Kein Plan, kein Versprechen. Einfach nur im Sommer mit dem Bulli durch Brandenburg.

Dies ist keine Anleitung zum Glück. Es ist der Beginn einer Reise, die in Etappen fortgesetzt wird, wann immer es nötig ist, wann immer ich mich danach fühle.

Mit dem Bulli durch Brandenburg © Mikkeline Walden

„Mikroabenteuer“  sind derzeit in aller Munde. Das groß gehypte Wort mag abschrecken, aber es enthält viel Wahrheit: Mach Dir Deinen Alltag schön und vielleicht ein bisschen abenteuerlich. 28 Tage Urlaub im Jahr reichen nicht für einen sprudelnden, glücklichen Geist, das wissen wir. Aber selbst die 28 Tage könnten überflüssig werden, wenn wir uns den Alltag so einrichten, dass er wunderbar ist.

Im Bulli durch Brandenburg.

Im Bulli durch Brandenburg. Eigentlich ganz einfach.

Leichter gesagt als getan? Genau. Immer geht das in der Regel nicht. Die meisten von uns müssen arbeiten, Kinder müssen gehegt und gepflegt werden, Steuererklärungen gemacht und ja, der Alltag hält viel „ich muss“ und nicht immer Glücksgefühle bereit. Umso wichtiger, für kurze Zeit raus und neue Wege gehen, den Kopf freipusten, in den See springen, im Wald übernachten und den Eulen zuhören. Ein ganzes Wochenende lang.

So entstand die Idee vom #Brandenbulli: Urlaub vor der Haustür, mit minimalem Gepäck, damit ja nichts die Zeit schwer macht, durch kleine Orte und Feldwege fahren.

Bulli auf Feldweg

Für mich ist eine Bulli-Tour die konsequente Fortsetzung unserer Hausboot-Touren durch Brandenburg: Gar nicht weit weg fahren, dabei viele Dinge erleben und kennen lernen und das minimale Zuhause auf Zeit immer dabei haben.

#Brandenbulli

Der #Brandenbulli ist eine lose Reihe von Bullitouren durch Brandenburg. Mein geheimer Wunsch: Ein kleines Roadtrip-Buch für Brandenburg zu erstellen, aber bis dahin ist es noch einige Bullitouren und Zeichenkünste entfernt. Eigentlich wollte ich Euch hier schon schöne Maps präsentieren. Stellt sich aber raus: Ich bin nicht hochbegabt, um mit dem Wacom supertolle Dinge zu erscribbeln. Die tollen Brandenburg-Karten müssen daher warten. Das tolle Bild oben hat mir die begabte Patchworktochter gezeichnet, vielen Dank Mikki!

Eskapaden-Berlin-Dumont-VerlagWährend ich diesen Artikel geschrieben habe, bin ich wahnsinnig rührselig geworden. Das lag vermutlich auch an meiner Playlist (s.u.), aber vor allem an den unglaublich vielen schönen Erinnerungen, die durch die Fotos wiedergekommen sind. Und eigentlich sind das gar keine ganz bestimmten Erinnerungen. Eigentlich ist es vor allem ein Gefühl – mein Brandenbulli-Gefühl.

← Mehr Mikroabenteuer gibt es übrigens in meinem Buch 52 Eskapaden in und um Berlin*, das im DuMont Reiseverlag erschienen ist.

Inhalt des Artikels

Die Route der Bullitour
Das Rezept
Wo darf man im Bulli übernachten?
Keep in mind
Zum Schwielochsee
Die Lieberoser Heide
Der Spreewald
Tagebaufolgelandschaften in der Niederlausitz

Bergbaufolgelandschaft Grünhaus
Besucherbergwerk F60
Schwimmende Häuser am Geierswalder See

Ab in die Uckermark: Natürlich Natur

Kloster Chorin
Blumberger Mühle
Das Paradieschen

Die Route unserer Bullitour durch Brandenburg

Uns zog es in Brandenburgs Osten, so vieles war uns hier noch nicht bekannt. Einmal  von Süd nach Nord, so die vage Vorstellung. Vor allem wollten wir zwei Dinge: viel Natur und ein bisschen Geschichte.

