Es war fast wie eine unheimliche Vorahnung: Nur 30 Tage, nachdem ich hier Anfang Dezember mein Couch-Jahr angekündigt hatte, meldete China eine neue, offensichtlich hochansteckende und teils schwer verlaufende Lungenkrankheit an die WHO. Nur einen Monat später verbreitete sich Covid-19 bereits in Europa. Letztlich wurde es ein „Couch-Jahr“ für uns alle.
Mein heutiger Geburtstagsjahresbericht fällt heute daher etwas anders aus als die Jahre zuvor.

Das Titelbild ist traditionell heute früh entstanden, und beim Blick in den Garten musste ich gerade feststellen, dass mein wunderschöner, schwer geliebter, doofer Pfirsichbaum unter der Last der Pfirsiche abgebrochen ist – sieht man hier ein bisschen links im Bild. Gemein! :( Daher passte das Thema „ommmmmmm“ für das Foto umso mehr. 

Auch wenn die Änderungen drastisch waren: Äußerlich waren sie es für mich gar nicht so sehr, denn ich hatte ja ohnehin geplant, in mich zu gehen. Ich wollte gar keine großen Projekte starten, ich wollte vor allem weniger arbeiten, lesen, mich in interessante Themen vertiefen und sehen, wohin mich meine innere Reise führt. Das ist nun aber weitaus krasser ausgefallen, als ich mir das je hätte vorstellen können, denn innerlich hat mich Corona ganz schön durchgerüttelt.

Durchgerüttelt hatte mich ja auch schon das Jahr zuvor. Es gab unglückliche zusammenfallende Ereignisse, jemand stahl mein Geld, es gab ein paar Todesfälle, ein paar Familiengeschichten. ich wollte aufarbeiten, mich weiterentwickeln, weniger Ballast mitschleppen, neue intellektuelle Herausforderungen suchen.

Das war hübsch gedacht. In der Praxis habe ich vor allem eins getan: Viel geschlafen.
Denn die derzeitigen Nachrichten sind – auch jenseits Corona – ermüdend schrecklich. Kalifornien brennt, in den USA treibt ein grandioser Clown das Land in den Abgrund, Brasiliens Oberhaupt möchte Journalisten auf die Fresse hauen, für Belarus kann man nur beten, dass es nicht ein neues Tian’anmen wird – was übrigens manche, ganz ernsthaft, befürworten, mit denen ich so auf Facebook herumdiskutiere. Und Berlin, ach, Berlin, davon fange ich jetzt besser gar nicht an, ich habe wenige Worte, die meine Fassungslosigkeit der letzten Tage ausdrücken können.

Manchmal mag ich kaum darüber nachdenken, wie viele Menschen diesen Stuss mittlerweile von der Weltverschwörung durch die WHO und Gates, „Corona-Lüge“, Trump als Kinder-Rettender Engel, Deutschland eine Diktatur etc. glauben. Spoiler: Umfragen haben ergeben, dass es sehr viele sind. Wahnsinn. Als sei die Welt verrückt geworden. Oder war sie es schon immer?

Nein, dieser Post wird nicht nur negativ, es wird auch wieder fröhlicher. Ein stetes Auf und Ab – das passt doch gerade ganz gut zu unserem Leben, oder?

Give me coffee to change the things I can,
and wine to accept those I can’t.

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Bevor ich aber jetzt zuviel weiter quatsche kommt erst einmal traditionellerweise die Überprüfung meiner Bucketwishlist vom letzten Jahr: Was hat geklappt, was nicht?

