Die Resonanz der Blogparade #mauerfall25 war unglaublich, mit 21 externen Beiträgen (ein Eintrag wurde mittlerweile leider gelöscht) ist eine wunderbare Sammlung zusammen gekommen. Das Beste finde ich: Aus Ost und West und Nord und Süd kamen die Beiträge zum Tag, an dem die Mauer fiel. Es haben also auch Leute geschrieben, die nicht „ganz nah dran“ am Geschehen waren sondern erst später die Bedeutung reflektiert haben. Das finde ich sehr schön und bemerkenswert.
Ganz nah dran, auch das ist selbstverständlich dabei.
Weil vermutlich leider die meisten Leser keine Zeit finden werden, sich durch all diese Artikel hindurchzuwühlen, dachte ich mir, ich schreibe eine kleine Zusammenfassung mit einem winzigen Fingerzeig, worum es in dem Artikel geht, welcher Blickwinkel vorherrscht und wer den Artikel geschrieben hat. So könnt Ihr noch einmal durchstöbern – und ich bitte sehr darum, denn es sind die Geschichten aus unserer Mitte und aus unserer Zeit, jenseits von den Erzählungen festgeschriebener Historie in Lehrbüchern.
Ich bin froh und ein bisschen stolz, dass einige Artikel durch meine Idee entstanden sind und möchte mich bei allen TeilnehmerInnen ganz herzlich bedanken!

Zusammenfassung der Blogparade #mauerfall25

  1. Mandy von Moovin’n’Groovin war gerade elf Jahre alt, als die Mauer fiel und reflektiert über die Tage nach dem Mauerfall und ihre Kindheit:
    „Eine Frage, die ich oft gestellt bekommen habe, wenn ich (vor allem im Ausland) mit Menschen über meine Zeit in der DDR gesprochen habe: Was hast du am meisten vermisst in der DDR? Nach etwas Nachdenken kam mir die Erkenntnis: Ich habe nichts vermisst. Wie soll man auch etwas vermissen, was man nicht kennt?“
  2. Madlen von Puriy resümiert verschiedene Seiten der DDR und des Mauerfalls.
    „Und manchmal frage ich mich, warum ich den Westen heute nicht mehr rieche. Dann sagt mir mein Freund, der im  Westen aufwuchs, dass er den Duft des Ostens auch nicht mehr riecht – den nach Mitropa, Ata, Fit und Spee.“
  3. Ullstein-Hersteller Norbert Wollentarski erzählt auf Resonanzboden von seinen Besuchen im Westen, seiner Flucht und der Erinnerung rund um die Mauer und deren Fall: „So gegen Mitternacht rief mich ein Kollege an und sagte: „Norbert, die Mauer ist auf, sieh dir das im Fernsehen an.“ Im Verlag wussten alle, dass ich aus Ostberlin geflüchtet war – meine Mutter wurde deshalb sechs Stunden im Stasi-Gebäude in der Normannenstraße verhört.“
  4. Mandy von Go Girl! Run! hat keine Erinnerungen an den Mauerfall, denn sie war knapp drei Jahre alt. Später wurde ihr bewusst, was es hieß, in einem Land geboren zu sein, das nicht mehr existiert.
    „Ohne den 9. November 1989, ohne all den Mut, den die Menschen damals aufbrachten um das zu fordern, was ihnen zustand, könnte ich niemals das Leben leben, das ich heute lebe, leben  – und liebe.“
  5. Lars von Puriy erzählt von seiner Kindheit in West-Berlin, war natürlich beim Mauerfall dort und hat einige tolle Fotos von jenen Tagen.
