Die Idee, ein Hausboot in Brandenburg zu mieten kam uns durch das Wochenende auf dem Natur Floß im letzten Jahr. Der kleine Floßurlaub hatte uns total entspannt und auch den Kids hatte es gefallen, also war die Sache schnell klar. Allerdings wollten wir für eine ganze Woche lieber ein Hausboot fahren, also etwas größeres. Das BunBo stand schnell fest und dass es wieder in Brandenburg sein sollte ebenfalls.
Da wir patchworkmäßig allerlei Netzwerken müssen, stand der mögliche Termin für einen Hausboot Urlaub erst im Frühjahr fest und ich kann Euch sagen, dass wir gerade noch eines der letzten BunBos ergattert haben. Die Empfehlung von BunBo selbst ist, ein schon im Vorjahr das Hausboot zu buchen. Wer also auch ein Hausboot mieten möchte, sollte früh buchen!

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Wir sind von Plaue aus, das ist nahe Potsdam, die Havel mit einem Bungalowboot – kurz „BunBo“ – heruntergeschippert und haben uns mitten in der großartigen Natur Brandenburgs entspannt.

In diesem Artikel beantworte ich die vielen Fragen, die mich zu unserem Hausboot Urlaub erreicht haben. Ihr findet hier also neben meiner Schwärmerei auch noch meine Erfahrungen, Ratschläge und Tipps für einen Hausboot Urlaub mit der Familie, ein Trip, den ich wirklich wärmstens empfehlen kann.

Ich überlege mir derweil, ob ich nicht in so ein Hausboot für meine Rente investieren sollte, so begehrt, wie die Dinger sind… (ja, man kann ein BunBo tatsächlich auch kaufen und über BunBo selbst vermieten…).

Inhalt des Artikels

1. Warum ein BunBo?

Der Platz
Die Steuerung
Das Klo
Die Ausstattung

2. Wo kann man denn ein Hausboot mieten?
3. Was kostet so ein Hausboot?
4. Empfehlungen und Tipps für einen Hausboot-Urlaub

BunBo - das Bungalowboot auf dem Plauer See

So sieht dann richtige Entspannung aus, aaww.

Anmerkung in eigener Sache:
Wir haben diesen Hausboot Urlaub, um Vorurteilen vorzubeugen, selbst gezahlt und nur einen kleinen Journalistenrabatt erhalten, der mich – wie generell bei all meinen Reisen, darauf lege ich viel Wert – zu keiner tendenziellen Berichterstattung verpflichtet.
Da so ein Hausboot eine Stange Geld kostet, haben wir damals ziemlich lange die verschiedenen Anbieter verglichen und uns letztendlich für das sehr beliebte BunBo entschieden. Allerdings gibt es mittlerweile so viele Anbieter, dass ein Komplettvergleich unmöglich ist (auch auf dem Wasser sind uns wieder Hausboote von Anbietern begegnet, die wir im Internet nicht gefunden haben).
Das BunBo gehört vermutlich zu den luxuriöseren Varianten im Mittelfeld (die Kategorie „Luxus“ ist einfach unbezahlbar, ich biete mich aber selbstredend als Testerin an, krkrkr), das Natur Floß ist die einfachste Variante, die uns bisher begegnet ist.

1. Warum ein BunBo mieten?

Der Platz

Das Natur Floß war klasse, ich persönlich würde das immer wieder machen. Aber für mehr als drei Tage würde ich das dringend nur zu zweit empfehlen, zu viert ist schon eng und für mehr Leute ist das wirklich gar nicht geeignet.
Andere Flöße (z.B. die Huckleberry Flöße) und Hausboote (z.B. Hausboote Plauersee) sind ein wenig größer als das Natur Floß und günstiger als das BunBo. Aber wenn man eine Woche lang zu fünft unterwegs ist und es vielleicht auch mal regnet, ist es gut, wenn man es sich drinnen gemütlich machen kann. Beim BunBo war unsere Ausführung die größte (das BunBo 1160; 1160 steht für 11 Meter, 60 Zentimeter, ein echter Brocken also), aber es gibt auch kleinere.
Ebenfalls gibt es natürlich diese „richtigen“ Boote, die als Hausboote deklariert werden (z.B. LeBoat), wir wollten aber unbedingt den Charme der hölzernen Boote haben, also das, was man gemeinhin auch unter Hausboot versteht. Man ist zudem dem Wasser näher als in einem richtigen Boot – ja genau, das „Füße-im-Wasser-baumeln-lassen“ gehört für mich dazu.

