Es gluckert leise. Wenn ich mich konzentriere, merke ich das ganz sanfte Hin- und Herschaukeln meines Bettes, weil mal wieder ein Boot vorbeigefahren ist.

Das ist nur eines der vielen schönen Morgengefühle, die ich bisher in Brandenburg erlebt habe, denn Brandenburg, das ist tatsächlich mehr als märkischer Sand, Spreewaldgurken und Rainald Grebe. Seit über 10 Jahren versuche ich hier im Blog zu vermitteln, wie schön ich Berlins leider immer trockner werdenden Vorgarten finde und habe tatsächlich noch nicht einen Artikel über meine schönsten und ungewöhnlichsten Unterkünfte geschrieben – dann wird’s aber Zeit!

Hier kommen nun also die Vorschläge für Euren etwas außergewöhnlichen Kurzurlaub.

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Morgengold auf dem Hausboot

Es ist DER Klassiker schlechthin und ich weiß, dass Ihr das alle kennt und sowieso wisst, wenn Ihr meinen Blog lest: Ich liebe Hausbootfahren! Und jedes Mal, wenn wir denken, ohmann, dieses Jahr schaffen wir es nicht, kommt doch immer eine Möglichkeit ums Eck und ja, auch dieses Jahr machen wir wieder eine Herbsttour und es gibt wirklich – und das sage ich aus tiefster Überzeugung – kaum eine schönere Art auf der Welt, morgens aufzuwachen.

Mit dem Hausboot auf der Havel unterwegs

Sonnenaufgang auf der Havel

Es denken aber immer noch viele von Euch, man bräuchte einen Führerschein oder das sei alles sehr kompliziert. Das ist es nicht. Als Neuling bereitet man sich ein bisschen vor, macht beim Check-In einen kleinen Bootsführerschein-Test, liest brav alle Informationen und verhält sich ein bisschen umsichtiger, als viele Vermietungen es vermitteln, denn ja, man benötigt ein bisschen Gefühl beim Steuern – that’s it. Ihr könnt gerne mal in meinen Hausboot-Artikel reinlesen und in meinen Instagram-Highlights die Hausboot II-Story für Impressionen und die Story „HausbootRoomtour“ für einen kleinen Einstieg anschauen.

Im Hausboot durch Brandenburg

Wir haben auch mehrere Familienurlaube auf dem Hausboot gemacht – perfekt für groß und klein.

Anbieter gibt es viele. Wir favorisieren definitiv die BunBos, mit denen wir schon 7 oder 8 Mal unterwegs waren, unter anderem wegen der bequemen Schlafgelegenheiten. Leider sind sie seit diesem Jahr ziemlich teuer geworden. Es gibt aber auch zig andere Anbieter, die ebenfalls sehr gut, nur ein bisschen weniger komfortabel sind. Wir sind z.B. auch mit dem Havelfloß unterwegs gewesen, was rudimentärer, aber sehr hübsch ist. Dort muss allerdings jeden Morgen umgebaut werden und es fehlt eine Toilette, weshalb es nur für kurze Touren geeignet ist. Schön war es auch auf den sehr einfachen und sehr charmanten Natur-Flößen der Wilden Heimat, die mittlerweile etwas größer sind und recht komfortable Trenntoiletten haben (ja, Toiletten sind ein Thema für mich).
Im ersten Jahr der Pandemie haben zudem wir fix unseren Urlaub geändert und sind noch kurzfristig beim Anbieter der Hausflöße fündig geworden: Sie sind genauso praktisch aufgebaut wie die BunBos, nur kleiner und nicht ganz so komfortabel, dafür viel preiswerter.
Tipp: Auf bunbo.de und dem Youtube-Kanal der Wilden Heimat findet man viele sehr informative Videos zur Vorbereitung. Ach und bevor Ihr fragt: ALLE Wasserreviere sind schön! Wir haben alle Reviere durch und auch Favoriten, aber schön sind sie wirklich alle.

