen eingestellt, mit denen ich mir die Aussichtsplattformen teilen muss. Der Tipp im Hostel hieß allerdings: Buche die Kombi-Boot-und-Bus-Tour am Nachmittag, nicht am Vormittag, denn alle fahren am Vormittag hin.

Annäherung an den Perito Moreno per Boot

Die Wolken verziehen sich, oben blauer Himmel, unten das Blau aus dem Eis, die riesige Wand vor uns, während ich doch gerade noch im Hostel saß und mit Blick auf den Lago Argentino mein Bier genoss – die Szenerie ist völlig surreal.

Es stimmt. Im Bus nur gerade einmal acht Leute, ein deutsches Pärchen darunter. Es geht erst durch die Argentinische Pampa mit Blick auf den Lago Argentino, am Wegesrand ein paar Gauchos.

El Calafate in Argentinien: Gletscherfarbener Lago Argentino, die Pampa, ein paar Gauchos.

El Calafate in Argentinien: Gletscherfarbener Lago Argentino, die Pampa, ein paar Gauchos.

Vor Ort sind nur einige wenige Autos, das Boot ist nur halb besetzt, großartig, jeder findet seinen Platz an der Reling. Wir fahren eine Weile, bis ich das lange, helle Band weit voraus als Gletscherkante identifizieren kann.

Bootsfahrt zum Perito Moreno Gletscher

Mit dem Boot zur 5 Kilometer langen Gletscherkante vom Perito Moreno.

Bis zu 60 Meter sei diese hoch, ertönt es aus dem Lautsprecher. Ich kann das kaum glauben und die Dimensionen überhaupt nicht einordnen.

Abbruchkante des Perito Moreno-Gletschers vom Wasser aus

Der Perito Moreno Gletscher vom Boot aus: Keine Relation für die Dimensionen

Himmel und Eis: beides leuchtet blau und weiß

Himmel und Eis.

Die Wolken verziehen sich, oben blauer Himmel mit weißen Wolken, unten das Blau aus dem Eis, die riesige Wand vor uns, während ich doch gerade noch im Hostel saß und mit Blick auf den Lago Argentino mein Bier genoss – die Szenerie ist völlig surreal.

Dass so ein Boot nicht sehr nah heran darf wegen der ständig herunterfallenden Eisbrocken, die große Wellen verursachen – völlig egal, Größenordnungen sind hier ohnehin relativ. Es knackt und knirscht, wie ich das bereits aus Grönland kenne, am meisten verzaubert aber bin ich durch diese wahnsinnig hübsche Farbe: Der Perito Moreno Gletscher ist strahlend weiß, so irre sauber, wie ich das bisher nirgendwo gesehen habe.

Hier lasse ich von einem anderen Touristen eines der wenigen Fotos von mir auf dieser Reise machen. Ich sehe zwar selten blöde aus, dennoch macht mich dieses Foto heute ein klein wenig glücklich.

Selfie vor dem Perito Moreno Gletscher in Argentinien

Dass ich Selfies nicht so mag, erklärt sich ja jetzt. Das Bild macht mich dennoch glücklich.

Annäherung zu Fuß

So hatte ich mir das vorgestellt auf dieser Reise. Nicht das Eis, oder Patagonien. Nicht diese Weite oder die Sonne und den kalten Wind, nicht das Blau oder Weiß. So hatte ich mir mich selbst vorgestellt – geschüttelt vor Glück, Staunen, Dankbarkeit.

Das Boot kreist hin und her, nach etwa einer halben Stunde fahren wir zurück, legen an und werden mit dem Bus auf die Vorderseite der Magellan-Halbinsel gebracht. Hier kommt einem die Gletscherkante direkt entgegen.
Über Treppen und Laufgitter geht es zur Spitze der Halbinsel, die Eiskante ist zwischen den Bäumen immer wieder erkennbar, bis der Blick komplett frei wird.

Perito Moreno Gletscher in Argentinien

Zwischen südamerikanischen Sträuchern: Der Perito Moreno Gletscher

Laufstege führen zum Gletscher

Um die Natur zu schützen aber auch, damit Menschen nicht zu nah an die Abbruchkante gehen, wurden Treppen und Laufstege gebaut.

