Berlin-Brandenburg, Deutschland, Reisegeschichten, Reisetipps

Wie Huckleberry Finn: Eine Floßfahrt durch Brandenburg

27. Mai 2014
Floß auf dem Wasser

Kennt Ihr das? Es gibt zwei Modi, in denen ich durch die Gegend laufe – den Alltagsmodus, ziemlich beschleunigt, um möglichst viel in den Tag zu quetschen und den Entspannungsmodus, sprich entweder ist der Tag ein ommm-sage-Tag oder er ist ommm. Heute ist ommm.

Manche haben schon über Facebook oder Instagram mitbekommen, dass wir eine herrliche Floßfahrt durch Brandenburg unternommen haben.

Am Freitag dachte ich noch, ich erzähle an dieser Stelle eine coole, vollgestopfte Geschichte über das Chaos, wie uns das Auto am Morgen kaputt ging, obwohl ich doch dringend etwas zu arbeiten hatte, noch wählen gehen musste, die Jungs pünktlich abgeholt werden sollten, wir noch packen mussten und stattdessen den Leihwagen, den wir netterweise spontan von einem Freund borgen konnten, aus Zeitmangel einfach mit irgendwelchem Kram vollstopften, um dann auf dem Weg ins brandenburgische Großmenow in den längsten Stau aller Zeiten zu geraten.
Aber das Chaos ist weg aus meinem Kopf. Stattdessen erzähle ich heute lieber in wenigen Worten und vielen Bildern, was wir am Wochenende gemacht haben, denn ich bin schlicht: tiefenentspannt.

Das Natur-Floß ist die naturnahe, einfache Variante, um einen kleinen Abenteuerurlaub auf dem Wasser in Deutschland zu erleben. Eine luxuriösere Variante ist das Bungalowboot, mit dem ich auch unterwegs war. Für eine Variante entscheiden könnte ich mich nicht: Ich finde das Naturfloß persönlich toll und „echter“ vom Outdoorgefühl und würde das bei einem Pärchenurlaub vorziehen. Mit Kindern wiederum und für längere Zeit oder auch in der kühleren Jahreszeit würde ich ein wenig Luxus bevorzugen, z.B. eine Toilette, Dusche, Kaminofen und getrennte Schlafzimmer.

Die Tipps für einen Floßurlaub und zum Floß mieten findest Du am Ende dieses Artikels unter:

Meinen Bericht über das Bungalowboot findest Du hier:

Floßurlaub in Brandenburg

Seit zwei Monaten hatten wir uns darauf gefreut: Ein Floß mieten und einfach zwei Tage lang wie Huckleberry Finn auf der Havel umherschippern. Es war nicht wie erwartet – es war besser!

SeeHimmlische Ruhe irgendwo in Brandenburg. Auf dem Floß sein das bedeutet: Draußen sein.


Als es am ersten Tag regnete, konnte ich endlich mal wieder ein Tarp abspannen.

Floß am FlussUnser Floß auf dem Amazo.. äh – der Havel


Darunter wurde dann gegrillt, während die Sonne sich trotz oder vielleicht wegen des Regens zu einem unglaublichen Farbenspiel senkte und ich mir durch die feucht-warme Luft und die ursprünglichen Wälder drumherum ein bisschen vorkam wie am Amazonas. Nicht, dass ich wüsste, wie es dort ist, aber ein bisschen so stelle ich mir das vor.

Wilde Natur am Fluss: Floßurlaub in BrandenburgSpiegelbäume und irre Kulissen – Floßurlaub in Brandenburg


Fluss und ursprünglicher WaldWilde Havel


Was außerdem an einem Floßurlaub toll ist:

Weil niemand auf so einem Floß lange schlafen kann – außer einem 13jährigen – fällt das Frühaufstehen ganz leicht und ich kann das allerschönste Licht einfangen.

Morgennebel am SeeMorgennebel über dem See


Einem Schwan Hallo sagen.

See mit SchwanDa kommt er zielstrebig von der anderen Seite des Sees angerauscht, als er mich hört.


Einem niedlichen Bettelschwan.

Bettelnder SchwanDer Versuch, das Floß zu kapern misslang glücklicherweise.


Stille und Ruhe.
Ein auf dem Gaskocher zubereiteter Kaffee.