Kindheitstraum im urigen Baumhaus

Die Baumhäuser auf dem Gut Gollin in der Schorfheide haben eigentlich mich gefunden. 2017 recherchierte ich gerade für mein erstes Buch und hatte mir fest vorgenommen, dass ein Baumhaus in Brandenburg eine Rolle spielen sollte. Ich suche und suchte – und wurde nicht fündig. Das eine eher was für Kids, das andere nur für Juppies, mehr war nicht zu finden. Ich war schon drauf und dran, eigene Baumhäuser zu bauen, denn wie kann Brandenburg ohne Baumhäuser für Leute wie mich sein, da scrollte zufällig ein einzelner Satz auf Instagram an mir vorbei: Die Baumhäuser seien noch nicht fertig, hieß es, aber bald. Ich fuhr hin. Und bekam die Ehre, der erste (inoffizielle) Gast im „Entenstrich“ zu sein, dem ersten Test-Baumhaus der Wurths, die ihre Baumhäuser mit viel Liebe und Schweiß und Nerven bauen.

Baumhaus Gut Gollin, Brandenburg

Kindheitstraum Baumhaus

Es war noch viel schöner als gedacht, mitten in den Bäumen zu schlafen und früh mit Morgennebel zu erwachen, durch den die Morgensonne die ersten Strahlen schickte und Blätter, Wald und Wiesen in Gold tauchte. Süße Ziegen, Hausschweine, streichelbare Hühner, eine wunderschöne geschützte Landschaft und ein herrliches Frühstück inklusive.

Baumhaus-Hotel Gut Gollin in Brandenburg

Die anderen Baumhäuser sind sehr viel größer und teils sehr komfortabel.

Die Übernachtungen sind nicht ganz günstig. Wer weiß, wie unglaublich viel Aufwand hinter dem Bau dieser Baumhäuser steckt und mit wieviel Rücksicht auf die Natur, Tierliebe und Auflagen durch das Naturschutzgebiet hier gearbeitet wird, kann den Preis verstehen.

Im alten Waggon mit Blick auf die Oder

Wer mir auf Instagram folgt und meine Stories anschaut weiß, dass ich sowohl letzten Sommer wie auch kürzlich wieder in den Oderwaggons am Hafen Groß Neuendorf genächtigt habe. Die Waggons sind schlicht, einfach geweißt, ein Bett, Tisch, vier Stühle, zwei Gästematratzen, eine kleine Küche mit Strom, Kühlschrank, Wasserkocher, aber ohne fließend Wasser und: einem fantastischen Blick auf die Oder.

Übernachten im Waggon

Die schönen Oderwaggons sind schlicht und einfach schön, die Oder liegt tatsächlich direkt davor.

Ihr rennt mir jedes Mal die Bude ein und wollt wissen, wo Ihr das buchen könnt: Ganz einfach über die Seite Verladeturm. Der alte Verladeturm steht nämlich heute noch da, wurde aufwändig saniert und mit einer Ferienwohnung ausgestattet, die Ihr ebenfalls buchen könnt. Die Oderwaggons stehen nebenan und komplettieren den ursprünglichen Anblick, denn hier ging einst die Oderbruchbahn entlang. Das ganze historische Ensemble steht unter Denkmalschutz, es gibt im Verladeturm außerdem ein Café und nebenan ein einfaches Restaurant. Der Oder-Neiße-Radweg geht hier entlang, außerdem gibt es erstaunlich viele weitere kleine Cafés und spannende Orte. Ich habe einfach auf Google Maps geschaut und bin so zum Beispiel auch auf dem Kreativhof Uferloos gelandet. Direkt nebenan gibt’s ein Kunstcafé.

Die alten Oderwaggons in Groß Neuendorf

Die alten Waggons stammen noch von der Oderbruchbahn. Hier schaue ich direkt auf die Oder.

Der Oderbruch ist so wunderbar, dass es da noch viel mehr zu erzählen gäbe. Meine Lieblingsunterkunft habe ich mit den Bahnwaggons jedenfalls schonmal gefunden. Fließend Wasser zum Abwaschen und Toiletten gibt’s übrigens nebenan im sehr sauberen Toilettenhäuschen, ansonsten heißt es Katzenwäsche. Für mehr Eindrücke schaut in mein Instagram Storyhighlight Oderbruch-Waggon.

VIP-Feeling in der Bleiche im Spreewald

Ich mag meine Freund:innen. Die meisten eher wenig Geld und alle ohne fancy Attitüden. Wer nämlich bei den oberen Schichten angekommen ist, kennt sie: Die Bleiche Resort & Spa, berühmtestes geheimstes VIP-Hotel mitten im Spreewald mit Spa-Bereich, mehreren Restaurants, darunter ein Sternerestaurant, sowie hauseigenem Literaturbetrieb. Ich gebe aber zu: Wer sich mal richtig was gönnen will oder nach der stressigen Hochzeit, wo man eh alle Kohle rausgehauen hat mal richtig toll entspannen und dabei noch einigen A und B-Stars der Deutschen VIP-Landschaft begegnen will, der sollte unbedingt in die Bleiche fahren. Mir wurde die Gelegenheit gegeben, für eine Buchrecherche eine Nacht dort zu sein.