    „Am Ende meiner Straße war die Mauer. Dahinter war ein anderes Land. Ein Land, das ich einmal im Jahr besuchte, da ich Verwandte in Sachsen hatte. Ob ich vor oder hinter der Mauer lebte, wusste ich nicht zu sagen, denn eigentlich lebte ich mit meiner Familie auf einer Insel – umringt von der Deutschen Demokratischen Republik.“
  6. Nina vom Mainzer Wohnzimmer erzählt von ihrer Großcousine, die noch in den Tagen vor dem Mauerfall flüchtete:
    „Ich erinnere mich daran, wie die ganze Familie gebannt vor dem Fernseher saß. Ich erinnere mich an Bilder von Menschen die über irgendwelche Zäune kletterten. Ich erinnere mich, wie wir irrwitzigerweise jede einzelne Person scannten, um zu schauen, ob sie dabei war. Und ich erinnere mich, wie wir ständig auf einen Telefonanruf warteten, der uns mitteilte, dass sie in Ordnung ist. Denn anders als heute, gab es natürlich keine Handys, kein Internet.“
  7. Stephanie von Mamahochdrei berichtet, wie sie als Zehnjährige ihren ersten Westbesuch erlebt hat:
    „Auch Samstag, den 11. November 1989, hatten wir wieder Schule und gingen auch hin, allerdings holten uns unsere Eltern unerwartet nach der 1. Stunde wieder ab. Hatten sie sich am Freitag noch nicht getraut, fuhren wir  mit unserem weißen Trabi nach Berlin zu unseren dort lebenden Verwandten. Es lag Spannung in der Luft.“
  8. Janett von Blo-g.info erlebte, wie auch die meisten anderen, ihre Kindheit in der DDR ganz selbstverständlich:
    „Auch heute werde ich noch oft gefragt – ja wie war das denn damals im Osten ? Nun – normal! Klar gab es ein paar Regeln und klar gab es nicht alles (meinen ersten Joguhrt habe ich 1990 gegessen), aber wir hatten eine spanndene Kindheit. Im Fernsehen habe ich immer gerne Fred Feuerstein und die ‚Bugs Bunny Show (Mein Name ist Hase)‘ geschaut (Ja – Westfernsehen haben wir grenznah auch geschaut).“
  9. Nics aka Luzia Pimpinellas Erinnerungen decken sich stark mit meinen, was die mulmigen Gefühle bei Grenzübertritten von West nach Ost angeht. Außerdem erzählt sie:
    „zum schmunzeln bringen mit heute noch die erinnerungen, die ich an die zeit unmittelbar nach der grenzöffnung habe. die innenstadt müffelte plötzlich nach dem auspuffgasen der ganzen zweitakter TRABIS, die nun durch königlutter und helmstedt kurvten. und unser erste richtiger ausflug in „den osten“ mit meinen damaligen freunden starteten wir im LADA unseres kumpels {jepp, der westler hatte tatsächlich damals ein ost-auto!} nach magdeburg.“
  10. Anika aka Frau Alberta schreibt über ihre Dankbarkeit für diese friedliche Revolution.
    „Ich erinnere mich an meinen Vater, der überwältigt in unseren Garten gegangen ist und auf seiner Trompete „Einigkeit und Recht und Freiheit“ gespielt hat. Ich erinnere mich an eine bewegte Zeit. Als sechsjährige nimmt man natürlich sowas wahr und auf. Ich erinnere mich an meinen ersten „West-Spielzeugladen“.
  11. Heidi von Hünerstall-kreativ ist mit ein paar Leuten im Trabi schon in den Tagen vor dem 9. November über die tchechische Grenze gereist und hat am 9. November München besichtigt:
    „Die tschechischen Grenzer haben uns einfach druchgelassen. Der ‚westdeutsche‘ Grenzer hat sich unsere Pässe angeschaut und dann gefragt, ob wir für immer bleiben wollten. Nein, das wollten wir sicher nicht!“
  12. Gina aka Goldlockengina erzählt ihre Gedanken aus dieser Zeit, obwohl sie aus dem ‚entfernten‘ Duisburg stammt und berichtet außerdem von einem Theaterstück, was offensichtlich nicht nur bei Zuschauern Eindruck hinterlassen hat.
    „Wir sprachen im Freundeskreis darüber, ganz präsent war natürlich auch Genschers Balkon-Ansprache in Prag vom 30.09. 1989: ‚Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…‘ Mehr konnte man ja nicht mehr verstehen, das ging im Jubelgeschrei der Leute unter… Gänsehaut pur… bis heute.“