Die Lieberoser Heide sollte der erste Stop sein, weiter dann zu den Tagebaugebieten in der Lausitz. Wie spannend – natürlich nicht nur im positiven Sinn – das Thema sein würde, war mir vorher nicht bewusst, und so bin ich inzwischen noch ein zweites Mal mit dem Bulli und noch ein drittes Mal mit dem Fahrrad dort gewesen, ein paar von Euch haben es in meiner Instagram-Story mitbekommen. Und deshalb schneide ich das umfangreiche Thema Lausitz hier nur an und hoffe, ich schaffe bald einen eigenen Artikel darüber. Ich sage nur: bleibt gespannt.

Nach der Lausitz knickte der Plan nach Norden bis in die Uckermark. Dazwischen blieb – zu wenig Zeit. Denn wir haben es uns gut gehen lassen und blieben, wo immer wir wollten und einen adäquaten Parkplatz fanden. Ausgelassen haben wir deshalb das schöne Schlaubetal (wo wir bereits zweimal waren) und die märkische Schweiz, wo ich einst für meine erste Fernwanderung in Schottland trainierte. Dafür verliebte ich mich erneut in die Uckermark und verstehe, warum so viele Berliner sich hier niedergelassen haben.

Reinzoomen und oben links das Menü ausklappen. Dann könnt Ihr die Routen aus- und einblenden und Euch werden alle Spots der Route angezeigt.

Verzeiht, wenn ich Euch nicht auf alle Plätze hinweise, wo wir übernachtet haben, die jedoch keine offiziellen Stellplätze sind, und verzeiht ebenfalls, wenn ich Euch auch nicht die kleinen feinen Badeseen verrate, die noch recht unbekannt sind. Ich würde verstehen, wenn es andere nervt, wenn ihre geheimen Lieblingsplätze auf einmal im Internet breitgetreten werden.

Die Karte ist natürlich vereinfacht und soll Euch nur inspirieren, denn gerade planen solltet Ihr Eure Route ja möglichst wenig. Deshalb stehen hier auch noch Ziele drauf, die ich bei anderen Ausflügen nach Brandenburg kennen gelernt habe, wie das schöne Untere Odertal und den Buchenwald Grumsin, oder das tolle Baumhaushotel in der Uckermark, über das ich immer noch nicht geschrieben habe, ohmei.

Das Rezept

Die grobe Route ist geplant, jetzt fehlen noch ein paar kleine Zutaten:

  • Spots, die Ihr schon immer mal sehen wolltet, ein Schloss vielleicht? Hofläden, die ganz sicher einen Besuch wert sind. Gibt es ein tolles Mohnfeld auf dem Weg?
  • Gebt ins Navi ein „Autobahnen vermeiden“. Die Belohnung: Schönste, obstbaumberankte Landstraßen, Felder und süßeste Dörfer.
  • Im Smartphone spontan nach Campingplätzen und Seen ausschauen.
  • Für Stellplätze die App Park4Night konsultieren (Danke Mandy für den Tipp!).
  • Vielleicht auf Höfen nach einem Stellplatz fragen. Dafür gibt es mittlerweile sogar ein offizielles Portal: Landvergnügen, ein Portal, das für 29,90 Euro einen Stellplatzführer herausgibt. Mit dem Erwerb erhält man gleichzeitig die Berechtigung für einen Stellplatz.
  • Einen Bulli. Wenn Ihr keinen besitzt, mietet Euch einen. Das geht zum Beispiel bei Bulliholiday 
  • Und nicht zuletzt: eine ordentliche Portion Flexibilität. Weniger Planung ist mehr.
  • Achso, und auf gar keinen Fall vergessen: Die Playlist!

Wo darf man überhaupt mit einem Bulli übernachten – und wo steht es sich gut?