Im Endeffekt fühlt sich das Bunbo an wie ein kleines Ferienhaus mit Miniküche, Badezimmer, 2 Schlafzimmern, Tisch & 5 Stühle, Schlafcouch. Unser Ferienhaus in Island war (nicht nur gefühlt) kleiner.

BunBo Innenansicht Hausboot

Das BunBo von Innen: Schönes Holz, schlichte Einrichtung, großes Terrassenfenster. Die zwei Schlafzimmer sind hinten, das Bad rechts hinter dem Kamin.

Der Platz draußen ist bei den verschiedenen Anbietern nicht überall gleich, wie man vielleicht annehmen sollte. Manche Hausboote haben z.B. hinten mehr Platz. Beim Bunbo kann man dort zwar theoretisch auch gerade so sitzen aber bequem ist es nicht und auch gefährlich, denn es ist nichts abgesperrt und wegen des Motors sollte man bei Fahrt auf gar keinen Fall ins Wasser fallen. Ich war dann auch froh, dass die Kids diesen Platz nicht genutzt haben. Im Grunde ist der Platz hinten nur dazu da, sich den Motor anschauen und den Anker runterlassen zu können.

Eine Terrasse vorne gibt es bei allen Anbietern, klar. Die ist beim BunBo zum größten Teil überdacht, ganz vorne ist ein bisschen frei. Bei südlicher, westlicher oder östlicher Fahrt bekommt man immer noch etwas Sonne ab, die Überdachung hätte nach meinem Geschmack etwas kleiner sein können, sich Sonnen war manchmal (während der Fahrt nach Norden) etwas schwierig.

Der Vollständigkeit halber: Nein, auf das Dach darf man nicht rauf (und wir haben uns da auch dran gehalten), wohl einmal wegen der Solaranlage und weil die Schwerpunktverlagerung im ungünstigsten Fall angeblich ein Umkippen begünstigen könnte, was ich aber kaum glauben mag. Ein Hausboot mit Dachnutzung wäre absolut toll gewesen, bei einigen Anbietern ist das wohl erlaubt, z.B. bei manchen Huckleberry Flößen.

Die Steuerung bei einem Hausboot

Wichtiges Thema! Es gibt Hausboote und Flöße, da steuert man nur draußen ohne Überdachung (z.B. das Natur Floß). Das ist zwar total schön, aber wenn die Sonne knallt oder es regnet ist das nur so mittelprächtig. Es gibt andere Hausboote, da steuert man nur drinnen. Das finde ich nun total bescheuert, man will doch auf so einem Ding die Natur genießen!
Es gibt Hausboote mit Steuerung draußen und drinnen, die kamen aber wegen anderen Argumenten nicht in Frage. Das BunBo wird draußen gesteuert aber unter der Überdachung und ggf. kann man sogar noch eine Plane seitlich zumachen, bei Regen also kein Problem.
Diese Steuerung war am ehesten nach meinem Geschmack und wurde meines Erachtens sehr gut überlegt. Sie war zusammen mit dem Platz der ausschlaggebende Punkt für die Entscheidung für das BunBo.

Steuer vom BunBo

Das Steuer befindet sich beim BunBo vorne rechts unter einer Überdachung. Der dicke Metallpfahl hinter dem Mann ist übrigens der vordere Anker.

Das Klo

Ja, das wird hier extra erwähnt, weil es für den Mann absolutes Kriterum war, nicht eine Woche lang in einen Sägemehl-Eimer zu machen, wie es z.B. beim Natur Floß der Fall ist. Ich vermute, das geht den Meisten so. Ich persönlich hätte den Eimer vorgezogen, denn wir hatten jetzt eines dieser bescheuerten Marine-Klos, das nicht richtig funktioniert hat. Ergo: Inka und alle Kids mussten nach jedem Klogang den Mann zum Pumpen rufen. Das ist so erniedrigend, das könnt Ihr Euch nicht vorstellen…
Ich hoffe, andere Klos funktionieren besser und wir haben mit dem Ding einfach nur Pech gehabt.