Spa-Ruheraum in der Bleiche

Dieser wunderschöne Ruheraum war einer meiner Favoriten im Spa-Bereich.

Es ist enorm schwierig, die Bleiche zu beschreiben. Sie ist verwirrend geschnitten, hat unzählige Salons zum Relaxen, Tee oder Scotch trinken und wie erwähnt mehrere Restaurants. Jeder Raum sieht außerdem komplett anders aus, der Spa-Bereich umfasst mehrere Saunen mit Schwimmbad, es gibt eine Bibliothek und ein Kino und man sollte nicht denken, dass hier irgend etwas nur nebenbei oder zufällig gewählt wurde: Jedes, wirklich jedes Möbel, jeder Fußboden, jede Tapete wurde sorgfältig vom Besitzerpaar ausgewählt, das ganze historische und restaurierte Ensemble trägt genauso Geschichte wie jedes Interieur.

Wintergarten in der Bleiche

Ein Wintergarten in der Bleiche

Die Bleiche unterstützt außerdem ausgewählte Autor:innen mit Stipendien und einem kostenlosen Langzeitaufenthalt (was für ein Traum!). Hier können sie in Ruhe schreiben. Im Gegenzug gibt es dann ab und an Lesungen für die Gäste.  Es lohnt also, nicht nur für eine Nacht zu kommen – auch wenn das finanziell bei mir eher Kategorie „einmal im Leben“ wäre.

Sauna-Übernachtung mitten auf dem Müggelsee

Ja, an dieser Stelle schummle ich ein bisschen, denn der Müggelsee vor Köpenick liegt noch in Berlin. Aber das Saunaboot von Ralph Todt muss unbedingt in diesen Artikel, zu toll war die Nacht neulich mit der lieben Janett von Teilzeitreisender. Die hatte mich nämlich auf einen Mädelsabend auf die Spreebanja eingeladen, einem Hausboot mit Sauna und Platz für rund vier Leute zum Übernachten. Theoretisch sind wohl sechs möglich, das würde ich jedoch nicht empfehlen, denn dann wird es doch mit Gepäck und Schlafplätzen etwas eng – obwohl man im Sommer auch an Deck im Himmelbett schlafen kann.

Innenansicht Saunaboot Spreebanja

Auf dem supergemütlichen Saunaboot lässt es sich auch länger aushalten.

Zu zweit war es grandios perfekt, das hübsche Boot ist nämlich alleine drinnen schon ein Hingucker. Wir werden mit Obst-Gedeck und Sekt begrüßt, anschließend fährt uns der Chef raus auf den Müggelsee. Bei der Begrüßung, der Einrichtung, der Umsetzung dieser Idee merkt man, dass der Mann Erfahrung hat: Er vermietet bereits seit über 20 Jahren Boote in dieser Gegend und hat das Konzept selbst entworfen. Nach kurzer Einweisung und Plausch fährt er dann mit dem Beiboot davon und wir dürfen es uns bis morgen früh gemütlich machen. Nach kurzer Überlegung, welcher Aufguss es denn sein soll, genießen wir den Sonnenuntergang aus der Sauna heraus – ja, das ist möglich, weil die Sauna drinnen nur per Glas vom Rest getrennt ist, und das Hausboot selbst hat überall riesige Fenster.

Spreebanja auf dem Wasser

Ein Oberdeck mit Himmelbett, viele Fenster und drinnen gemütliches Holz: Die wunderbare Spreebanja. Janett genießt den Sonnenuntergang.

Nach der Sauna geht’s entweder direkt in den See oder man kühlt sich einfach an Deck ab. Das Holz muss recht häufig nachgelegt werden, zur Schlafenszeit lassen wir es dann ausgehen, der Ofen der Sauna hält das Boot bis zum Morgen warm. In der Nacht können wir durch die gläserne Decke die Sterne funkeln sehen – ein bisschen zu schön, um wahr zu sein.
Die Spreebanja kann man entweder für tagsüber oder für eine Nacht mieten. Für alle Infos empfehle ich Euch Janetts ausführlichen Artikel über unser kleines Abenteuer.