Résumé der Bucket Wish List vom 45er Jahr

  • Ich wünsche mir, dass die AFD in Brandenburg unter 20% bekommt.
    Das war leider eher nix. Allerdings lebt der Mann, bei dem ich natürlich seit Corona häufiger bin, in der rosaroten Blase von 7% AFD-Wähler:innen. Immerin. Im Süden Brandenburgs waren es allerdings bis zu 50%. Leider unfassbar.
  • Ich wünsche mir mehr Kraft zum Schreiben. Dazu gehört das politische Schreiben.
    Das hat nur so mittelmäßig geklappt. Mein Corona-Tagebuch hat auch deshalb so spontan aufgehört, weil ich sehr entsetzt bin, wie krass sich politische Meinungsbildung nicht nur polarisiert hat, sondern auch simplifiziert. Wie wenig Grautöne zugelassen werden, wie heftig (im Netz) auf Zwischentöne reagiert wird, als gäbe es nur ein richtig oder falsch, nur ein ja oder nein, und auch keine zwei Meinungen auf einmal. Ich kann vor solch einer Einstellung nur warnen. Und hatte irgendwann keine Lust mehr, mir Beleidigungen anzuhören. Ob ich daher in Zukunft Lust habe, politisch zu schreiben, bleibt offen.
    Die BLM-Debatten haben mich teils hocherfreut, denn als studierte Afrikawissenschaftlerin haben wir diese schon in den 90ern geführt. Doch vorwärts geht da irgendwie gar nichts. Genauso schnell haben mich die Debatten dann auch wieder enttäuscht: „Ich sehe keine Hautfarbe.“
    Wenn Ignoranten Anti-Rassisten sein wollen, kommt halt sowas dabei raus. *hier Augenroll-Emoticon einfügen*
    Ich habe leider keine Geduld, überhaupt nicht. Und werde bei so etwas zu schnell wütend. Also keine gute Grundlage für politisches Engagement. Und so ganz grundsätzlich schwanke ich immer zwischen „Du musst doch geduldig debattieren“ und grenzenloser Wut, weil sich nichts ändert, ja manches sogar rückwärts läuft und Ungerechtigkeiten größer werden. Ist da noch Raum für geduldiges debattieren?
    „Wütend kommst du nicht weiter“, schon gar nicht als Frau, träufelt mir Mutter Theresa ins Ohr. „Es ist endlich Zeit für wütende Frauen“, raunt Margarete Stokowski von der anderen Seite. Ich kann mich nicht entscheiden und sage dann häufig: gar nichts.
  • Das nächste Lebensjahr etwas schöner beenden als dieses, das mit vielen Ängsten, Zweifeln und Unsicherheit verbunden war und teilweise noch ist.
    Ja, dieses Jahr endet schöner, sogar viel schöner, trotz Corona. Solange nicht gleich mehrere Trigger gedrückt werden, kann ich Unsicherheiten doch ganz gut aushalten, und das beruhigend zu wissen. Außerdem habe ich die letzten vier Tage auf der Peene und im wunderschönen Ueckermünde in Vorpommern verbracht.

    Ueckermünde am Stettiner Haff

    Das „Haffhus“ liegt wunderschön am Haff in Ueckermünde und hat eine komplett autarke Energieversorgung. Darüber berichte ich auf jeden Fall noch.

  • Ich wünsche mir persönliche Weiterentwicklung.
    Ja. Wünsch ick mir immer noch.
  • Den Führerschein machen…
    Ignoriere ich mal. Nein, ernsthaft, ist mal wieder verschleppt worden aber: Ich melde mich heute an. Echt jetzt. Fahrschule gefunden, Termin beim Bürgeramt, alle Nachweise zusammen. Es ist soweit: Ich mache meinen Führerschein!

  • Im Oktober das dritte Buch beenden und im Frühjahr zwei tolle neue Bucherscheinungen feiern. 
    „Im Oktober das dritte Buch beenden“ – Ha. HAHA. Ha. Das Buch hat sich dann noch Monate hingezogen, MONATE. Manche Verlage, ey. Ich bin froh, dass es durch ist, und nun aber auch sehr stolz auf das Werk:

Ausfluege Brandenburg - 52 Eskapaden Dumont Verlag
In den 52 Eskapaden Fläming, Niederlausitz und Spreewald geht es in drei sehr unterschiedliche Regionen südlich von Berlin. Touren ins Grüne laden zu kurzen und längeren Ausflügen ein. Für Aktive, Genießer, Wanderer und diejenigen, die das spannende Brandenburg noch nicht entdeckt haben.