Die Ausstattung

Ich alleine oder zu zweit: No problem, da darf es klein sein, ich zelte ja auch gerne. Mit Kids und Teenagern mit verschiedenen Bedürfnissen und Essen kochen für Fünf und Spieleabendbeschäftigung war uns neben einem kleinen Innen-Aufenthaltsraum ein Bad und ein Herd wichtig.

Das Badezimmer war, bis auf das bereits erwähnte Klo, sehr gut und ich war von der Dusche angenehm überrascht. Natürlich, dicke Haare hier zu waschen dürfte schwierig werden, da geht man am Besten einfach schwimmen und lässt hinterher nur ein bisschen Wasser drüber laufen. Der Huckleberry-Look ist ja nach ein paar Tagen eh ein muss.

Die Küche ist eine Zeile im Wohnzimmer inklusive kleinem Kühlschrank, winzigem Eisfach, zwei Gasplatten und inklusive Geschirr, alles extrem gut gepflegt. Was mir dort gefehlt hat: Ein Schrank für die Vorratssachen. Wir haben dann die m.E. überflüssigen Schnaps- und Weingläser beiseite gerückt und hingestopft, wo es nur ging, Sachen auch unterhalb der Küchenschränke auf dem Boden gelagert und im Schlafzimmer. Gut gelöst ist das aber nicht, bei fünf Leuten braucht man eine Menge an Essen. Mir haben außerdem Haken gefehlt, um alle möglichen Dinge einfach an der Wand aufzuhängen, selbst für die Geschirrtücher fehlten solche Haken.

Strom gibt es ebenfalls, gespeist durch den Motor und die kleine Solarzelle auf dem Dach. Das reicht sogar, um mehrere Handys und Laptops nacheinander tagsüber aufzuladen und dennoch Abends das Licht einzuschalten.

Übrigens gibt es für die kühlere Jahreszeit einen Kaminofen. (Und ich stell mir jetzt schöne vernebelte Spätherbsttage und Kaminofenabende vor…)

Alles in allem ist die schlichte Holz-Innenreinrichtung wirklich sehr hübsch, und ja, das macht für mich einen großen Unterschied zu einer hässlichen Einrichtung, die ich eine Woche lang ertragen muss und ist ebenfalls auf der Plus-Seite des BunBos gelandet.

Genial natürlich: Die Hängematte, die man draußen vorne aufhängen kann. Wie toll ist das denn!

Hängematte auf dem Hausboot mitten in Brandenburg

In der Hängematte auf dem See in den Sonnenuntergang schauen… Kaum zu glauben, wie schön das ist, oder?

Draußen gibt es eine Feuer-/Grillschale, Holz wird mitgeliefert. Das Holz hat aber in der Schale so schlimm gequalmt und war als Grillholz quasi nicht zu gebrauchen, weshalb wir mit Grillkohle gegrillt haben. Bei unserer Beschwerde hieß es, das läge nicht am Holz sondern an der Grillschale, was ich persönlich bezweifle und denke, dass das kein gut abgelagertes Holz war. Also besser Grillkohle und Anzünder mitnehmen.

BunBo-Feuerstelle auf dem Hausboot

Lagerfeuer auf dem Hausboot bei Sonnenuntergang – check.

2. Wo kann man denn ein Hausboot mieten?

Hausboote und Flöße gibt es überall von mittlerweile vielen, vielen Anbietern und überall dort, wo es Seengebiete gibt. Das BunBo hat mehrere Stationen sowohl in Brandenburg wie Mecklenburg-Vorpommern. Ich kann Euch bisher nur zwei Reviere beschreiben und habe jetzt übrigens die Qual der Wahl für das nächste Jahr (denn wir wollen das unbedingt noch einmal machen). Wertvolle Hinweise bitte an mich, ich habe gehört, auch Lychen sei sehr schön.