Im schwimmenden Haus in der Lausitz

Wenn Ihr nach „schwimmende Häuser Lausitz“ googelt, kommt Ihr beim Lausitz Resort raus. Tatsächlich gibt es jedoch in der Lausitzer Seenlandschaft immer mehr schwimmende Häuser und ich selbst kann mich wirklich nicht entscheiden, ob ich lieber IM schwimmenden Haus bin, oder diese Aussicht auf die schwimmenden Häuser genieße.

Schwimmende Häuser im Lausitz-Resort

Die schwimmenden Häuser beim Geierswalder See.

Hier beim Lausitz Resort mit den schwimmenden Häusern am Geierswalder See hatte ich tatsächlich lieber den Ausblick und mietete mir ein Haus oberhalb des Sees. Diese „neue“ Ecke der Lausitz, in der die alten Restlöcher der Braunkohletagebaue geflutet und nun für den Tourismus zugänglich gemacht wurden, ist übrigens immer noch ein Geheimtipp und nicht so überlaufen wie andere Seenlandschaften. Die Häuser sind schlicht und wirklich schön eingerichtet (die Häuser oberhalb sehen fast genauso aus wie die auf dem See). Tagsüber kann man hier natürlich schwimmen gehen und sehr perfekt Fahrrad fahren, die ganze Gegend ist ja gerade erst touristisch aufbereitet worden und dazu gehören sehr viele sehr perfekte Radwege.

Schwimmendes Haus auf dem Partwitzer See

Schwimmendes Haus auf dem Partwitzer See

Beim zweiten Haus habe ich nach Sachsen rübergemacht, gerade so, denn die Grenze verläuft mitten durch den Partwitzer See. Das Haus ist sogar noch ein bisschen gemütlicher und hat Alleinstellungscharakter (vermutlich aber nicht mehr sehr lange). Der Sonnenuntergang ist fantastisch, es ist ziemlich ruhig und ja, das Haus schaukelt ganz leicht, was ich richtig toll finde. Der Partwitzer See ist ohnehin eine richtiges Schmuckstück, auch hier rate ich Euch unbedingt zum Fahrrad fahren, denn die Gegend ist sehr schön und zu Fuß etwas weitläufig. Buchen könnt Ihr über den Partwitzer Hof.

Schwimmende Häuser in der Lausitz gibt es jedes Jahr mehr, googelt mal ein bisschen, vielleicht entdeckt Ihr den nächsten großartigen Geheimtipp, bevor dieser bekannt wird.

70er Jahre Feeling im Bulli

Na klar, mein Brandenbulli darf natürlich nicht fehlen! Mein eigener steht leider derzeit etwas unnütz herum, weil der Motor ziemlich im Eimer ist und mal wieder eine größere Reparatur erforderlich ist. Aber Ihr müsst für so einen Ausflug gar keinen eigenen Bulli besitzen, denn glücklicherweise gibt es genügend Bulli-Liebhaber:innen, die Bullis zur Vermietung anbieten, z.B. rent-a-bulli, bei denen wir auch schonmal gemietet haben und die ich sehr empfehlen kann.

Brandenbulli

Auf „Brandenbulli“-Tour.

Wohin es geht, ist dann Geschmackssache. Ich finde ja, dass sich Brandenburg perfekt für das Retro-Gefühl eignet, denn hier ist es erstens noch ursprünglich, und zweitens steht man zwar vermutlich im Wald, aber nicht im Ausland, wenn mal wieder eine Schraube locker ist, was bei so alten Gefährten auch mal der Fall sein kann. Und dann ist die Hilfe nicht weit.

Wer es nicht ganz so ursprünglich mag, kann sich natürlich moderne Wohnmobile leihen. Ich bin letztes Jahr mal mit einem Camper von Fuchs & Hase unterwegs gewesen, die sind brandneu, haben sogar Klo und Dusche und WLAN on board, sehr praktisch und macht manches leichter.

Camper Fuchs & Hase

Die neuen Fuchs & Hase-Camper sind für mobiles Arbeiten gedacht und haben daher Sitzmöglichkeiten, WLAN, Klo & Dusche an Bord.

Wie man so eine Tour organisiert, wo man übernachten kann und wie das im Bulli so funktioniert, habe ich im Artikel Einfach im Bulli durch Brandenburg beschrieben.

Danke an Janett, die mich mit ihrem Artikel über außergewöhnliche Übernachtungen in Deutschland inspiriert hat. Schaut mal rein, da findet sich – typisch Janett – wirklich sehr Skurriles und Spannendes.