Ich bin tatsächlich fast alleine und bleibe alle paar Meter stehen. Langsames Annähern, Staunen, Horchen, da knallt es wieder, schon wieder ein Stück abgebrochen. Weitergehen. Schauen.
Endlich kann ich langsam begreifen, wo ich hier stehe. So hatte ich mir das vorgestellt auf dieser Reise. Nicht das Eis, oder Patagonien. Nicht diese Weite oder die Sonne und den kalten Wind, nicht das Blau oder Weiß. So hatte ich mir mich selbst vorgestellt – geschüttelt vor Glück, Staunen, Dankbarkeit.

Blick auf den Gletscher von oben.

Die Größe ist kaum zu erfassen.

Abbruchkante des Gletschers mit türkisen Gletschersee

Gletscher-Eis und Gletschersee: meine Lieblingsfarben.

Abbruch eines großen Stückes vom Gletscher

Wieder bricht ein großes Stück mit lautem Donnern ab.

Blau leuchtendes Eis.

Eis oder Himmel? Warum das Eis so blau leuchtet, habe ich hier schonmal beschrieben.

 

TTT – TierischeTouriTipps

Anfahrt:

Von El Calafate gibt es Kombi-Touren mit Bus, Boot und zu Fuß: Der Bus bringt einen zum Schiff, das sich dem Perito Moreno annähert. Anschließend geht es zu Fuß weiter zu den Aussichtsplattformen. Eine wunderschöne und gut organisierte Tour. Meine Tour habe ich 2012 im Hostel gebucht, damals haben sich die Preise der verschiedenen Anbieter nicht groß unterscheiden. Das hat sich anscheinend geändert, wie ich auf anderen Seiten lese, Preisvergleich lohnt! Generell dürfte die Buchung im Hostel allerdings immer eine ganz gute Idee sein, da meist günstiger.

Tipp: Die Nachmittags-Tour buchen! Die Vormittagstour ist sehr viel belebter.

Gut zu wissen: Der Eintrittspreis in den Nationalpark Los Glaciares ist nicht im Preis inbegriffen und wird direkt am Eingang beim Besucherzentrum bezahlt. Der Hafen mit dem Boot ist nahe beim Besucherzentrum.

Unternehmen:

  • El Calafate selbst ist ein wahnsinnig langweiliges Örtchen, was ausschließlich vom Tourismus lebt. Entsprechend öde ist die Hauptstraße, die wie eine langweilige Mall für Jack Wolfskin-Liebhaber anmutet. Der Lago Argentino aber ist schon aufgrund seiner Farbe spektakulär und es gibt verschiedene weitere Ausflugsmöglichkeiten. Ich selbst hatte ein Date mit dem Torres del Paine und bin nicht länger geblieben.
  • Es gibt Gletscherwanderungen auf dem Perito Moreno, die spektakulär sein sollen. Leider waren sie damals bereits so teuer, dass ich mir das verkniffen habe.
  • Wer die grandiose Idee hat, den Sternenhimmel über dem Gletscher zu fotografieren, wird enttäuscht: Der Park schließt um 22 Uhr. Eine Genehmigung kostet mehrere hundert Dollar, wurde mir von einem Fotografen erzählt, der es mehrfach versucht und dann aufgegeben hat. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es einen anderen Weg gibt: Auf der Magellan-Halbinsel gibt es eine Unterkunft, von der man aus zu Fuß zum Gletscher laufen kann. Die Aussicht soll fantastisch sein und ich vermute, dass es hier niemanden geben würde, der einen zurückhält. Hinweise bitte an mich, das wäre nochmal eine Reise nach meinem Geschmack.
  • Busse gehen von hier täglich nach El Chalten (Trekking zum Fuß des Fitz Roi) und Puerto Natales (Nationalpark Torres del Paine).

Unterkommen:

Anscheinend gibt es viele schlechte Hostels in der Gegend, so das Hörensagen. Ich hatte offensichtlich mit meinem grandioses Glück: Das America del Sur Hostel in der Calle Puerto Deseado 153 ist wunderschön, man blickt aus dem gemütlichen Aufenthaltsraum direkt auf den Lago Argentino und die Hostel-Leute bemühen sich, ein angenehmes Klima unter den Gästen zu schaffen, so gibt es z.B. jeden Tag die Möglichkeit, an einem gemeinsamen Essen teilzunehmen.

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