Plaue (nahe Potsdam)

  • Von Plaue aus kann man entweder Richtung Norden die Havel entlang fahren, dabei den Havelsee passieren, an Rathenow vorbei bis zum Seeblick. Das haben wir gemacht. Achtung: Auf den Gülper See, der weiter im Norden liegt, darf man NICHT fahren, da ist Naturschutzgebiet.
    Vorteil: Es ist ruhig und nur wenig befahren. Das hat uns an der Strecke gereizt und ist auch wirklich schön.
    Nachteil: In Premnitz und Rathenow muss man schleusen. Einkaufsmöglichkeiten sind begrenzt und so etwas wie einen Anleger an einem Caféhaus oder Restaurant gibt es dort eher nicht. Ab und an ist die nahgelegene Bundesstraße zu hören.
  • Zweite Möglichkeit ist, auf dem Plauer See zu bleiben, der in den Breitling See und Möserschen See im Süden übergeht. Dieses Seengebiet ist so groß, dass einem garantiert auch in einer Woche nicht langweilig wird.
    Vorteil: Keine Schleusen und es ist relativ leicht, irgendwo einzukehren oder einkaufen zu gehen.
    Nachteil: Es ist voller und nicht so einsam.
Die Havel vom Hausboot aus

Die Havel nahe Rathenow

Fachwerkhaus in Rathenow

In Rathenow. Sich die Orte vom Wasser aus anzuschauen hat etwas ganz Besonderes, finde ich. In der Gegend gibt es viele schöne alte Höfe und Fachwerk.

Fürstenberg (Uckermark, nördlich von Berlin)

  • Richtung Westen zum Röblinsee, Ziernsee, Ellenbogensee: Diese Gegend haben wir mit dem Natur Floß erkundet. Im Gegensatz zur Gegend um Plaue wirkt die Natur hier viel wilder, weil weniger Felder und mehr Wälder um die Wasserstrecke existieren. Mir hat sie persönlich besser gefallen.
    Vorteil: Wilde Natur, ziemlich ruhig, dennoch gibt es verschiedene Anlege- und Einkehrmöglichkeiten.
    Nachteil: Es gibt mehrere Schleusen auf der Strecke.
  • Richtung Osten zum Baalensee, Schwedtsee, Stolpsee: Sind wir nicht gefahren, soll aber von der Landschaft (wild) und den Gegebenheiten sehr ähnlich sein, außerdem wollte ich unbedingt mal nach Himmelpfort. Bisher ist das meine favorisierte Wahl für das kommende Jahr.
Havelansicht, Fürstenberg

Die Gegend um Fürstenberg – stiller und wilder

3. Was kostet so ein Hausboot?

In Kürze: So ein BunBo kostet zwischen 80-100.000 Euro. Haha, ja, ehrlich. Aber ich nehme an, Ihr wollt die Miete wissen, oder? Mit rund 150-200 Euro pro Tag seid Ihr bei einer 7-Tage-Reise dabei. Das ist anscheinend bei anderen Anbietern ähnlich.

In längerer Ausführung: Die Preise steigen! Wenn Ihr so einen Urlaub machen wollt, macht das entweder sofort, weil die Anbieter, weil sie so unfassbar beliebt sind, jedes Jahr etwas draufschlagen, oder wartet noch ein paar Jahre und hofft, dass es dann günstigere Anbieter geben wird.

Genaue Preisangaben sind daher etwas schwierig, beim BunBo variieren diese zusätzlich je nach Größe, Ausstattung (es gibt z.B. auch barrierefreie BunBos!), Standort und Saison.

Zusatzkosten (7 Tage)

  • Beiboot, optional: 7 Euro pro Tag = 49 Euro
  • Holz nach Verbrauch: 5 Euro pro Sack = 5 Euro
  • Charterschein(e): nur Pflicht, wenn kein Sportbootführerschein (Binnen) vorhanden, je 30 Euro = 30 Euro
  • Zusatzversicherung, optional: Selbstkostenbeteiligung auf 250 Euro minimieren = 20 Euro
  • Benzin: berechnet mit 1,75 Euro pro Liter = 68 Euro. Wir sind rund 100 Kilometer gefahren und haben 39 Liter verbraucht, allerdings fährt der Mann auch sehr sparsam (= langsam). Wer hier den Motor ausreizt, verbraucht natürlich sehr schnell sehr viel mehr.
  • Wasser: Die Tanks (Frischwasser- und Abwassertanks) umfassen je 300-400 Liter. Das sollte für eine Woche ausreichen, allerdings sind natürlich keine täglichen Duschorgien möglich. Sollte der Abwassertank doch einmal voll sein, ist natürlich ein Abpumpen und Auftanken im Hafen erforderlich, was zusätzlich Geld kostet. Das Wasser sollte nicht als Trinkwasser verwendet werden.
  • Endreinigung & Gas sind inklusive.

