Bis vor kurzem habe ich nicht gewusst, dass ein Nationalpark ganz in der Nähe Berlins existiert: Der Nationalpark Unteres Odertal, in der schönen Uckermark Brandenburgs nordöstlich von Berlin gelegen. Das wissen anscheinend auch viele andere Berliner nicht, weshalb das Untere Odertal immer noch ein Tipp jenseits ausgetretener Pfade der Nationalparks ist.

Heute erzähle ich Euch daher von meinen kleinen Wanderungen durch den Nationalpark Unteres Odertal, be denen man das Auenland durchquert und nach Polen rüberwinken kann. Außerdem geht es für einen Abstecher in den nahegelegenen Buchenwald Grumsin, Weltnaturerbe mit großartiger ökologischer Vielfalt. Nicht zu vergessen die wahnsinnig schönen Korn- und Mohnfelder drum herum.

Inhalt des Artikels

Das Untere Odertal
Die schönsten Aussichtspunkte und kleine Wanderungen im Nationalpark Unteres Odertal

a) Der Richterberg in Stützkow
b) Beobachtungsturm an der Oder
c) Der “Grützturm” von Stolpe (Stolper Turm)

Das UNESCO Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin
TTT – TierischeTouriTipps

Korn- und Mohnblumenfeld

Farb- und Blümchen Overdose…

Schilder im Nationalpark unteres Odertal

Im Nationalpark Unteres Odertal kann man gut von Ort zu Ort laufen – oder mit dem Fahrrad auf dem Deich fahren

Das Untere Odertal

Um das Untere Odertal etwas besser zu verorten habe ich eine Karte mit Oder und Neiße gemalt, die sich am Rande Deutschlands hübsch entlang schlängeln. Das Untere Odertal liegt ganz im Osten an der Grenze zu Polen, nordöstlich von Berlin:

Karte Oder-Neiße-Naturparks

Naturräume entlang der Oder

Die unten beschriebenen Orte finden sich auf dieser Karte:

Karte vom Nationalpark Unteres Odertal. Klick aufs Menüsymbol zeigt die Informationen.

Die Landschaft des Unteren Odertals entstand vor etwa 10.000 Jahren durch Schmelzwasser des Inlandeises. Die Talaue, die sich in der Mitte längs dem ca. 60 Kilometer langen Gebiet erstreckt, ist nur 1-3 Kilometer breit.

Auental im Nationalpark Unteres Odertal

Das Auental – der schmale Sollüberflutungsbereich der Oder im Nationalpark

Wasser und spiegelnde Bäume im Sommer

Wasserreiche Gegend: Die Auentäler neben der Oder im Nationalpark

Da zur Eiszeit immer Mammuts gehören, steht am Informationszentrum in Groß Ziethen ein großes Mammut, das einem den Weg zu den Erklärungstafeln über die Eiszeit und deren Bewohner weist, umrahmt von Kornfeldern und Mohnblumen.

Mammut in Brandenburg

Ein Mammut im Kornfeld…

Ich bin ja tatsächlich so eine, die bei Spaziergängen und Wanderungen ständig stehenbleibt und am Wegesrand die ganzen Pflanzen anguckt und überlegt, welche sie noch nicht kennt, und die anschließend ins Kornfeld robbt, um die ganzen Blümchen zu fotografieren.

Kornblumen

Kornblumen

Absolutes Highlight waren diesbezüglich die sagenhaft riesigen Mohnblumenfelder.

Mohnblumenfeld

Gar nicht so leicht, da hineinzukommen ohne all die schönen Mohnblümchen zu zertrampeln…

Mohnblumenfeld

… und dann hockte sie stundenlang im Mohnfeld.

Die schönsten Aussichtspunkte und kleine Wanderungen im Nationalpark Unteres Odertal

a) Der Richterberg in Stützkow

Der Ort Stützkow liegt bereits erhöht und der Richterberg ist von dort mit einem kurzen Aufstieg leicht zu erreichen. Ihr geht die Fischerstraße einfach gen Osten und folgt den Hinweisschildern „Blick ins Odertal“.
Der Blick ist fantastisch und bei guter Sicht kann man bis zur Oder sehen.

Picknickplatz auf dem Richterberg in Stützkow

Mittach?

Aussichtspunkt Richterberg in Stützkow

Der Aussichtspunkt auf dem Richterberg in Stützkow

Stützkow liegt an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße (HFW), von hier aus lohnt es sich, ein paar Schritte zu Fuß zu laufen, zum Beispiel zum Beobachtungsturm an der Oder durch das schöne Auengebiet.

Auental im Nationalpark Brandenburg

Das Auental ist auch im Sommer wasserreich, im Winter allerdings teils komplett überschwemmt.