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Mein zweites Buch hatte ich bereits im Juli abgegeben, es ist im Februar erschienen und die „Lieblingsplätze Spreewald“ scheinen sehr gut anzukommen, was mich insbesondere freut, weil ich hier viele kleine Geschichten niedergeschrieben habe:

Reiseführer Spreewald

Mehr über Kultur und Sehenswürdigkeiten des Spreewaldes gibt es im Buch Lieblingsplätze Spreewald zu lesen: Lieblings-Cafés, Restaurants und Hotels, Erzählungen über Orte und Plätze, geschichtliche Ereignisse, witzige Begegnungen, schönste Momente – natürlich gespickt mit vielen Fotos.

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Wer eines dieser Bücher hat: Ich freue mich sehr über Amazon-Bewertungen, bisher sieht es da nämlich noch etwas dünne aus.

  • Reisen? Ja, würde ich gerne, und sehr gerne mal wieder richtig weit weg.
    Zu einer langen Reise hat es vor Corona leider nicht mehr gereicht, aber ich habe mir im Februar einen sehr großen Wunsch erfüllt und bin mit dem Mann nach Nordnorwegen aufgebrochen, nach Narvik. Von dort haben wir die tolle Eisenerzlinie nach Kiruna genommen, wo wir das Eishotel und die Stadt besucht haben. Zurück ging es dann mit dem Nachtzug nach Stockholm. Eine tolle Reise, über die ich durch Corona noch nicht gebloggt habe, hole ich aber bestimmt nach.
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    Geplant war ein schöner Aufenthalt in Italien und eine Reise auf die Kanalinseln. Übers Jahr hätte ich dann wohl an meinen größeren Reiseplänen gefeilt, was natürlich nun erst einmal durch Corona alles ausgefallen ist. Luxusprobleme.
    Dafür, dass ich keine große Reise absagen musste und auch nicht mitten in irgendwelchen Weltreisen gesteckt habe, bin ich wirklich dankbar. Ich weiß, es gibt größere Probleme als sowas, dennoch tun mir alle Leute sehr leid, die lange für ihre Weltreise gespart haben, losgeflogen sind und nun abbrechen mussten.
    Ich vergnüge mich derweil mit kleinen Auszeiten in Brandenburg, Mecklenburg, Schleswig-Holstein und mache Pläne für die nächsten Hausboot-Fahrten, Kajak-Ausflüge und überlege, wann ich endlich wieder das Meer sehen kann.
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Gesamt gesehen war das ein gutes Jahr. Ich habe viel geschafft, noch viel mehr nicht geschafft und habe viel geschlafen. Eigentlich ganz schön, wenn rundherum die Welt untergeht.

Das Jahr kategorisch in Worte und Bilder gefasst

Lieblingsbild des Jahres / Umwerfendster Anblick

Es ist nicht das allertollste Foto, weil es aus der Situation im Dunkeln nur mit dem Handy entstand (gemacht vom Mann), aber es hat den absolut magischen Moment des letzten Jahres festgehalten, in dem die Fuchs-Dame, die regelmäßig durch unseren Garten läuft, auf einmal neben uns auftauchte, als wir mal wieder am Feuer saßen und den Abend genossen.
Verwunderung auf beiden Seiten, dann traute sie sich heran und starrte mit genau diesem Blick, der auf dem Foto festgehalten ist, ins Feuer. Sie war offenbar genauso fasziniert vom Feuer wie ich von diesem Blick.
Fuchs am FeuerEin Moment, den ich noch lange im Herz behalten werde, mit Gedanken über Nähe und Wildheit und Dankbarkeit, zum Beispiel darüber, dass ich anschließend nicht irgendwo allein im Wald verschwinden musste, sondern ins warme, sichere Bett kriechen konnte. ❤️

Lieblings-Twitterkanal

Wenn nix mehr geht, geht Tiercontent. Seit längerer Zeit bin ich großer Fan vom Twitterkanal „Animals being jerks“, auch wenn die Inhalte vermutlich irgendwo einfach zusammengeklaut sind. Wenns einem doof geht, einfach mal in den Kanal gucken. Ihr werdet Euch kringeln, ich schwör.

Erneuert

Den Garten. Naja, ein bisschen Baustelle ist immer noch. Aber Dank Corona und Homeoffice haben wir dieses Jahr viel mehr Zeit gehabt, uns um den Garten zu kümmern, in den man sich mittlerweile sogar wieder setzen und wild bepflanzte Ecken bewundern kann. Ach und ein bisschen Tomaten, Kartoffeln, Kürbisse, Salat und Kräuter gibt es natürlich auch.