Wo und wie man mit einem Bulli stehen darf, ist juristisch eine Gratwanderung. Parkplätze sind in Deutschland keine Schlafplätze. Doch wenn kein ausdrückliches Verbots-Schild vorhanden ist, ist es erlaubt, sich auf einem Parkplatz auszuruhen und auch eine Nacht zu verbringen. Niemand kann Euch zwingen weiterzufahren, wenn Ihr übermüdet seid. Allerdings gilt das natürlich nur für eine Nacht und man darf sich nicht heimisch einrichten. Stühle solltet Ihr also besser nicht rausstellen.

Bulli auf Parkplatz

… und manchmal tut man es dann doch einfach. ;)

Für Wohnwagen und Wohnmobile gelten andere Regeln. Damit kann es sogar sein, dass man auf Rastplätzen die LKW-Stellplätze nutzen muss, wenn nur PKW-Stellplätze ausgewiesen sind. Da ist ein Bulli eindeutig im Vorteil, denn der gilt als PKW.
Auf Privatboden darf man natürlich nicht über Nacht stehen, auch wenn die öffentlich aussehen. Ein Schlossparkplatz ist ein Beispiel dafür, der dürfte in den meisten Fällen in Privatbesitz sein.

Campingplätze sind natürlich das Mittel der Wahl, schließlich gibt es in den meisten Bullis weder Toilette noch Dusche. Und es gibt einen weiteren Vorteil: Campingplätze befinden sich meist an den schönsten Seestellen. Es ist nämlich gar nicht so leicht, Stehplätze für Bullis zu finden, bei denen man kostenlosen, freien Badeseezugang hat, haben wir bemerkt. Manchmal bin ich da wirklich ein bisschen fuchsig geworden, denn immer für einen Zeltplatz bezahlen, nur weil man zwischendurch mal baden will, kommt ja auch nicht in Frage.

VW T3-Bulli auf dem Campingplatz

Camping zwischen Kiefern

Uns war allerdings schnell klar, dass wir vermutlich nicht jede Nacht auf Campingplätzen verbringen würden, schließlich wollten wir auch mal spontan sein und bleiben, wo wir wollten. Und was Campingplätze angeht, sind wir zugegebenermaßen nicht die größten Fans. Auf dem einen entpuppte sich der Hausherr als AFD-Fan. Ein anderer Campingplatz erfüllte dann jedes Klischee: Ich kann mit perfekten Minigartenzäunchen rund um „den eigenen Platz“ wenig anfangen, noch weniger, wenn die Dauergäste ihre Zäune zwei Meter hoch bauen und einen gesamten Uferabschnitt für alle anderen Gäste dichtmachen.

Parsteiner See

„Zugemauerte“ Seeseite von besitzergreifenden Dauercampern.

Wenn dann nebenan bis spät in die Nacht gepichelt wird, ist klar: Morgen suchen wir uns was anderes.

Aber das ist ja auch das Schöne am Bulli: Theoretisch bist Du unabhängig. Du solltest vielleicht nur wissen, wie man richtig in den Wald scheißt.

Keep in mind – Denk dran

Es gibt noch ein paar Dinge zu beachten, wenn man sich einen Bulli mietet. Da wäre erst einmal die Fahrerfahrung: So ein T3 lenkt sich dann doch ein bisschen anders, der Wendekreis ist natürlich viel größer, ganz davon abgesehen, dass ein Bulli eben insgesamt größer ist als so mancher PKW. Bei Bulliholiday haben wir auf der ersten Tour den T3 „Blumo“ gehabt mit der klassischen Westphalia-Ausrüstung. Das ist etwas alt, aber Kult, und man hat irre viele Stauräume. Nicht richtig funktioniert hat hingegen der Kühlschrank, aber so ist das eben bei einem alten Mobil. Dafür hat er gebrummt, dass dem Mann das Herz ganz warm geworden ist.

Etwas enttäuscht waren wir dann vom T4 für die zweite Tour, der keinen richtigen Innenausbau hatte, so dass wir nicht wussten, wohin mit unserem Kram. Es schadet daher nicht, das Gepäck in Taschen unterzubringen, die man in den Bettkasten packen kann, und sich vorher über die Ausstattung zu informieren. Außerdem waren unserer Ansicht nach die Gerätschaften der Küche nicht ausreichend gesichert und wären uns im Falle eines Unfalls um die Ohren geflogen. Ein paar zusätzliche Sicherungsseile sind daher sinnvoll. Weiterhin hat der T4 stolze 16 Liter verbraucht, im Gegensatz zum T3, wo es ungefähr 11 waren. Das ist, naja, also leider nicht gerade das umweltfreundlichste Sparmobil.