Blaue Blume im Macro

Und nicht zu vergessen: Die Blumen am Wegesrand

b) Beobachtungsturm an der Oder

Eine der schönsten Wanderungen  im Nationalpark Unteres Odertal führt durch die Auenlandschaft, das Überschwemmungsgebiet der Oder. Der „Oderturm“, ein Beobachtungsturm an der Polnischen Grenze ist hier ein schönes Ziel. Diesen erreicht Ihr mit einer kleinen Wanderung von Stützkow (ca. 1,5 km) oder von Criewen (6,3 km).

Seerosen auf dem Wasser in Brandenburg

Im Auental: Stilles Wasser und überall Seerosen

Der Beobachtungsturm ist ziemlich neu und aus dem Projekt Natura 2000 entstanden, ein sehr interessantes EU-Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Natur zu schützen und dabei das Zusammenkommen von Mensch und Natur zu stärken. Das bedeutet: Keine abgeschotteten Gebiete, die zwar der Natur dienen aber nicht dem Menschen, sondern viel Erholungs- und Erfahrungsgebiet unter Berücksichtigung des Naturschutzes.
Diese Informationen habe ich übrigens nur vor Ort bekommen, der oben verlinkte Wikipedia-Artikel sieht das etwas anders, da ist wieder nur von dem Naturschutz-Blickwinkel die Rede.

In 11 Metern Höhe kann man hier jedenfalls nun über die Oder schauen, nach Polen rüberwinken und das Rundum genießen.

Aussichtsturm an der Oder im Nationalpark

Aussichtsturm an der Oder – gerade vor einem Jahr eingeweiht und das Holz riecht noch so schön frisch

Die 11 Meter kommen einem auf dem Turm weitaus höher vor als es von unten den Anschein hat, ich bewundere jetzt im Nachhinein die Springer vom 10-Meter-Turm in unserem Sommerfreibad meiner Teenagerzeit, die wir schon damals angehimmelt haben.

In der Gegend wird übrigens gemunkelt, dass dieser Turm schweineteuer war, von mehreren Millionen ist die Rede. Das ist natürlich nicht wahr: 170.000 Euro waren es, 3,5 Millionen hat das ganze Projekt Natura 2000 für diese Gegend gekostet.

c) Der „Grützturm“ von Stolpe (Stolper Turm)

Auf gar keinen Fall verpassen sollte man den Stolper Turm, auch „Grützturm“ genannt. Eigentlich ist der Turm sogar eine Burg; er gehört zu den seltenen Turmburgen in Norddeutschland.

Blick am Stolper Turm über das Untere Odertal

Rote Bank mit Aussicht: Blick weit über das Oderland

Neben der interessanten Geschichte und dem Fakt, dass der Stolper Turm aus dem 12. Jahrhundert noch sehr gut erhalten und sogar begehbar ist, ist der Ausblick von oben einfach großartig. Das Wetter war leider nicht ganz so doll, dennoch ist dieser Ausblick allein schon einen Besuch auf dem Turm wert (und ja, der Ausblick von unten ist auch schön, aber von oben noch zigmal besser!).

Stolper Turm, Grützturm in der Landschaft

Der Stolper Turm steht wie ein kleines dickes Männchen in der Landschaft – der Grützturm, wie er in der Gegend genannt wird. Innen: Eine echte Rüstung, Schwert, Pfeil und Bogen

Der Himmel war ziemlich grau, der Ausblick über viele Kilometer über den Nationalpark dennoch beeindruckend. Hier einmal der Rundumblick im Schnelldurchlauf:

Das UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin

Für Waldliebhaber empfehle ich dringend einen kleinen Ausflug zum nicht weit entfernten Buchenwald Grumsin, UNESCO Weltnaturerbe mit 3000 Jahre alter Waldgeschichte und der Chance auf den blauen Moorfrosch. Wir haben hier leider aus Zeitgründen nur eine kleine Wanderung gemacht, ich werde aber definitiv wiederkommen, ich olle Alte-Bäume-Liebhaberin.