Eine unserer wilden Ecken - ich mag's.

Außerdem habe ich mein schlechtes Urteil über Fernsehen erneuert – jedenfalls teilweise. Wer mir auf Instagram folgt, hat mitbekommen, dass ich in letzter Zeit häufiger im Fernsehen war. Die Dreharbeiten habe ich ab und an in den Stories gebracht, und ich hab schon so manche verwunderte Nachfrage gehabt, wo denn nun die Sendungen seien.
Nuja.
Beim ARD Buffet haben mich die Redakteure einfach mal ziemlich gelinkt und nicht einmal meinen Namen eingeblendet. Es ging um „Mikroabenteuer“, man hatte mir signalisiert, mein Buch in die Kamera zu halten, aber das war alles nicht der Fall. Ein ganzer Drehtag, kleine Fake-Urwald-Kletterszenen zwei Meter neben dem bequemen Wanderweg, ein paar miesgelaunte Drehleute und mir reichte das, um diesen Beitrag nicht weiter zu bewerben.

Weiter ging’s mit einem Team, das für Arte und den RBB dreht. Der Ansage, es solle eigentlich um Brandenburg, deren Persönlichkeiten und meine Person gehen bei ganzen 2 Drehtagen (inklusive Anreise für mich sogar drei Urlaubstage) folgten stressige Drehorte mit Zeitnot und schlechtem Timing. Fragen an meine Person: circa 5, hechelnd auf einem Fahrrad beantwortet. Interesse an Brandenburg oder mir: circa 0. Bornierte Wessies, die sich über den Osten lustig machen und mitnichten auch nur eine Spur an dem Leben in Brandenburg interessiert sind. Brauch ich nicht, mache für diesen Dreiteiler garantiert keine Werbung und hoffe immer noch, einfach komplett rausgeschnitten zu werden (er ist noch nicht erschienen). Das ist kein Journalismus, das ist irgendein abstruser Selbstzweck.

Rausgerissen hat es dann ein bisschen der RBB mit einem super netten Team und einem kurzweiligen Tagesdreh über „Camping-Gadgets“. Mein Urteil übers Fernsehen bleibt, aber ich konnte mich immerhin etwas mit den vorausgegangenen Totalpleiten versöhnen, außerdem wurden netterweise auch noch meine Bücher gezeigt. Den Beitrag könnt Ihr hier nachschauen: Zibb – Gut gerüstet für Camping-Abenteuer

Und ja, das mit der korrekten Namensnennung haben sie auch nur zu 50% hinbekommen…

Verändert

Meine Arbeitszeiten. Eigentlich arbeite ich drei Tage voll als Angestellte und schreibe in der restlichen Zeit Bücher, Magazin-Artikel und den Blog. Durch Homeoffice verteile ich die Stunden nun auf vier Tage, manchmal mache ich nach ein paar Stunden Pause, arbeite im Garten und setze mich dann am Nachmittag wieder ran. Und ich würde sagen, das kommt sowohl meinem Arbeitgeber wie auch mir zugute. Ich habe selten produktiver und entspannter gearbeitet als derzeit.
Leider muss ich künftig wieder zwei Tage ins Büro – keine wirklich schöne Aussicht bei den steigenden Fallzahlen, immerhin brauche ich für einen Arbeitsweg eine ganze Stunde mit den Öffentlichen.

Wiederholt

Mal wieder nach Rügen gefahren, noch im Januar. Leider keine gefrorene Ostsee, nicht einmal Schnee, sondern viel Regen. Schön war’s trotzdem.

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Außerdem wieder mit dem Hausboot unterwegs gewesen, sogar zweimal: Im September mit meinem Vater und relativ viel Regen, aber auch genauso vielen Kranichen und wahnsinnig vielen Fischadlern – fantastisch.

Hausboot auf der Havel

Na gut, ein paar Sonnenstrahlen haben wir im September auch noch abbekommen.

Und nochmal jetzt im Juli, mit noch viel mehr Regen und Sturm. Wir haben die blödeste Woche ever erwischt. Passiert leider auch mal.

