Als wir den Deckel abnehmen, wird das Summen lauter. „Die Bienen fühlen sich gestört, klar, aber die beruhigen sich bald wieder“, sagt Birgit, meine seit einiger Zeit von mir angehimmelte Nachbarin, die sich einen Traum wahrgemacht hat, der mir seit meiner ersten Italien-Wanderreise durch den Kopf spukt: Sie ist Imkerin geworden.

Sie brauche Hilfe, erzählte sie neulich beim abendlichen Nachbarschaftsgrillen, denn sie finde ihre Königin nicht und müsse schauen, ob genug Brut da sei. Aber klar, da helfe ich doch gern!
Mir dem Smoker werden die Bienen vorgewarnt, damit sie sich ein bisschen zurückziehen. Manch Imker erzählt, die Bienen würden ihn an der Stimme erkennen. Birgit ist sich da nicht so sicher, was auch daran liegen mag, dass ihre Völker noch relativ jung bei ihr sind.

Der Smoker zum Imkern
Mit dem „Smoker“ werden die Bienen vorgewarnt.

Vorsichtig heben wir das Oberteil vom Bienenstock herunter und schauen uns nun nacheinander die einzelnen Rahmen mit den Waben an. Das erste Volk hat wahnsinnig viel Honig produziert, ich bin total begeistert.
Birgit weniger, denn wir finden nur Honigwaben und keine Brut, die natürlich besonders wichtig ist, um das Volk am Leben zu erhalten: Arbeiterbienen sterben nach wenigen Wochen, außerdem erfrieren im Winter viele Bienen, die sich als schützende und wärmende Masse um die Bienenkönigin legen. Es braucht also ein starkes Volk, um den Winter zu überstehen.

In einer der unteren Waben haben wir Glück, wir finden die Maden der Brut. Nicht ganz so schön anzuschauen, aber da Birgit sich freut, freu ich mich auch.

Bienenflüsterin
Die Suche nach der Brut – erfolgreich!

Vorsichtig hebelt Birgit Rahmen um Rahmen heraus, mehrere Augenpaare starren die äußerst friedlichen Bienen an, aber eine Königin finden wir nicht.
Theoretisch kann es sein, dass die Königin sich auf und davon gemacht hat. Da außerdem relativ wenig Brut vorhanden ist, wird Birgit ihren „Imkervater“ fragen müssen, was nun zu tun ist.

Ich hoffe, sie findet ihre Königin noch, vielleicht haben wir einfach nicht ordentlich hingeschaut. Ich jedenfalls bin happy über mein erstes Imkererlebnis.

Imkern in Brandenburg
Ikke stolz wie Bolle: Ich hab bienengeflüstert – jedenfalls ein bisschen.

Nach getaner Arbeit zeigt mir Birgit noch das Equipment und mir wird klar, dass ich zwar anfangs Zeit investieren müsste, später aber die Imkerei als Nebenher-Hobby gar nicht so unmöglich ist, und auch finanziell hält sich der Aufwand in Grenzen. In Gedanken schmiede ich meine leisen Pläne also schonmal ein bisschen weiter.

Natürlich kaufe ich Birgit dann gleich noch etwas von ihrem leckeren Honig ab. Diese Lage und Zeit ist günstig, der Honig hat viel Akazienanteil – mein Lieblingshonig.

Anschließend geht es noch ins Museumsdorf Düppel, wo zufälligerweise heute rund ums Imkern informiert und Honig geschleudert wird.

Museumsdorf Düppel
Im Museumsdorf Düppel dreht sich ebenfalls alles rund um den Honig

Außerdem kann ich noch weitere Fragen stellen und erfahre, dass es auch hier genügend Imker-Interessensverbände gibt, denen ich mich anschließen könnte. Seitdem das große Bienensterben angefangen hat und die Auswirkungen langsam auch für den Menschen spürbar werden, vor allem nach solchen langen Wintern wie dem letzten, sind Imkerverbände sehr offen für Neuzugänge.

Natürlich kann ich mich nicht zurückhalten und muss noch ein Gläschen kaufen. Aber macht ja nix, Honig wird definitiv nicht schlecht. Man sagt, selbst bei Ausgrabungen in Ägypten habe man noch etwas vom „Goldfarbenen“ gefunden…

Museumsdorf Düppel
Das Museumsdorf Düppel bildet ein komplettes mittelalterliches Dorf ab.

TTT – TierischeTouriTipps und ein paar Antworten auf blöde Fragen

  • Imkerverband Berlin, es gibt außerdem viele kleinstregionale Imkervereine
  • Nein, Bienen kann man nicht beibringen, dass sie „nur Akazie sammeln“ sollen. Die Art des Honigs wird von der Umgebung und der Blütezeit bestimmt.
  • Bienen haben einen Sammelradius von bis zu 8 Kilometern.
  • Bienen schlafen im Winter. Und erfrieren.
  • Drohnen machen nix weiter als die Königin zu begatten. Was für ein Job!
  • Arbeitsbienen fallen nach wenigen Wochen vor Erschöpfung einfach tot von der Flugbahn. Was für ein Tod!
  • Die Honigschleuder ist das teuerste Gerät bei der Anschaffung. Alles andere kann man gut gebraucht bzw. günstig kaufen. Ein Bienenstock kostet zum Beispiel grob 100 Euro.
  • Imker kann jede/r einfach so werden, man ist nicht verpflichtet, eine Ausbildung zu machen. Natürlich aber ist es ratsam, bei einem erfahrenen Imker anzulernen oder sich einem Verein anzuschließen, schon allein, um jemanden Anrufen zu können, wenn die Königin verschwunden ist.
  • Mancher sagt: Wenn die Bienen aussterben, stirbt 4 Jahre später der Mensch. Also Leute: Werdet Imker!
  • Das Museumsdorf Düppel ist immer eine Reise wert. Neben Sonderveranstaltungen ist es ständige Ausstellung eines mittelalterlichen Dorfes, in dem vor allem Kinder aber auch Erwachsene das Leben im Mittelalter nachempfinden können. Am Wochenende kann man unter anderem zuschauen, wie Körbe geflochten, geschmiedet oder Teer gemacht wurde.

Meinen Dank an die weltbeste Bienenflüsternachbarin und natürlich an den Mann, der unverhüllt und unter Lebensgefahr diese Fotos gemacht hat!