Es gibt verschiedene Rundwanderungen, die man am besten von Altklünkendorf startet:

  • Das Zeichen des orangenen Buchenblattes führt auf 10,5 km Länge durch den Buchenwald und am Ort Louisenhof und dem Wolletzsee vorbei.
  • Die Tour mit dem gelben Buchenblatt führt zum Großen Schwarzen See und Kleinen Grumsinsee. Nach 10,3 Kilometern ist man wieder am Anfang.
  • Die Wanderung mit dem roten Buchenblatt ist mit 21,5 Kilometern die längste, für sie sollte man acht Stunden einplanen. Auf dieser wird das gesamte Gebiet umrundet.
UNESCO Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin

Buchenwald Grumsin – UNESCO Weltnaturerbe

TTT – TierischeTouriTipps

Hinkommen:

Mit der Bahn nach Angermünde oder Schwedt/Oder, mit dem Bus geht es dann weiter: Nach Criewen mit der Linie 468 Richtung Schwedt, nach Stolpe mit der seltener fahrenden Linie 456, nach Stützkow mit der Linie 464.
Zum Buchenwald Grumsin geht es mit dem Biberbus 496 von Angermünde bis nach Altklünkendorf. Der Biberbus verkehrt von April bis Oktober stündlich.
Achtung: Alle Angaben ohne Gewähr, das ändert sich gerne von Jahr zu Jahr. Bitte online vorher überprüfen!

Angermünde ist übrigens auch einen Besuch allein wegen des Stadtsees und der schönen alten Häuser wert. Grundsätzlich kann man in dieser Gegend großartig von Ort zu Ort durch die Auen wandern.

Angermünde

Angermünde Innenstadt

Unterkommen:

Im Schweizer Haus in Stolpe. Wer von außen auf ein Gelsenkirchner Barock-Interieur schließt, vertut sich gewaltig: Die zauberhafte Inhaberin Gabriele Pust mag es schlicht und klar. Je nach Appartement steht eine badezimmer-eigene Sauna zur Verfügung; Fahrradverleih und verschiedenen Freizeitangebote inklusive. Mein Appartement war größer als meine Wohnung in Berlin und ist sehr preisgünstig. Alle Preise auf der Webseite des Schweizer Hauses.

Das Schweizer Haus in Stolpe

Das Schweizer Haus in Stolpe

Tipp: Frau Pust bei nächster Gelegenheit in ein Gespräch verwickeln! Sie weiß alles über die Gegend und kann großartige Geschichten erzählen.

Essen:

Unbedingt im Grambauers Kalit in Angermünde zwischen dichtem Blumenwerk Platz nehmen. Brandenburgische Küche gemixt mit Moderne für jeden Geschmack, auch Vegetarisches. Etwas teurer als sonst in der Gegend (Hauptgerichte ab 16 Euro) dafür modern und sehr gut.

Unternehmen:

  • Wanderungen von Ort zu Ort, am Deich und quer durch den Nationalpark und die Auen, z.B. den Auenpfad von Criewen aus. Den schönen Flyer darüber gibt es netterweise hier online.
  • Fahrradtouren entlang dem Oder-Neiße-Radweg.
  • Besichtigung des Stolper Turms aus dem 12. Jahrhundert, jeden Tag von 10-12 und 14-16 Uhr, Kosten 2 Euro und sich die ganze Geschichte von dem supernetten ehrenamtlichen Mitarbeiter erzählen lassen.
  • Wie Dornröschen an der Angermünder Stadtburgmauer posieren. Nirgendwo auf der Welt gibt es so eine alte Stadtmauer mit so einer riesigen Rosenhecke, die so sehr an das Märchen erinnert, ich schwöre!
  • Informations- und Besucherzentrum Nationalpark Unteres Odertal in Criewen. Generell viele Informationen online und sehr nette Mitarbeiter vor Ort inklusive einer Ausstellung (Eintritt frei, Öffnungszeiten April bis Oktober 9-18 Uhr, November bis März Fr-So 10-17 Uhr).
  • Für Vogelliebhaber: Touren zu Kranichen und Singschwänen. Informationen dazu im Besucherzentrum Nationalpark Unteres Odertal.
  • Wanderung durch den Buchenwald Grumsin, kurze und längere Wandertouren möglich, s.o. Informationen im Informationszentrum von Altklünkendorf und auf der Webseite Buchenwald Grumsin.
  • Die sagenhaften Korn- und Mohnblumenfelder fanden wir auf dem Weg zum Buchenwald nahe Ziethen und in der Umgebung.
Kornfeld mit Mohnblumen

Kornfeld, mein Bett fehlt…

Mein allerletzter kleiner Tipp: Das Uckermärkische Dorf-Feeling nicht entgehen lassen und mal ein wenig durch die Orte schlendern und am Besten die Kamera bereithalten.

Weiterlesen:

Grünes Garagentor aus Holz

Uckermark, wo die Garagentore noch aus Holz sind ♥

Dieser Artikel wurde am 16. Mai 2017 aktualisiert.

Offenlegung: Ich wurde von Tourismus Marketing Brandenburg zu einem Besuch im Unteren Odertal eingeladen, ganz herzlichen Dank dafür. Meine Meinungen über die Region sind selbstverständlich meine eigenen.