Floßurlaub: spiegelglatter See am MorgenSo schön, und das direkt vor der Haustür: Auf einem Floß kann man faul sein und trotzdem draußen, sich nicht bewegen und trotzdem viel sehen. Warum wollte ich nochmal in die Ferne schweifen?

1, 2, Floß mieten und los

Die Anfahrt ist kurz, das Essen nehmen wir mit (eine Kochecke ist vorhanden), inklusive Lieblingsbuch. Nichts geht schneller und einfacher, als in diesen Kurzurlaub einzutauchen.
Kein Digitalkrams, kein Computer, und wenn der Akku vom Handy leer ist, ist er eben leer, und die Kinder sind trotzdem nicht maulig, denn sie dürfen natürlich beim Floß steuern helfen.

Ausblick vom Steuerruder am Floß auf den FlussDer Schuh? Wasser und ungeschickte Füße und so…


Es gibt ständig etwas zu entdecken.

Bootsschuppen und WasserspiegelungBootsschuppen


Partyfloß mit Feuerstelle und KlohäuschenPartyfloß mit Feuerstelle und Klohäuschen


Zwischendurch muss geschleust werden. Das ist bei dem handlichen Floß aber einfacher, als man denkt. In Brandenburg steht außerdem meist ein Schleusenwärter herum, der nette Tipps gibt.

Mit dem Floß in die SchleuseIch glaube, das Schleusen fanden wir Erwachsenen fast aufregender als die Kids.


Es ist eben so unordentlich, wie es ist. Niemand muss aufräumen.

Innenansicht Floß: Chaos im FloßurlaubUnser Floß von Innen. Zwischen die Sitze werden Abends Bretter und Metratzen gelegt.


Sich spontan entscheiden, irgendwo hinzufahren oder ein bisschen zu bleiben – frei sein.

stiller Fluss mit klarem Himmel und Wasserspiegelung
Fluss mit Bootscshuppen und Spiegelung
See und Spiegelung mit blauem Himmel

Feuer machen. Draußen sein.

Feuerschale auf einem Floß vor SonnenuntergangAaaaawww und hach waren wohl meine Worte.


Mit am Schönsten auf unserem Floß ist die Feuerstelle: Jeden Abend das Tinyhouse im Rücken und die Terrasse einfach an der schönsten Stelle verankern und ein Feuer machen. Und dann die krassesten Sonnenuntergänge aller Zeiten erleben.

Sonnenuntergang am SeeSelten habe ich solche Farben gesehen, was vermutlich an den vielen Regenwolken lag


Am Ende sehen die tiefenentspannten und ungestylten Erwachsenen dann so aus:


Der Mann und ich etwas ungepflegt und tiefenentspannt.


Das einzig Blöde an diesem Wochenende: Ich hatte doch tatsächlich meinen Strohhut vergessen!
Ein Huckleberry-Inka-Foto fehlt deshalb leider, aber das wird nachgeholt – ganz sicher.

TTT – TierischeTouriTipps

  • Unser Floß mieten geht auf http://www.natur-floss.de und wir wurden ob dieses charmanten ursprünglichen Floßes von so manchem Hausbootsbesitzer beneidet. Allerdings ist es wirklich klein und man sollte sich schon gernhaben und nicht scheuen, in einen Eimer mit Sägespänen zu machen, was nicht jedermenschens Sache sein mag.
  • Zu viel Gepäck schadet! Minimalismus fühlt sich gut an und ist hier sowieso nötig, denn es gibt wenig Stauraum. Auf der Webseite gibt es eine Liste, was alles benötigt wird.
  • Kartenmaterial und Tipps gibt es vom Herrn Richter persönlich sowie eine Einweisung und eine kurze Übungsrunde.
  • Abhärtung gegen Achtbeiner sei den Empfindlichen unter uns empfohlen, zum Beispiel durch eine kleine Spinnentherapie (und nein, soo groß sind sie nun auch wieder nicht!). Ich habe draußen immer weniger Probleme mit den Viechern als drinnen.
  • Es gibt natürlich Schwimmwesten auch für die Kinder, ich würde aber empfehlen, Kinder erst ab einem Alter mitzunehmen, in dem sie Gefahren einschätzen und gut schwimmen können.
  • Das Steuern und Schleusen ist einfacher, als man denkt, es wird weder Führerschein noch besondere Intelligenz benötigt – ich habe es jedenfalls auch irgendwie hinbekommen. Den Motor hätte ich allerdings ohne den Mann wohl nicht zum Laufen gebracht…
  • Mai/Juni und September/Oktober sind besonders zu empfehlen, denn nichts ist schöner als die stillen Seen und unbefahrenen Kanäle. Sollte es allzu voll sein, würde ich immer wieder die sehr frühen Morgenstunden zwischen 6-9 Uhr wählen, hier ist außerdem das Licht zum Fotografieren am Schönsten.
  • Stellen zum Ankern oder auch Anlegen finden sich genug – ganz Oberhavelland ist hier anscheinend tiefenentspannt.
  • Ein Ausflug nach Fürstenberg lohnt sich sicherlich, die Wasserstadt hat extra Anlegeplätze geschaffen.
Weiterlesen:

 

Disclaimer: Ich bedanke mich bei reiseland-brandenburg.de, die mich eingeladen haben, mein Lieblingsbundesland einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu entdecken. Ich glaube, ich werde spontan meine eigene beste Kundin, wir haben nämlich sofort entschieden, was wir in den Schulferien 2015 machen werden… :)

26 Kommentare

  • Reply Meine Bucket List – warum jeder eine haben sollte 4. März 2016 at 11:06

    […] einem Hausboot Urlaub machen – wie Inka bei ihrer Reise „Wie Huckleberry Finn mit dem Hausboot durch […]

  • Reply Zeit zu Zweit! - Blogger verraten ihre romantischen Geheimtipps! - Teilzeitreisender.de 25. Januar 2016 at 15:31

    […] Lust auf Romantik a la Huckleberry Finn in Brandenburg? Inka berichtet auf: blickgewinkelt.de […]

  • Reply Zehn Gründe für eine Hausboottour auf der Havel ♥ 5 Reicherts ♥ Fotografie und Reisen 16. Oktober 2015 at 10:28

    […] einiger Teit las ich in Inka’s Blog Blickgewinkelt über ihre Tour auf dem Floß durch Brandenburg. Seither hatte ich diese Fotos im Hinterkopf und wollte es unbedingt auch mal […]

  • Reply Mela │ individualicious 10. September 2015 at 13:22

    Tolle Bilder, das will ich auch mal machen! :)

    • Reply inka cee 15. September 2015 at 11:13

      Dankeschön liebe Mela! Und das solltest Du – unbedingt! Wenn ich das hinbekomme, wird das ab sofort mein jährliches Ritual zum Tiefenentspannen. :))

  • Reply inBerliner 6. Juni 2014 at 8:38

    Wow, schöne Bilder und schöner Bericht, wir wussten doch immer dass das Berliner Umland eine Perle ist!

  • Reply Katrin Lehr 4. Juni 2014 at 11:07

    Habe jetzt gleich meine Bucket List ergänzt. Ich will auch mal wie Huckleberry Finn FLoß fahren! Tolle Bilder (wie immer) und schöner Bericht…*träum*

  • Reply Eva Gezwitscher 30. Mai 2014 at 13:28

    Oh mann, wie wunderbar wahnsinnig toll. Ich will das auch machen. Jetzt gleich dieses Wochenende. Danke, liebe Inka, für den Tipp, wird heute Abend gleich dem Liebsten vorgestellt.
    Hab eine großartige Zeit in Island, ich freu mich schon auf Bilder. Liebste Grüße
    Eva

  • Reply Nummer Neun 29. Mai 2014 at 9:22

    Wow – wahnsinn!

  • Reply Nicole 28. Mai 2014 at 7:28

    Super schön! Hat gleichzeitig was von Dschungel und von Angeln in Kanada, oder so :-). Das muss ich unbedingt auch mal machen!!!