VW T4

Neuer, aber nicht ganz so cool wie der T3. Dafür ein ziemlich grandioser Stellplatz fast mitten im Wald. Mit Waldgnom.

Beachtet, dass das Abwasser nicht aufgefangen wird. Es ist daher ratsam, ökologisch abbaubares Waschmittel (für Geschirr und sich selbst) mitzunehmen, und auf jeden Fall noch 1-2 Wasserflaschen, denn aus dem großen Kanister, wo ja tagelang das Wasser drinsteht, wollt Ihr vielleicht nicht trinken.

Nehmt ein paar Vorräte und Tupperdosen mit, aber nehmt auf keinen Fall zuviel mit und kauft lieber in den tollen Hofläden ein. Oder schaut auch mal, was es rechts und links des Weges gibt.

Straßenstand Brandenburg

Einer der typischen Hofverkaufs-Stände in Brandenburg.

Ich habe auf dem Rückweg die herrlichsten Holunderbeeren aller Zeiten gefunden. Den Saft habe ich allerdings erst Zuhause gemacht, denn das ist eine ziemliche Sauerei. ;)

Sinnvoll sind Ohrenstöpsel, falls die Straße allzu nah neben dem Parkplatz ist.

Zum Schwielochsee

Die Einweisung von Bulliholiday dauert natürlich ein bisschen, bis alles geklärt ist, und aus Friedrichshain ist es leider immer ein totaler Graus wegzukommen: Baustellen, Staus, Umleitungen. Erst nach Stunden waren wir endlich aus dem Stadtgebiet draußen, und weil es so spät war, kürzten wir den Plan. Nördlich vom Schwielochsee fanden wir das Märkische Seecamp am Ranzigen See (hihi).

Leider war niemand mehr vor Ort und die Schranken runter. Praktisch jedoch: Es gibt einen Automaten, wo man ein Übernachtungsgeld bezahlen kann und dann darf man auf dem Parkplatz stehen bleiben, dort gibt es sogar einen Stromanschluss. Toiletten und Duschen sind ebenfalls gegen eine kleine Gebühr nutzbar. Wichtig: Genügend Münzen für die Automaten mitnehmen, auch der Automat auf dem Parkplatz wird mit Münzen bezahlt!

Ranziger See

Ein etwas kitschiger Sonnenuntergang am Ranzigen See. Gnihihi.

Wer sich Zeit nehmen will, kann einen herrlichen Tag am Schwielochsee verbringen. Bitte nicht mit dem Schwielowsee verwechseln, letzterer befindet sich nahe Potsdam. Wir sind am nächsten Morgen nach einem kurzen und gemütlichen Frühstück aber gleich weitergefahren.

Die Lieberoser Heide

Das Wetter ist herrlich und es ist nur einen Katzensprung zur Lieberoser Heide. Auch hier hätten wir vermutlich sehr schön nächtigen können. Die Lieberoser Heide ist ein ehemaliges Truppenübungsgelände und gilt als die größte Wüste Deutschlands. Besonders wüstenähnlich finde ich sie zwar nicht, aber die Trockenheit, die generell in Brandenburg herrscht (nicht nur in diesem Jahr), der nährstoffarme Boden und die vielen Panzer haben hier eine karge Landschaft entstehen lassen.

Garge Landschaft mit Heide und Kiefern

Auf einer Fläche von unglaublichen 25.000 Hektar kann man sehen, wie sich Heide, Kiefern und Birken das Gelände zurückholen und tagelang wandern, allerdings gilt es, die Wege einzuhalten, denn das Gebiet gilt teilweise immer noch als munitionsbelastet. So karg die Flora, so vielfältig ist die Fauna. Deshalb werden hier auch regelmäßig spannende Rangertouren angeboten, die sich z.B. auf die Spuren der Wölfe begeben, die sich hier angesiedelt haben.