  13. Stefi von stefi_licious addicted erzählt, dass im ‚Westen‘ der Fall der Mauer für sie als Teenie weit, weit weg war.
    „überrascht hat mich in den jahren danach die grenze im kopf der menschen. und nicht nur im kopf der wessis. mein erster freund zu studienzeiten kam aus schwerin. ja und? eine stadt in deutschland. fertig. für ihn und für mich total normal. eine studienkollegin von uns kam aus magdeburg. auch eine stadt in deutschland. aber bei ihr merkte man sehr stark, dass sie sich permanent verteidigte und die guten ossi-seiten und schlechten wessi-seiten gerne hervor hob.“
  14. Schon als Zehnjährige war für Suse von Ich lebe! Jetzt! die Mauer präsent:
    „Es gab mal eine Geschichte, die immer wieder erzählt wurde: ein Mädchen ist von der Schule mit dem Zug Richtung Zonengrenze nach Hause gefahren und vergaß im letzen Ort vor der Grenze auszusteigen. Sie wurde drei Tage in der DDR festgehalten und verhört, bis sie wieder ausreisen durfte. Solche Geschichten schürten natürlich die Angst unter den Kindern.“
  15. Suse von Revoluzza war direkt in Berlin dabei und ihre Erinnerungen scheinen sehr präsent. Außerdem bringt sie es für mich persönlich auf den Punkt:
    „Man kann sich streiten über alles was davor und danach kam. Aber der Mauerfall war einfach grandios. Und jeder, der ihn miterlebte, wird dieses Ergeignis niemals vergessen. Wird immer ein bisschen Gänsehaut bekommen. Immer wieder das Gefühl in sich spüren ‚Alles ist möglich! Selbst die undenkbarsten Sachen – können passieren!'“
  16. Maike vom Reisetageblog fuhr mit Freunden aus Hamburg direkt nach Berlin:
    „Irgendjemand zog mich auf die Mauer und drückte mir einen Hammer in die Hand. So wurde ich zum Mauerspecht. „Meine“ Stücke – sogar mit Graffiti! – habe ich irgendwann bei meinen vielen Umzügen verloren. Aber die aufgeräumte, frohe Atmosphäre in der plötzlich grenzenlosen Stadt werde ich nie vergessen.“
  17. Katharina von Stich & Faden erzählt viele kleine Geschichten aus ihrer Kindheit in West-Berlin:
    „Eine der tiefgreifendsten Erinnerungen sind die U-Bahnfahrten. Die Linie 6 führte von Tegel im Norden bis in den Süden nach Alt-Mariendorf. Dabei unterfuhr sie auch Gebiete von Ostberlin. In diesen Bahnhöfen war alles dunkel, der Zug fuhr nur im Schritttempo und irgendwo auf dem Bahnsteig stand ein Soldat mit Maschinengewehr. Als Kind waren Fahrten immer aufregend. Was wenn der Zug stehenblieb? Kann der Soldat dann einsteigen? Es war immer ein komisches Gefühl dabei.“
  18. Anne aka AnneLiWest zeigt eine Geschichte in Bildern direkt von den Tagen des Mauerfalls:  „Heute vor 25 Jahren fiel die Mauer. Die Fotos habe ich eben aus meinem Fotoalbum heraus gesucht und für Euch gescannt. Ein kleiner Beitrag zu diesem großen Ereignis. Ohne viele Worte.“
  19. Tobia von Craftalicious erinnert sich, dass etwas in der Luft lag:
    „Back then I was young. But even with my young age I knew that  in ’89 something was different. There was feeling of ‚enough is enough no matter the consequences‘ in the air. And it spread – slowly but steadily. I don’t regret being born in the former GDR. I wouldn’t say I am glad but I appriciate the experience.“
  20. Synke von Synke unterwegs erinnert sich nicht nur an die Tage des Mauerfalls, als sie gerade 11 Jahre alt war, sondern auch an die Zeit danach:
    „Woran ich mich noch genau erinnere war die Zeit nach dem Mauerfall. Oder besser die Stimmung von damals. Die Stimmung der großen Unsicherheit. Mit einem Mal war sie da, diese Unsicherheit die plötzlich überall herrschte. Wie würde es jetzt weitergehen?“
  21. Kerstin von Ein zweiter Blick erzählt vom Deutsch-Deutschen Familientreffen in Westberlin am 11. November:
    „Meine Mutti war Lehrerin in Brandenburg und erzählte mir irgendwann einmal, dass man ihr selbst zu diesem Zeitpunkt noch ‚verboten‘ hatte nach Westberlin zu fahren. Die Schulleitung hatte offensichtlich noch nichts verstanden und wurde kurz danach abgelöst. Tragischerweise stellten sich IM’s an die Spitze und hatten eine ganze Weile freie Hand bis man die Stasiakten gefunden hatte. Auch so eine Wendegeschichte.“ Inzwischen anscheinend ebenfalls gelöscht.
  22. gelöscht
  23. Ich selbst habe im Artikel, in dem ich zur Blogparade aufrief, erzählt, warum ich in jenen Tagen nicht viel vom Geschehen mitbekam und was mich später bewegt hat.
    Unter diesem Artikel finden sich viele spannende Kommentare und Mikrogeschichten von Menschen, die keinen eigenen Artikel geschrieben haben, aber ein paar Sätze loswerden wollen –> lesenswert!



PS: Man könnte ja fast meinen, Männer seien heutzutage irgendwie unpolitischer als Frauen, oder? ;)
„Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.“