  • Reply Planet Hibbel 28. Mai 2014 at 6:47

    Was soll ich sagen?? Könnte auch der Mississippi sein. So kennen und lieben wir #lovelybb, wa? ;) Traumhafte Bilder. Ich will auch. Meine kids werden jetzt in ein Schwimmlern-Sommercamp gesteckt. ;)) Ihr hattet aber auch ein Mega-Glück mit dem Wetter. Bei strömenden Regen macht sowas sicher nur halb soviel Spass. Gute Reise und ganz viel Spaß in Island, Nadine

    • Reply Hauke Walden 28. Mai 2014 at 7:14

      Nuja, wir hatten egentlich von allem etwas: Am Freitag abend Regen, Am Samstag so eher mittelwarmes und leicht bewölktes Wetter, und Sonntag dann knallige Sonne. Und alles war klasse!
      (Na gut, drei Regentage am Stück wären jetzt vielleicht nicht so der Hit … ;-)

  • Reply Tatjana 28. Mai 2014 at 5:08

    DAaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanke für diese tollen Anregungen, ich denke es wird nicht viel zeit vergehen, dann werde auch ich mal meinen alten Mann zu solch einen ungewöhnlichen Tripp überreden. Ich liebe ja das außergewöhnliche und mehr Natur geht kaum.

    Viele Grüße von der Tati

  • Reply diefahrradfrau 27. Mai 2014 at 17:11

    Boah, diese Bilder! Will auch!!!
    Liebe Grüße
    Christiane

  • Reply SarahMorena 27. Mai 2014 at 15:52

    Herrlich! Das wäre genau mein Ding! =)
    Toller Bericht der zum Träumen einläd! =)

    Liebe Grüße,
    Sarah =)

  • Reply Überall & Nirgendwo 27. Mai 2014 at 15:10

    Ich zitiere mal den Junior, der gerade neben mir sitzt: „Alter!!! Is das ma geil, Mama!!! Wann machen wir das????“ Ja. Was soll ich sagen. Aus der Nummer komm ich nicht mehr raus ;-)! Hätt ich ihm nicht zeigen sollen ;-)! Aber ist auch eigentlich nur Teil einer größer angelegen……sagen wir mal….äh…..subversiven Überredungstaktik Herrn Ü betreffend ;-DDD. WIR WOLLEN AUF EIN FLOSS!!! GlG Anne

  • Reply Frau B. 27. Mai 2014 at 15:06

    Hach, sowas könnt‘ ich mir auch mal schenken… aber ohne Kinder. ;o)

  • Reply Jörg 27. Mai 2014 at 15:02

    Mensch Inka, das sieht ja richtig toll aus. Richtig wie Abenteuer… Schöne Bilder :-)

  • Reply Nancy 27. Mai 2014 at 14:48

    Großartig!!!

  • Reply Carolin Hinz 27. Mai 2014 at 14:15

    Hach – mehr fällt mir auch nicht dazu ein. Das sieht traumhaft idyllisch aus. Ich glaube, ich setze das auf meinen Geburtstagswunschzettel :-)

  • Reply julia 27. Mai 2014 at 13:28

    das sieht sooo toll aus!

    • Reply Inka Cee 27. Mai 2014 at 13:42

      Und das ist es auch! :) Die Bilder sind übrigens so gut wie nicht bearbeitet.
      Danke & LG
      /inka

  • Reply Flögi 27. Mai 2014 at 13:18

    Ganz genial, Inka. Ich mag solche Abenteuersachen! Wie kann man den Floß steuern und zu einem Ufer hinkommen? Liebe Grüße

    • Reply Inka Cee 27. Mai 2014 at 13:44

      Uppsi, das hätte ich wohl dazuschreiben sollen: Es gibt einen Außenbordmotor, der ganz normal durch ein Lenkrad lenkbar ist. Das heißt, man steht hinten auf dem Floß auf so ner Kiste (um über das Floß rüberschauen zu können) und lenkt.
      Liebe Grüße
      /inka

  • Reply Manuela 27. Mai 2014 at 13:13

    Das ist so genial :-) Ich will auch. Das mit dem Eimer habe ich jetzt einfach mal überlesen. Mal was ganz anderes. Hach.
    Und das Bild vom ‚kommenden Schwan‘ ist so schön!

    Wann geht der Flieger nach Island?

    Grüßle
    Manuela

    • Reply Inka Cee 27. Mai 2014 at 13:41

      In 30 Stunden! :)
      Und ja, ich petze: Dem Mann hat der Eimer nicht so gefallen. Ich bin da ja eher ziemlcih abgestumpft…

    Kritik? Schmeicheleinheit? Einfach Senf? Her damit!