Lieberoser Wüste

Ein alter Ausguck zeugt noch von der militärischen Nutzung.

Leider gab es direkt nach unserem Besuch mehrere Waldbrände, die große Gebiete betrafen. Das muss hier, wo sich die Natur ausbreiten möchte, aber gar nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten, es sieht vielleicht nur etwas doof aus. Und hoffen wir mal, dass die Tiere schnell genug weg waren.

Der Spreewald

Perfekt von hier aus zu erreichen ist der Spreewald gleich südwestlich der Lieberoser Heide. Wie ich oben erwähnte, haben wir diesen ausgelassen. Falls Ihr noch nie dort wart: Fahrt unbedingt hin. Burg ist ein guter Ausgangspunkt, oder man fährt gleich nach Leipe. Hier seid Ihr bereits im Oberspreewald, wo sich die Spree am meisten verzweigt. Der Sage nach haben die vielen Kanäle die wildgewordenen Ochsen vom Teufel gezogen.

Spreewald

Im geheimnisvollen Spreewald.

Fast immer kann man sich hier spontan ein Kajak auch nur für eine Stunde mieten oder eine Kahntour mitmachen, Anbieter gibt es überall. Nicht vergessen, Gurken zu kaufen! Oder Gurkensenf. Oder Gurkenbrot…

Die Tagebaufolgelandschaften in der Niederlausitz

Gott schuf die Lausitz, und der Teufel gab die Kohle dazu. – Niedersorbisches Sprichwort

Auf dem Weg nach Süden in die Tagebaufolgelandschaften könnt Ihr noch einen Stop bei der Slawenburg Raddusch machen und in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen einen Blick werfen. Ich werde das in den kommenden Tagen tun und bin schon ganz gespannt. Die Naturlandschaft entstand ebenfalls in einem ehemaligen Tagebaugebiet, hier war aber bereits 1991 schluss mit dem Kohleabbau.

Kaffeetasse

Aber erstmal: Kaffee!

Bergbaufolgelandschaft Grünhaus

Unser erster und sehr besonderer Stop in den ehemaligen Tagebauten war die Bergbaufolgelandschaft Grünhaus. Es ist wahnsinnig still, kein Vogel ist zu hören. Ob sich hier nur wenige Vögel angesiedelt haben oder dies heute aufgrund der Hitze so ist, ist unklar. Weit kann man über die karge und sehr spezielle Landschaft sehen. Ich bin fasziniert – und gleichzeitig abgeschreckt. Das machen wir Menschen also aus Teilen der Erde: umgraben und verfeuern.

Bergbaufolgelandschaft: Karge Weite

Das Thema ist natürlich gerade aktuell durch den Hambacher Forst in den Medien. Hier in der Lausitz ist es Alltag, denn auch hier gibt es noch aktiven Tagebau. Wie lange noch?

Tagebausee

Die Landschaft erinnert mich ein bisschen an Bolivien – bis auf die Windräder.

Das Gebiet Grünhaus wird heute zu großen Teilen vom NABU gepflegt und ist gerade erst im Mai für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Teile wurden geflutet, heute kann man sehen, wie sich Natur in der kargen Landschaft ausbreitet, was aber aufgrund des sauren Bodens sehr langsam geschieht. Dafür siedeln sich hier so genannte „Expertenarten“ an. Es gibt zwei sehr kurzweilige Wanderwege, der eine gerade etwa vier km lang, der andere länger, den wir aufgrund der Hitze allerdings nicht gegangen sind. Vor Ort gibt es viele Informationstafeln und wirklich gute Informationen außerdem auf der Webseite über Grünhaus vom NABU.

Schild über Flora und Faune

Vom Tagebau zum Vogelschutzgebiet: Von den Vögeln haben wir leider wenig gesehen.

Gefahrensschild

Auch das ist typisch in einer Tagebaufolgelandschaft: Die Gefahr von Bodenabbrüchen und Senkungen durch nicht verdichteten Boden.

Den nächsten Stop kann man bereits von Grünhaus aus sehen: Ein riesiges Förderband des ehemaligen Tagebaus.

