Der Perito Moreno Gletscher ist eine der beeindruckensten Sehenswürdigkeiten Argentiniens. Erkunden kann man ihn per Boot oder zu Fuß – beide Varianten sind unglaublich beeindruckend. Zum vermutlich schönsten Gletscher Patagoniens geht es mit dem Bus von El Calafate durch den Nationalpark Los Glaciares. Konkrete Tipps zur Tour gibt es ganz unten bei den TierischenTouriTipps.

Dieser Teil Südamerikas war schon lange mein Traum, große Berge, blaugrüne Seen, wildes Land, Gletscher, und natürlich das Eis.
Ein Besuch an diesem berühmten Gletscher, der Teil des Inlandeises ist und die größte Eismasse neben der Arktis und Antarktis darstellt, war deshalb für mich obligatorisch. 

Hörempfehlung für diesen Artikel: Crepusculum – For Hannah

Perito Moreno: Der berühmteste Gletscher Südamerikas

Zwischen dem ebenfalls berühmten Fitz Roi nahe des argentinischen Örtchens El Chalten und meiner 8-Tages-Trekkingtour im Torres del Paine Nationalpark in Chile legte ich einen kurzen Stopp in El Calafate ein, um den Perito Moreno Gletscher zu besuchen. Der Perito Moreno liegt im Nationalpark Los Glaciares, nur 80 km von El Calafate entfernt (in der patagonischen Weite ein Katzensprung) und es heißt: den muss man unbedingt gesehen haben.
So jedenfalls steht es in meiner Trekkingbibel Patagonien und Feuerland von Ralf Gantzhorn*, der ganz offensichtlich ebenso verknallt ist in diese Gegend wie ich. Bei der ersten Livesichtung weiß ich auch, warum: Der Gletscher gleicht einem Himmel aus Eis.

Mittlerweile habe ich nun schon einige Gletscher gesehen, in Island, der Schweiz, Grönland, in der Antarktis. Vergesse ich einmal die Antarktis, denn die brennt sich mit ihrer Gesamtheit des Unfassbaren ins Gehirn, war tatsächlich der Schönste bisher der Perito Moreno Gletscher im patagonischen Argentinien.

Der Perito Moreno, benannt nach einem argentinischen Geographen und bis zum ersten Weltkrieg als „Bismarck-Gletscher“ bekannt, wächst noch, im Gegensatz zu den meisten Gletschern dieser Welt. Die Ursachen sind nicht genau geklärt, man vermutet bestimmte Winde, die für den Gletscher klimatisch günstig sind.
Alle paar Jahre stößt er an die gegenüberliegende Magellan-Halbinsel und staut einen Teil des Sees auf, bis dann das Eis durch den Wasserdruck spektakulär zusammenbricht. Als ich Ende 2012 den Gletscher besuche, ist der letzte Eis-Bruch ein halbes Jahr her.

Karte Perito Moreno mit Wanderwegen

Die Karte zeigt, wo der Gletscher an die Magellan-Halbinsel stößt. Der Seitenarm „Brazo Rico“ wird dabei alle paar Jahre aufgestaut, bis der Druck auf das Eis zu groß ist und dieses bricht.

Der Perito Moreno ist eine der größten Attraktionen Argentiniens und ich war daher schon auf die Massen an Touristen eingestellt, mit denen ich mir die Aussichtsplattformen teilen muss. Der Tipp im Hostel hieß allerdings: Buche die Kombi-Boot-und-Bus-Tour am Nachmittag, nicht am Vormittag, denn alle fahren am Vormittag hin.

Perito Moreno per Boot erleben

Die Wolken verziehen sich, oben blauer Himmel, unten das Blau aus dem Eis, die riesige Wand vor uns, während ich doch gerade noch im Hostel saß und mit Blick auf den Lago Argentino mein Bier genoss – die Szenerie ist völlig surreal.

Es stimmt. Im Bus nur gerade einmal acht Leute, ein deutsches Pärchen darunter. Es geht erst durch die Argentinische Pampa mit Blick auf den Lago Argentino, am Wegesrand ein paar Gauchos.

El Calafate in Argentinien: Gletscherfarbener Lago Argentino, die Pampa, ein paar Gauchos.

El Calafate in Argentinien: Gletscherfarbener Lago Argentino, die Pampa, ein paar Gauchos.

Vor Ort sind nur einige wenige Autos, das Boot ist nur halb besetzt, großartig, jeder findet seinen Platz an der Reling. Wir fahren eine Weile, bis ich das lange, helle Band weit voraus als Gletscherkante identifizieren kann.