Preisbeispiel

Die Zusatzkosten beliefen sich bei uns also auf 172 Euro, damit kostet eine Woche mit dem größten BunBo (1160) in der Hauptsaison relativ genau 1400 Euro, also 200 Euro pro Tag. Das wäre bei einem Pärchenurlaub natürlich etwas viel, für einen Familienurlaub zu fünft, bei dem sämtliche Anreisekosten entfallen allerdings ziemlich günstig. Bei einem kleineren BunBo mit einem Schlafzimmer kann man etwa 200 Euro gesamt weniger rechnen, in der Nebensaison ebenfalls weniger.

Anmerkung: Eigentlich sind es sogar nur 6 Tage, da man am ersten Tag den Charterschein machen muss und das leider ewig dauert. Wir konnten erst am Abend (17.30 Uhr) losfahren und waren, wie wir im Gästebuch nachlesen konnten, nicht die einzigen. Die Abgabe erfolgt dann spätestens um 10 Uhr (wer später kommt, muss zahlen). Das sollte man bei der Buchung mit berücksichtigen.

Auch eine Möglichkeit: Die „Kurzwoche“

Die „Kurzwoche“ dauert beim BunBo von Montag bis Freitag und ist, soweit ich weiß, nicht in der Hauptsaison buchbar. Diese kostet fast nur die Hälfte (da kürzer UND Nebensaison) und hat mit ziemlicher Sicherheit den Vorteil, dass die Einweisungen nicht ganz so lange dauern, da weniger Leute unterwegs sind. Mit Glück seid Ihr also nicht erst am Abend abfahrbereit sondern schon am Nachmittag und bekommt somit „gefühlt“ einen Tag dazu.

4. Meine Empfehlungen und Tipps für einen Hausboot Urlaub

Der Charterschein wird zentral mit allen Anwärtern auf einem BunBo gemacht. Das war uns vorher nicht klar, wir dachten, wir werden auf unserem BunBo eingewiesen. Ich hätte mich sonst auch angemeldet, um das Prozedere und einige Feinheiten ebenfalls zu lernen, somit hat das bei uns nur der Mann gemacht und ich war bis zum Schluss ein bisschen unsicher. Wenn Ihr nicht total geizen müsst bzw. nur zu zweit seid, würde ich also dringend empfehlen, dass beide den Charterschein machen (und nein, alleine kann man nicht fahren).

Uuuuunbedingt ein Beiboot mieten, wenn man selbst keines hat! In Fürstenberg gab es häufiger Anlegemöglichkeiten, in Plaue jedoch nicht, wir hätten also meist ans Ufer schwimmen müssen, was natürlich etwas uncool ist. Zudem war das Beiboot der größte Spaß für die Kids und Rudern lernen ist eh klasse. Außerdem würde man sonst so tolle Orte wie Kirchmöser verpassen, eine alte Eisenbahnersiedlung, die ich unbedingt empfehlen möchte. Die pittoresken Häuser sehen aus wie eine Filmkulisse.

Kirchmoeser - altes Eisenbahnerdorf am Plauer See

Kirchmöser – das alte Eisenbahnerdorf sieht aus wie eine Filmkulisse und ist einen Abstecher wert (hier die Grenzstraße).

Bei Ankunft an der Leihstelle (im Sommer um 14 Uhr) am Besten sofort eine Nummer holen. Dann ist man umso früher dran beim BunBo-Check und kann anschließend bis zum Charterschein in Ruhe was Essen (Essen bereithalten!). Wir haben das leider nicht gemacht und saßen ewig blöd rum und haben uns gefragt, wann nun wer kommt und wie lange das alles noch dauert. Am Abgabetag am Besten spätestens um 9 Uhr da sein und wieder sofort eine Nummer holen, dann geht es mit dem Auschecken schneller.

BBunBo-Hausboot-Kolonie Plaue

Schleusen will ein wenig gelernt sein. Sagen wir so: Was beim kleinen Natur Floß kein Problem war, war beim knapp 12 Meter langen BunBo schon eine andere Nummer. Definitiv sollte man sich beim Schleusenwärter als Anfänger outen, damit der einem hilft. Bei uns hat ein Kommunikationsproblem (hüstl) dafür gesorgt, dass das „Hinterteil“ des BunBos sich fast losgerissen hätte, blöderweise hat uns der Schleusenwärter wohl für Pros gehalten und uns nach vorne geschickt – definitiv keine gute Idee, weil die Wasserkraft vorne immens sein kann. Also immer schön hinten anstellen. Alles weitere lernt Ihr beim Charterschein.