Abschied genommen

Corona hat vielen Menschen verwehrt, Abschied nehmen zu können. Und das finde ich so schrecklich, dass ich dafür jetzt keine weiteren Worte habe.

Dazu gekommen

Manche haben es auf Facebook mitbekommen: Ich habe mir ein aufblasbares Kajak gekauft, aawwww!

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Eine längere Tour habe ich leider noch nicht machen können, denn auch so ein Kajak ist groß und unhandlich und das Transportproblem nicht ganz easy, wenn man kein Auto besitzt. Aber das kommt noch.

Außerdem besitze ich nun einen Zweitwohnsitz in Brandenburg, Dank Corona. Als im März auf einmal nicht mehr erlaubt war, woanders zu übernachten und sogar Polizei auf den Straßen kontrollierte, habe ich einen Zweitwohnsitz beim Mann angemeldet, um dort überhaupt legal übernachten zu dürfen. Und ich bin so mittelbegeistert, dass Corona mich deshalb jetzt auch noch zusätzlich Geld kosten wird. Einige Maßnahmen waren einfach mal ziemlich unangemessen, finde ich. Aber das traue ich mich mal wieder kaum zu schreiben, weil ich dann vielleicht gleich wieder als Oma-Mörderin beschimpft und mit Corona-Schwurblern in einen Topf gesteckt werde.

Beeindruckt

haben mich in diesem letzten Jahr sehr viele Menschen, insbesondere diejenigen, die sich einem Thema widmen und sich trotz widriger Umstände dafür einsetzen.
Christian Drosten fällt mir dazu ein. Jemand, der nur sehr wissenschaftliches Rampenlicht kannte, muss sich auf einmal übelste Beleidigungen und Theorien von irgendwelchen Schwurblern anhören. Meinen Respekt hat er, dass er mit dem NDR-Podcast dennoch weiter gemacht hat.

Beeindruckt hat mich auch Katja Riemann, die ich irgendwo in einem längeren Interview las. Ihr Buch habe ich noch nicht gelesen, aber ich finde es sehr bewunderswert, sich über Jahrzehnte mit schwierigen und menschenunwürdigen Lebensbedingungen auseinander zu setzen und diese Themen immer wieder in der Öffentlichkeit anzusprechen. Ich habe einen miniminimalen Bruchteil solcher Lebensumstände gesehen (z.B. in Brasilien, in einigen Townships von Südafrika, in Kasachstan) und bin nicht sicher, ob ich mich damit regelmäßig befassen könnte. Ich muss schon regelmäßig die Nachrichten abschalten, um klar zu kommen.

Zum Beispiel Nachrichten aus dem Flüchtlingslager Moria. Mehr brauche ich da wohl nicht zu sagen. Moria ist ein einziges Schreckensbild und zeigt die hässlichste Kapitalistenfratze Europas.
Oder die Reportage der New York Times, die berichtet, dass Griechenland alleine seit März mindestens 31 Mal Geflüchtete in Booten auf dem Mittelmeer ausgesetzt hat – über 1000 Menschen! Dass Griechenland mit den Geflüchteten alleine gelassen wird, ja, das sehe ich auch so. Aber sie auf dem Mittelmeer aussetzen? Menschen mitten auf dem Wasser aussetzen? Wie tief können wir eigentlich noch sinken.
Oder dass 400.000 Kinder in Haiti als Arbeitssklaven leben.
Oder dass sich keine Regierung wirklich ernsthaft um den Klimawandel schert.

Ok, jetzt habe ich hier ordentlich negative Vibes losgestreut, sorry dafür. Die Welt ist leider nicht rosarot. Eines noch:

Dunja Hayali hat mich ebenfalls wahnsinnig beeindruckt. Davon abgesehen, dass man mit ihr unbedingt befreundet sein will, auch wenn man sie live erlebt, finde ich einfach unglaublich, dass Menschen trotz aller absolut widerlichen Nachrichten und Drohungen per Brief und auf Social Media weitermachen, immer weiter, und versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen.

Danke!

Nervigster Song

Das war dieses Mal sehr einfach: Sunset Lover von Petit Biscuit. Leute, PLEASE: Nehmt einfach den nächsten vorgeschlagenen Song für Eure Insta-Story, ich kann ihn wirklich nicht mehr hören!