Förderband F60

Besucherbergwerk F60

Wir fahren weiter zum Besucherbergwerk F60. Das F60 ist eigentlich lediglich das Förderband für den Abraum, der aus den Löchern herausgeholt wurden. Dieses Förderband war nur sehr kurz in Betrieb und wurde Anfang der 90er stillgelegt. Es ist so groß, dass ich es in Gänze nicht aufs Foto bekomme.

Besucherbergwerk F60

Fragt mich übrigens nicht, warum das hier nun Bergwerk heißt, obwohl es sich um Tagebau handelt. So ganz habe ich die Nomenklatur immer noch nicht verstanden.

Wir buchen eine Führung und steigen die 80 Meter nach oben. Währenddessen erzählt der Gruppenguide eineinhalb Stunden fachchinesisch, von dem ich trotz großen Bemühungen kaum ein Wort verstehe. Auf Nachfragen reagiert der Guide genervt, ja, wir sind leider eine deppige unwissende Touristengruppe und stellen doofe Fragen (bald fragt allerdings keiner mehr irgendwas). Ich muss kichern, denn diese Führung ist so authentisch wie nur was.

Besucherbergwerk F60

Ja, hier geht’s ordentlich hoch, hups.

Hilfreich ist es allemal, sich vorher im Häuschen an der Cafeteria die Zeichnung der Maschine und die Filme anzuschauen (ca. 20 Minuten insgesamt), wovon einige lustige Post-DDR-Lehrfilme sind und wir mit unserem Gekicher anderen vermutlich auf die Nerven gingen. Ein paar Filmsequenzen machen aber ein wenig deutlicher, wie dieses Monstrum überhaupt funktioniert.

Leute mit Höhenangst haben es übrigens etwas schwer, ich fordere mich ja gerne heraus, aber auf dem Weg durfte ich wahrlich nicht runterschauen. Der Blick von oben ist aber grandios.

Ausblick F60

Ja, so gucke ich, wenn ich latente Höhenangst spüre – und halte mich sicherheitshalber mit den Ellenbogen fest.

Die schwimmenden Häuser vom Geierswalder See

Ich gebe zu, wir haben doppelt gecheatet. Erst einmal sind wir nach Sachsen reingefahren (nicht vergessen, das Licht anzuschalten, gell… :P), und zweitens haben wir hier in einem Appartement übernachtet, denn ich hatte bei meinen Recherchen diese grandiosen Häuser vom Lausitz Resort (Affiliate-Link) entdeckt und wollte da uuuuuunbedingt eine Nacht verbringen.

Die schwimmenden Häuser waren ausgebucht, die Häuser am Hang sind aber nicht weniger lohnenswert, denn von dort hat man eine grandiose Aussicht über den ganzen See.

Schwimmende Häuser im Lausitz-Resort

Die schwimmenden Häuser beim Geierswalder See.

Der Geierswalder See ist wie der Senftenberger See nebenan Teil der künstlich durch den Tagebau geschaffenen Seenlandschaft. Es ist wirklich total schräg, sich vorzustellen, dass die Gegend hier vor wenigen Jahren aus Tagebau bestanden hat, andererseits gibt es noch viele Hinweise darauf und die teils bräunliche Färbung der Seen verweist auf das Eisenoxyd, was aus dem Boden geschwemmt wird. Das ist beim Baden ungefährlich, kann jedoch der Flora zu schaffen machen. Die muss sich hier aber ohnehin erst einmal erneuern und wir werden sehen, was die Zukunft bringen mag.

Geierswalder See

Absolute Ruhe und ein schöner – wenn auch etwas bräunlicher – Badestrand.

Der Geierswalder See ist wohl bei Wassersportlern sehr beliebt, ich fand es eher unglaublich, wie ruhig die gesamte Gegend war. Am Abend haben wir uns auf der Terrasse niedergelassen und bei einem schönen Wein den Tag ausklingen lassen und den Sonnenuntergang genossen. Noch ein bisschen schöner wäre es nur gewesen, wenn wir noch einen Tag hätten bleiben können…

Ab in die Uckermark: Natürlich Natur

Der so genannte 13. Berliner Bezirk ist irgendwie zum Selbstläufer mutiert: In der lieblichen hügeligen Landschaft haben viele Berliner Ihre Ruhe vom Stadtlärm gefunden, außerdem gibt es hier sehr viele Seen. Nachdem sich hier so manch Kreativer niedergelassen hat, zog das weitere Berliner an.