Bootsfahrt zum Perito Moreno Gletscher

Mit dem Boot zur 5 Kilometer langen Gletscherkante vom Perito Moreno.

Bis zu 60 Meter sei diese hoch, ertönt es aus dem Lautsprecher. Ich kann das kaum glauben und die Dimensionen überhaupt nicht einordnen.

Abbruchkante des Perito Moreno-Gletschers vom Wasser aus

Der Perito Moreno Gletscher vom Boot aus: Keine Relation für die Dimensionen.

Himmel und Eis: beides leuchtet blau und weiß

Himmel und Eis.

Die Wolken verziehen sich, oben blauer Himmel mit weißen Wolken, unten das Blau aus dem Eis, die riesige Wand vor uns, während ich doch gerade noch im Hostel saß und mit Blick auf den Lago Argentino mein Bier genoss – die Szenerie ist völlig surreal.

Dass so ein Boot nicht sehr nah heran darf wegen der ständig herunterfallenden Eisbrocken, die große Wellen verursachen – völlig egal, Größenordnungen sind hier ohnehin relativ. Es knackt und knirscht, wie ich das bereits aus Grönland kenne, am meisten verzaubert aber bin ich durch diese wahnsinnig hübsche Farbe: Der Perito Moreno Gletscher ist strahlend weiß, so irre sauber, wie ich das bisher nirgendwo gesehen habe.

Hier lasse ich von einem anderen Touristen eines der wenigen Fotos von mir auf dieser Reise machen. Ich sehe zwar selten blöde aus, dennoch macht mich dieses Foto heute ein klein wenig glücklich.

Selfie vor dem Perito Moreno Gletscher in Argentinien

Dass ich Selfies nicht so mag, erklärt sich ja jetzt. Das Bild macht mich dennoch glücklich.

Annäherung an den Perito Moreno zu Fuß

So hatte ich mir das vorgestellt auf dieser Reise. Nicht das Eis, oder Patagonien. Nicht diese Weite oder die Sonne und den kalten Wind, nicht das Blau oder Weiß. So hatte ich mir mich selbst vorgestellt – geschüttelt vor Glück, Staunen, Dankbarkeit.

Das Boot kreist um den Perito Moreno Gletscher hin und her, nach etwa einer halben Stunde fahren wir zurück, legen an und werden mit dem Bus auf die Vorderseite der Magellan-Halbinsel gebracht. Hier kommt einem die Gletscherkante direkt entgegen.
Über Treppen und Laufgitter geht es zur Spitze der Halbinsel, die Eiskante ist zwischen den Bäumen immer wieder erkennbar, bis der Blick komplett frei wird.

Perito Moreno Gletscher in Argentinien

Zwischen südamerikanischen Sträuchern: Der Perito Moreno Gletscher

Laufstege führen zum Gletscher Perito Moreno

Um die Natur um den Perito Moreno Gletscher zu schützen und damit Menschen nicht zu nah an die Abbruchkante gehen, wurden Treppen und Laufstege gebaut.

Der Perito Moreno Gletscher in Argentinien

Der Perito Moreno Gletscher in seiner vollen Pracht.

Ich bin tatsächlich fast alleine und bleibe alle paar Meter stehen. Langsames Annähern, Staunen, Horchen, da knallt es wieder, schon wieder ein Stück abgebrochen. Weitergehen. Schauen.
Endlich kann ich langsam begreifen, wo ich hier stehe. So hatte ich mir das vorgestellt auf dieser Reise. Nicht das Eis, oder Patagonien. Nicht diese Weite oder die Sonne und den kalten Wind, nicht das Blau oder Weiß. So hatte ich mir mich selbst vorgestellt – geschüttelt vor Glück, Staunen, Dankbarkeit.

Blick auf den Perito Moreno Gletscher von oben.

Die Größe ist kaum zu erfassen.

Abbruchkante des Perito Moreno mit türkisen Gletschersee

Gletscher-Eis und Gletschersee: meine Lieblingsfarben.

Abbruch eines großen Stückes vom Perito Moreno Gletscher.

Wieder bricht ein großes Stück Eis vom Perito Moreno mit lautem Donnern ab.

Blau leuchtendes Eis.

Eis oder Himmel? Warum das Eis so blau leuchtet, habe ich hier schonmal beschrieben.

 

TTT – TierischeTouriTipps

Tour buchen:

Von El Calafate gibt es zum Perito Moreno Gletscher Kombi-Touren mit Bus, Boot und zu Fuß, die überall im Ort gebucht werden können. Wer gerne frühzeitig bucht, kann das sehr leicht über Get your Guide machen, die Tour ist super günstig:

Perito Moreno-Tour über Get Your Guide für unter 30 Euro buchen*

Der Bus bringt Dich dann zum Perito Moreno und man erkundet den Gletscher auf eigene Faust zu Fuß auf den Wegen und Aussichtsplattformen und mit einem Schiff, das sich dem Perito Moreno annähert. Zu nah darf man natürlich nicht heranfahren, das wäre viel zu gefährlich, weil der Gletscher ja sehr regelmäßig kalbt.

Gut zu wissen: Der Eintrittspreis in den Nationalpark Los Glaciares ist nicht im Preis inbegriffen und wird direkt am Eingang beim Besucherzentrum bezahlt. Der Hafen mit dem Boot ist nahe beim Besucherzentrum.

Unternehmen:

  • El Calafate selbst ist ein wahnsinnig langweiliges Örtchen, was ausschließlich vom Tourismus lebt. Entsprechend öde ist die Hauptstraße, die wie eine langweilige Mall für Jack Wolfskin-Liebhaber anmutet. Der Lago Argentino aber ist schon aufgrund seiner Farbe spektakulär und es gibt verschiedene weitere Ausflugsmöglichkeiten. Ich selbst hatte ein Date mit dem Torres del Paine und bin nicht länger geblieben.
  • Es gibt Gletscherwanderungen auf dem Perito Moreno, die spektakulär sein sollen. Damals waren sie leider so teuer, dass ich mir das verkniffen habe, heute werden sie zu akkuraten Preisen angeboten.

Gletschertour auf dem Perito Moreno buchen*

  • Wer die grandiose Idee hat, den Sternenhimmel über dem Gletscher zu fotografieren, wird enttäuscht: Der Park schließt um 22 Uhr. Eine Genehmigung kostet mehrere hundert Dollar, wurde mir von einem Fotografen erzählt, der es mehrfach versucht und dann aufgegeben hat.
    Update: Sechs Jahre später traf ich diesen Fotografen zufällig wieder und stellte fest, dass es der großartige Markus Eichenberger war. Mehr darüber und ein paar Bilder vom Perito Moreno unterm Sternenhimmel (denn die Bilder hat er dann doch gemacht) gibt es im Artikel Chasing Stars: Sternenfotografie-Workshop über dem Aletsch-Gletscher.
  • Busse gehen von hier täglich nach El Chalten (Trekking zum Fuß des Fitz Roi) und Puerto Natales (Nationalpark Torres del Paine) in Chile.

Unterkommen:

Anscheinend gibt es viele schlechte Hotels und Hostels in der Gegend, so das Hörensagen. Ich hatte offensichtlich mit meinem Hostel grandioses Glück: Das America del Sur Hostel* in der Calle Puerto Deseado 153 ist wunderschön, man blickt aus dem gemütlichen Aufenthaltsraum direkt auf den Lago Argentino und die MitarbeiterInnen bemühen sich, ein angenehmes Klima unter den Gästen zu schaffen, so gibt es z.B. jeden Tag die Möglichkeit, an einem gemeinsamen Essen teilzunehmen. Auch Doppelzimmer sind vorhanden.

Eine weitere Möglichkeit sind die teureren Estancias in der Gegend, bei denen man echtes argentinisches Cowboyfeeling schnuppern kann, was ich unbedingt empfehlen würde, wenn man nicht auf jeden Cent schauen muss. Eine Möglichkeit ist hier die Estancia La Usina*.

Co2-KompensierungDenk dran: Ein Flug nach Südamerika und zurück emittiert unfassbare 9-10 Tonnen CO2 (pro Person), die Mobilität vor Ort kommt noch einmal oben drauf.  Das sind ca. 4 Mal so viel CO2 wie ein klimaverträgliches Jahresbudget eines Menschen. Besser ist daher, einmal eine lange Reise in Südamerika zu machen als mehrfach zu fliegen. Kompensieren kann man das klimaschädliche Treibhausgas zum Beispiel bei Atmosfair oder anderen lokalen, CO2-bindenden Projekten wie Moorfutures.

 

*Partnerlink: Wenn Du über diesen Link buchst, bekomme ich eine kleine Provision. Der Preis ist für Dich der Gleiche.
Dieser Beitrag wurde am 19. April 2019 aktualisiert.