Lieblingssong

Es ist sicher nicht DER Lieblingssong des Jahres, aber ganz sicher einer meiner Favoriten. Ein Song über Schmerz und Hoffnung und Trost. Konnte ich manchmal nicht oft genug hören und finde, dass sich die Musik mit dem Text in diesem Stück grandios trifft. Oder wie es die Komponistin Markéta Irglová ausdrückt: „This song was written from a perspective of hope, and hope at the end of the day connects us all, no matter how different we are…“

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von open.spotify.com zu laden.

Inhalt laden

I don’t know you
But I want you
All the more for that
Words fall through me
And always fool me
And I can’t react
And games that never amount
To more than they’re meant
Will play themselves out

Take this sinking boat and point it home
We’ve still got time
Raise your hopeful voice, you have a choice
You’ll make it now

Falling slowly, eyes that know me
And I can’t go back
And moods that take me and erase me
And I’m painted black
Well, you have suffered enough
And warred with yourself
It’s time that you won

(Übrigens: Der Film ist auch sehr schön.)

Lieblingsserie

Ich merke immer wieder: Die Serien, die mich am meisten beeindrucken und greifen, sind sich ziemlich ähnlich. Sie sind relativ leise, entdecken die komisch-melancholischen Seiten des Lebens und haben tolle Dialoge. Davon gab es im letzten Jahr einige auf Netflix und Amazon Prime und ich picke mir hier mal zwei raus:

Gerade kam die 2. Staffel von „After Life“ von und mit dem unglaublich genialen Ricky Gervais heraus. In der Serie kämpft Tony, der seine Frau an Krebs verloren hat, mit den alltäglichen Anforderungen seines dreist weiterlaufenden Lebens und den Erwartungen eines britisch-höflichen Umfeldes, dem er mit maximaler Unfreundlichkeit begegnet. Grandios zum Mitweinen und Mitlachen. Ehrlich, ich verstehe nicht, dass diese Serie nicht viel mehr gehypt wird.

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Gibt’s natürlich auch auf Englisch und ist im Original besser. Das britische Genuschel verstehe ich allerdings leider nicht durchgängig.

Nicht ganz so tiefgängig-melancholisch, aber auch großartig fand ich „The Kominsky Method“. Der der schwer gealterte Michael Douglas spielt hier sein gescheitertes Alter Ego, das nicht selbst auf der Bühne steht, sondern Möchtegern-Schauspielschüler*innen Unterricht erteilt. Wunderbar selbstironische Dialoge übers alt Werden und Sein.

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Blödester Moment

Es gab viele blöde Momente, besonders viele, die mit Rassismus, Nazis, Covidioten und Corona zu tun hatten. Und weil ich in diesem Post schon genug Bad Vibrations habe, lasse ich diese Kategorie dieses Jahr einfach mal aus.

Lieblingsanschaffung

Jetzt, meine Lieben – Achtung – hier kommt mein Geburtstagsgeschenk an mich: Meinen brandneuen Brandenbulli! Ja, es ist nun mein eigener!

Der Brandenbulli

Nun müssen wir ihn nur noch zum Laufen bringen, denn natürlich hat er einige Macken, und ich muss nur noch den Führerschein bestehen. Drückt mir also die Daumen, denn weiter berichte ich natürlich erst, wenn ich sicher bin, ihn auch behalten zu können. Ich bin jetzt allerdings schon schwer verliebt und hoffe aufs Beste.

Wer neugierig ist: Er wird nächstes Jahr 40 Jahre alt, ist ein Benziner, hat 70 PS und einen luftgekühlten Boxermotor. Und alles Weitere dann beizeiten.

Bucket Wish List 2020 / das 46er Jahr

Ehrlich, sehr viel ist mir nicht eingefallen. Ich finde es derzeit ganz angenehm, gar keine großen Dinge zu träumen, sondern bei den kleineren zu verharren und genauer hinzuschauen.