Schriftzug Land-Markt

Wir genießen die Fahrt, die Felder ziehen an uns vorbei, der Bulli brummt ordentlich in T3-Manier, was den Mann außerordentlich freut. Wir fragen uns, warum der Weizen so unterschiedlich golden aussieht – sind das unterschiedliche Sorten?

Interessanterweise findet man hier zwar in diesem Jahr keine Mohnfelder, dafür aber umso mehr Mohn zwischen dem Weizen. Ich frage mich, warum hier viele Bauern den Mohn offenbar nicht wegspritzen und wie der bei der Ernte aussortiert wird. Wer da mehr weiß oder weiß, wo ich fragen kann: Hinweise gerne in den Kommentaren.

Mohnfeld

Nachdem wir uns in der Lausitz so viel über den Tagebau informiert haben, wirkt die Uckermark wie das Gegenteil: Natürlichkeit und zurück zu den Ursprüngen.

Baumallee Brandenburg

Die schönen Baumalleen sind für mich typisch Brandenburg.

Parsteiner See

Pause am Parsteiner See, an der Grenze zur Uckermark.

Morgenschwimmen im See

Morgenschwimmen im See.

Wir bleiben an Seen, gehen schwimmen, verweilen ein bisschen und halten auf dem Weg in kleinen Hofläden, zum Beispiel im Ökodorf Brodowin, wo man nach dem Einkauf im Hofladen die Milch-Verarbeitung im Molkerei-Betrieb hinter Glasscheiben sehen kann.

Ökodorf Brodowin

Kurzer Stopp im Ökodorf Brodowin

Ich habe hier mehrere Stops auf meiner Wunschliste, die wir natürlich gar nicht alle schaffen, weil wir auch einfach mal da bleiben, wo wir sind. Das macht aber nix.

Kloster Chorin

Ein kleiner Kulturschock – oder sollte ich sagen: Zeitenschock? Ich kannte das Kloster noch aus dem Jahr 2009, da wanderte ich bei Minus 20 Grad im großartigen Winter durch die Schorfheide. Am Kloster war damals kein Mensch, ich war ein bisschen enttäuscht, weil ich nicht hineinkam. Umso enttäuschter war ich, dass das Kloster mittlerweile selbst ohne Museum 6 Euro pro Person kostet, plus Parkplatzgebühr. Für Museumsgänge hatten wir ohnehin bei diesem Wetter nichts übrig, also sparten wir uns den Eintritt. Aber auch über die Mauer hinweg hat man einen herrlichen Blick auf den wunderschönen gotischen Bau aus dem 13. Jahrhundert.

Kloster Chorin

Die Blumberger Mühle

Man könnte meinen, ich werde vom NABU bezahlt aber nein, das ist natürlich nicht der Fall. Das NABU-Natur- und Informationszentrum Blumberger Mühle stand schon lange auf meiner „will sehen“-Liste. Das ungewöhnliche Gebäude ist einem hohlen Baumstumpf nachempfunden.

Blumberger Mühle

Das außergewöhnliche Gebäude der „Blumberger Mühle“.

Im Gebäude finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die 13 Hektar Natur- und Erlebnislandschaft und die angrenzenden Blumberger Teiche sind für den NABU gleichzeitig Forschungs- und Schaulandschaft für Naturentwicklung  im Einklang mit dem Menschen. Mir hat das Gelände extrem gut gefallen, kurzweilige Informationen, unterschiedliche Landschaftstypen und -wege machen einen Besuch auch mit Kindern sehr gut möglich. Viel mehr möchte ich jetzt gar nicht verraten: Schaut es Euch einfach selbst an.

Blumberger Mühle

Das Areal ist riesig und es gibt extrem viel zu entdecken.