Ankern darf man überall, außer natürlich in der Fahrrinne und ausgeschilderten Gebieten oder Privatgrundstücken. Der Anker kann nur eine bestimmte Tiefe +/- ca. einem Meter, die müsst Ihr ausloten. Das ist grundsätzlich nicht so schwierig, aber eine plötzliche, nicht ausgewiesene Sandbank kann einem mal blöd dazwischenkommen und dann steckt Ihr fest. Das ist kein Drama, kostet jedoch 250 Euro, falls Euch die Leute vom BunBo helfen müssen. Das ist leider auch bei anderen BunBo Mietern vorgekommen, uns selbstredend nicht, newahr, der Mann ist halt ein echter Pro…

Die Karten, die man vor Ort bekommt, reichen absolut aus, sind aber nur Überblickskarten. Den Maßstab weiß ich nicht mehr, das müssten ca. 1:20.000 gewesen sein. Wassertiefen o.ä. kann man dort nicht erkennen.

So ein Hausboot zu steuern ist nicht schwer. Grundsätzlich braucht man vermutlich ein bisschen Fingerspitzengefühl, wann das BunBo auf die Steuerung reagiert oder wie der Motor abgeht, das ist aber fix gelernt. Und keine Angst, wenn man mal etwas vergessen hat: Die BunBo-Leute hatten die geniale Idee, ein Tablet zur Ausstattung zu geben, auf dem für die Vergesslichen kleine Filme vorhanden sind, die sehr anschaulich erklären, wie etwas funktioniert. Einfach und genial.

Die Geschwindigkeit beträgt ca. 7-8 km/h, wir sind vermutlich im Schnitt eher 6 gefahren.

Es ist normal, dass man ab und an in Schlingpflanzen gerät und die vom Motor wieder abfummeln muss. Wir haben extra ausprobiert, ob ich als zartes Wesen den Motor hochgehievt bekomme, um das Ding zu reinigen: Ja, geht.

Mit ins Gepäck sollten

  • Geschirrhandtücher (2 sind vorhanden, die haben aber nicht gereicht)
  • Mückenzeug
  • Essen natürlich & Wasser
  • Sonnencreme
  • Spiele bieten sich an
  • Gerne ein gutes Fernglas, um die vorbeischwimmenden Otter zu beobachten
  • die Solarlichterkette war eine tolle Idee
  • Haken, oder einfachen Draht, mit dem man die fehlenden Haken für die Küche basteln kann
  • Ein Notfallkit, das ist bei mir aber ohnehin im Gepäck.
  • Grillkohle, wie oben erwähnt
  • Ohrenstöpsel! Janee, das ist kein Witz. Die Wildenten waren in solchen Heerscharen unterwegs und haben so einen Krach bis in die Dunkelheit gemacht, dass der ein oder andere von uns nicht schlafen konte (ich allerdings kann da ganz gut bei schlafen).
  • Flache Kartons oder Kisten, die man mit den Essensvorräten bepacken und dann unter die Schränke der Miniküche schieben kann, in der wie beschrieben leider kein Platz für die Vorräte ist.
  • Den Polfilter für die Kamera wegen der Wasserspiegelungen nicht vergessen und auch das Stativ. Zwar nützt das Stativ auf dem BunBo selbst wenig, aber von Land aus sind tolle Bilder möglich, wenn z.B. nachts die Wolken aufreißen und den Sternenhimmel freigeben…
BunBo bei Nacht: Hausboot unter dem Sternenhimmel

Ein BunBo unterm Sternenhimmel.

Auf jeden Fall ist das auch ein geeigneter Urlaub für alle Kinder zwischen 5 und 18. Unsere drei sind recht unterschiedlich und fanden es alle gut. Wichtig ist, dass die Kinder schwimmen können und verstehen, dass sie bei einigen Dingen vorsichtig sein müssen bzw. nichts zu suchen haben (z.B. hinten am Motor, oder auch Beine vorne runterbaumeln lassen ist bei Fahrt absolut gefährlich). Ansonsten gibt es genug zu tun, ob Schwimmen gehen, sich ein Spiel ausdenken (der Große hat sich doch echt in Ermangelung eines Rechners ein supercooles Brettspiel ausgedacht), Rudern lernen, die Natur erkunden, basteln, lesen, fotografieren, Filme drehen, Tiere beobachten, rumdösen…

Hausboot BunBo im Abendlicht
Durch die zwei Schlafzimmer gibt es für die Älteren immer einen Rückzugsort, auf der Couch und in der Hängematte kann gegammelt werden. Mehr als eine Woche dürfte für Kinder evtl. ein bisschen zu langweilig werden, das kommt sehr auf das Kind an, bei uns stand es 3:2 für eine Verlängerungswoche.

Im Natur Floß Artikel habe ich die Spinnen erwähnt. Was dort gerade so erwähnenswert ist, ist hier, nunja, im Spätsommer eher Pflichtanmerkung: Das Ding war voll mit nachtaktiven, ziemlich großen Spinnen. Sagen wir’s so: Ein Urlaub mit vier Inkas wäre hier nicht wünschenswert gewesen, denn auch, wenn ich mich zur Abhärtung verdonnert habe, habe ich dennoch eine recht ausgeprägte Spinnenphobie und der Mann musste jeden Abend bei Dämmerung die herumturnenden Viecher mit dem Besen verscheuchen (was nicht soooo viel bringt, die schwimmen nämlich wassertretenderweise zum Floß zurück, das haben wir empirisch untersucht). Vom Innenraum konnten wir die Großen aber glücklicherweise ganz gut fernhalten, es gibt vor allen Fenstern auch Netze. Wer hier empfindlich ist, fährt vielleicht eher im Hochsommer oder noch besser im Spätherbst.

Spinnennetz in der Morgensonne

Spinnennetz – gottseidank war von den Viechern tagsüber nicht zu sehen.

Und am Allerwichtigsten: Nichts vornehmen! Am Schönsten ist es doch, spontan sein zu können, schließlich könnt Ihr bleiben, wo Ihr wollt, so lange fahren, wie Ihr wollt (außer bei Dunkelheit, das ist nicht erlaubt), und es gibt so viel zu entdecken! Eidechsen, Frösche, Graureiher, unzählige Wildenten, Bettelschwäne (bitte nicht füttern!), Kraniche. Otter, die seelenruhig an unserem Hausboot vorbeischwammen. Ich kann es gar nicht alles aufzählen.

Ein verlassenes Schiff haben wir erforscht, sind im See geschwommen, haben alte Bauernhöfe bewundert, bewohnte Muscheln gefunden, uralte Flaschen aus dem Wasser gezogen, gespielt bis uns langweilig war, sind gerudert, haben gelesen, uns gesonnt, mit dem Fotoapparat herumgespielt und ich habe einmal wieder entdeckt, wo es die schönsten Sonnenuntergänge gibt: in Brandenburg überm See. Fazit dieser Woche:

Zuhause umme Ecke ist’s doch am Schönsten. Brandenburg.

Schwanfamilie

Bettel-Schwanfamilie: Die Schwäne der Gegend sind Hausboote gewöhnt und wisen, dass sie häufig etwas bekommen. Bitte nicht füttern, diese Schwäne müssen lernen, sich selbst zu versorgen.

Plauer See am Morgen

Der Plauer See am frühen morgen – die schönste Tageszeit auf einem Hausboot.

Sonnenuntergang am Hausboot BunBo

Aufgabe des Tages: Den besten Ankerplatz finden: Wo ist der schönste Sonnenuntergang, und wo geht am Morgen die Sonne auf?

Sonnenuntergang am Hohennauenersee

Am Hohennauener See

Ruderboot im Sonnenuntergang auf dem Hohennauener See, Brandenburg

Rudern in den Sonnenuntergang

BlauesBoot im Sonnenuntergang

Unser knallblaues Beiboot im Sonnenuntergang auf dem Hohennauener See

Sonnenuntergang in Brandenburg auf dem Hohennauener See

Wir waren mehrere Nächte auf dem Hohennauener See und haben die riesigen Schwäme von Wildenten im Sonnenuntergang bewundert.

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