Natürlich reisen!
Ich war nun die letzten Jahre weniger unterwegs wegen viel Arbeit und viel Brandenburg und habe nun sehr viel Lust auf unterwegs sein, Dinge sehen, Neues riechen. Bald geht es erst einmal in die Altmark mit der lieben Janett von Teilzeitreisender, denn wir sind die Altmark-Bloggerinnen dieses Jahr und schon gespannt.
Ebenfalls noch im September freu ich mich auf ein weiteres Mal im einzigen Nationalpark Brandenburgs, dem Unteren Odertal.
Im goldenen Oktober gibt es genügend anderes zu tun und im November liebäugeln wir mit Teneriffa. Trotz Corona, trotz Flug-Impact. Meine Lieblingscousine hat dort einen Wohnsitz und wir haben schon lange damit geliebäugelt, vorbeizuschauen. Unser Gutschein von Easyjet musste auch eingelöst werden, also haben wir spontan gebucht. Sollte das nicht klappen, ist das kein großes Drama, aber ich habe inzwischen so dermaßen viele tolle Blogartikel über Teneriffa gelesen, dass ich sehr hoffe, dass wir fahren können.
Außerdem natürlich am liebsten eine erste Bullitour. Mein Wunsch: Nach Böhmen.

Den Bulli auf Vorderfrau bringen.
Derzeit läuft er ja noch nicht rund, da muss ich in die Werkstatt. Immerhin „dürfen“ wir ihn Übermorgen endlich anmelden. Derzeitige Wartefrist in Berlin übrigens: 10 Wochen. Totale Katastrophe und ich bin wie viele andere unglaublich sauer, dass hier einfach nix unternommen wird.
Die Polster sind übrigens schon fast komplett neu bezogen, jippie, denn die waren nach grob geschätzten 30 Jahren nun doch schon ziemlich eklig. Auch die Seitenverkleidungen fehlen entweder oder müssen erneuert werden. Aber ich quatsche jetzt gar nicht viel, irgendwann, FALLS ich ihn fahrfähig bekomme, stelle ich Euch das Schätzchen mal vor.
Aber keine Sorge, das hier wird kein Van-Life-Blog. Es gibt schon genügend tolle Blogs mit diesem Thema und ich bin auch weder Digitaler Nomade, noch Dauer-Van-Liferin, noch Stylistin. Ich habe eben nur ab sofort meinen eigenen Brandenbulli. ♥

Gesund werden, gesund bleiben.
Corona ist da natürlich auch ein Aspekt. Ein weiterer aber eine Sehnenentzündung, die mich mittlerweile lange begleitet und die ich endlich wegbekommen muss, denn ich würde wahnsinnig gerne mal wieder eine Fernwanderung machen.

Nicht zu negativ werden bei all den negativen Vibes in den Nachrichten.
Klimawandel und Rechtsextremismus aka Verschwörungsschwurbel sind die größten Probleme dieser Zeit für mich, hinzu kommen nun noch im folgenden Jahr all die Existenzschwierigkeiten so vieler Menschen auf der Welt, die vom Tourismus abhängig sind und durch Corona ihre Lebensgrundlagen verlieren. Das wird vermutlich ein hartes Jahr und ich frage mich, wo ich mich positiv einbringen und was ich tun kann. Hoffentlich habe ich eine Eingebung.

Mehr Wasser!
Mir fehlt Wasser, eindeutig! Fast hätten sie mich gestern von Ueckermünde vom Stettiner Haff wegtragen müssen, so habe ich das Meer vermisst – auch wenn es ja eigentlich nur ein Haff war. Eindeutig war ich ebenfalls zu selten am und im See und zu wenig im Kajak – irgendwie war immer zu viel zu tun oder ich zu müde. Für mein 46stes Jahr rufe ich deshalb mein Wasser-Jahr aus.

Endlich mal kein Buch schreiben!
Der Mann lacht sich gerade schlapp.

Motto für das kommende Jahr:

Mehr Schnappschüsse!

Die liebe Revoluzza brachte mich auf dieses Motto. Weniger gestellte Momente, mehr echte Schnappschüsse, sowohl im Leben, wie im Insta-Account. Feiern wir doch mal die kurzen, großartigen, ganz ungestellten Momente des Lebens.

Und damit auf ins nächste Lebensjahr!

Macht’s fein und bleibt gesund
/Inka