NABU Blumberger Mühle

Das NABU-Naturerlebnisgelände an der Blumberger Mühle.

Weiter lassen wir uns treiben und nehmen die Dorfstraßen und halten auf Google Maps Ausschau nach kleinen Badestellen an versteckten Seen.

Fachwerkhäuser

Uralte, schiefe Fachwerkhäuser.

See

Das Paradieschen und eine Wasserburg

Bei den coolen Hipster-Sachen bin ich ja immer etwas spät. Deshalb dachte ich mir nichts dabei, als mir jemand von einem Japanischen Matcha-Käsekuchen erzählte. Ich wusste lediglich sofort, dass ich dahin wollte, wo es diesen Kuchen gab, denn seit meiner Japan-Reise bin ich total vernarrt in alles, was mit japanischem Essen zu tun hat. Außerdem hatten wir den Tipp bekommen, dass ein grandioses Mohnfeld direkt nebenan liegen sollte, wir waren also ohnehin in der Gegend.

Bulli im Kornfeld

Mir dem #Brandenbulli unterwegs in der Uckermark.

Das Mohnfeld war eine Fehlinformation, also fuhren wir in das kleine Örtchen Gerswalde, suchen das Café zum Löwen und staunten nicht schlecht, als auf dem Weg dorthin mehrere Dutzend Autos mit Berliner Kennzeichen die kleinen Straßen verstopften. Eine Hochzeit? Wir wurden fündig im ortsansässigen Schlossgarten: Auf mehreren Terrassen erstreckt sich der riesige Garten mit Nutzpflanzen und offensichtlich vielen Erntehelfern. Unter Bäumen werden Lesungen gehalten, unter einem Scheunendach wird geräucherter Fisch verkauft. Das Café zum Löwen befindet sich im großen Gewächshaus und sieht schon alleine so hübsch aus, dass ich das ganze Ding mit nach Hause nehmen möchte.

Café zum Löwen

Das Japanische Café zum Löwen befindet sich im Gewächshaus.

Matcha-Käsekuchen

Matcha-Käsekuchen: So lecker!

Café zum Löwen

Und natürlich auch: leckerer Kaffee.

Nur die vielen Menschen, die sich hier in ihrem lässigsten Sonntagsoutfit auf den Shabby-Chic-Gartenstühlen unterhalten, schüchtern mich etwas ein.

Gewächshaus mit Garten

Das „Paradieschen“, nennt die Besitzerin ihren Garten.

Als wir mit immer noch vielen Fragezeichen den Garten verlassen, kommen wir mit einer Dorfbewohnerin ins Gespräch, die uns aufklärt: Der bildschöne Schlossgarten wurde vor einigen Jahren von einer Berliner Regisseurin gekauft. Und nun kommen die gestressten Berliner Freunde, um sich hier bei der Gartenarbeit zu entspannen. Nicht schlecht, das Konzept, grinse ich. Mittlerweile ist der Ort so bekannt, dass auch der Berliner Tagesspiegel darüber berichtet.

Ob die BewohnerInnen das mögen? Die Dorfbewohnerin war jedenfalls recht aufgeschlossen, und nicht anders die Mitarbeiterin der Wasserburg Gerswalde, mit der ich noch einen längeren Plausch hatte. Die Wasserburg ist übrigens auch einen Besuch wert, betont sie (stimmt!).

Wasserburg Gerswalde

Die Wasserburg Gerswalde stammt aus dem 13. Jahrhundert, es ist noch erstaunlich viel erhalten.

Und ohnehin kann die ganze Region hier ja ganz dringend Touristen gebrauchen. Und es gibt ja so viel Spannendes zu sehen, also sei das doch ganz großartig, was die Berlinerin da aufgezogen hat. Und die schöne Natur drumherum, der Oberuckersee zum Beispiel, hach…

Also #wisstabescheid: Auf nach Brandenburg.

Abendstimmung über Feldern

Abendstimmung auf der Landstraße.

Offenlegung: Der VW T3 für die erste #Brandenbulli-Tour wurde uns von Bulliholiday zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür!