Mein Besuch in Bregenz am letzten Wochenende fiel auf Tage mit grauem Himmel in einer Zeit, in der ich mir ein neues Preset für Lightroom gebastelt hatte. Daraus entstanden ist eine kleine Fotoliebe (wer es noch nicht mitbekommen hat, ich liebe grau), und weil ich dann immer nicht anders kann, muss ich hier erst einmal meine Lieblingsbilder vorstellen, sozusagen als Schnellwiederholung des Wochenendes mit dem Teil bei schlechtem Wetter und einigen Alternativen, wenn das Wetter mal nicht so dolle ist.
Muss man nicht mögen, ich mags sehr, denn es gibt in Bregenz neben schönem Wasser bei grauem Himmel auch noch das ein oder andere architektonische Highlight und sehr interessante Museen in edlen Graufarben zu bewundern.

Fairerweise muss ich gestehen, dass ab Samstagabend bombastisches Wetter herrschte, die hübsche-Wetter-Fotos gibt es daher später, denn die haben in diesem Artikel schlichtweg nichts zu suchen.

Inhalt des Artikels

Der Bodensee in grau
Graffiti, nicht Streetart
Das Kunsthaus Bregenz

Exkurs: Peter Zumthor und der große Berlin-Streit
Das Tageslichtmuseum in Grautönen

Die Promenade
Das Festspielhaus Bregenz
Das Vorarlberg Museum
Das Dornier-Museum

Am Ende des Artikels gibt wie üblich die gesammelten TTT – TierischenTouriTipps, dieses Mal für einen Bregenz-Besuch bei grauem Wetter.

Der Bodensee in grau

Bootstour auf dem Bodensee ist auch bei schlechtem Wetter schön

Bootstour über den Bodensee – dieses Jahr steht bei mir definitiv unter Boots-Sternen

Unsere Bootstour fand am Samstag unter grauem Himmel statt, der Bodensee hat dennoch eine unglaubliche Farbe. Bei Sturm sieht er sogar von weitem ein bisschen aus wie ein Gletschersee mit einer krassen hellblaugrünen Farbe.
Sehr einfach kann man übrigens von Bregenz aus eine Fähre nehmen und dem hübschen Lindau einen Besuch abstatten – das könnte bei Sturm dann etwas lustiger werden. Bei uns hat es leider wenig geschaukelt, ich bin ja so eine Gerne-Schauklerin auf Booten und freue mich schon auf drei ganze Wochen seeschaukeln und die berühmte Drakepassage im Dezember.

Graffiti, nicht Streetart

Graffiti-Sterne an Hauswand

Graffiti gibt es nicht viel in Bregenz, diese Sterne fand ich umso schöner, so bissl Alternative braucht doch jede Stadt, gell?

Beides findet man in Bregenz eher – nicht. Bregenz ist wie das Österreich-Klischee in meinem Kopf hübsch aufgeräumt. Nein, nicht ganz, es gibt einige schmuddelige Ecken, wenn man zu Fuß unterwegs ist, denn dann muss man einige Umdrehungen um die Straßen machen und merkt, dass die Stadt versucht zu wachsen, es aber durch den Bodensee auf der einen und durch den Hausberg auf der anderen Seite nicht kann, also gehen Straßen und Fußwege alle ein bisschen durcheinander. Das ist mir lieber als das durchweg pittoreske Klischee, da komme ich mir als Berliner Göre immer irgendwie wie ein störender Schmuddel vor.
Streetart oder Graffiti habe ich dennoch kaum gesehen, aber diese Sterne fand ich einfach Zucker. Die wurden übrigens ganz ohne Statement dahingemalt.

Das Kunsthaus Bregenz

Bregenz-Kunsthaus

Das Kunsthaus Bregenz hat mich total gepackt, große Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns eine Ausstellung von Joan Mitchell angesehen aber ich gebe zu, dass ich die Bilder viel weniger spannend fand (coole Frau aber mir leider viel zu unfreundlich) als das Gebäude selbst, das als eines der herausragendsten Kunsthäuser Europas gilt, sowohl Architektur wie Ausstellungen betreffend.

Kunsthaus Bregenz Innenansichten

Sichtbeton, Terrazzo, natürliches Licht und ein ausgewogenes Klima: Das Kunsthaus Bregenz ist weltbekannt

Exkurs: Peter Zumthor und der große Berlin-Streit

Geplant und gebaut wurde das Kunsthaus vom Schweizer Architekten Peter Zumthor, der eventuell einigen Berlin-Kennern ein Begriff ist: Zumthor hatte einst den Wettbewerb um das Gebäude zum Projekt „Topographie des Terrors“ in Berlin gewonnen. Die Geschichte verlief leider extrem peinlich und sehr Berlin-typisch:
Das Gebäude wurde teurer als erwartet, Berlin konnte oder wollte nicht mehr zahlen, der Bund wollte die Kosten nicht übernehmen, selbst als Zumthor einen weiteren, sehr viel günstigeren Vorschlag machte, der Direktor des Projektes trat aus Protest wegen des „auffälligen Desinteresses“ von Land und Bund zurück und die bereits errichteten Teile wurden unter großem Protest Zumthors wieder abgerissen. Berlin, Du bist manchmal ’ne echte Knalltüte.

Tageslichtmuseum in Grautönen

Beton-Wände, die schön und zugleich total unaufdringlich die Bilder umrahmen, Terrazzo-Böden, die die Kunstwerke minimalistisch spiegeln: Das Gebäude ist sehr durchdacht und als Tageslichtmuseum konzipiert – was erst einmal nicht zu begreifen ist, wenn man vom Erdgeschoss in die oberen Stockwerke geht und in der Mitte des Raumes ein Loch erwartet, da ja im unteren Teil die Decke genauso hell und lichtdurchflutet ist. Da ist allerdings kein Loch, das ist nicht notwendig, denn das Gebäude hat an den Seiten lamellenförmiges Glas und ist architektonisch so geschickt gebaut, dass sich das Tageslicht von der Seite aus in das Gebäude verteilt.

Kunsthaus Bregenz Außenfassade

Außenfassade des Kunsthauses

Das Wetter wird nicht „draußen“ gehalten, die Stimmung ändert sich also je nach Wetter, Jahres- und Tageszeit. Ab einer bestimmten Dunkelheit wird natürlich Kunstlicht zugeschaltet.

Das gesamte Gebäude ist aufgrund der Raum- und Luftkonzipierung und mittels Wasserrohrleitungen temperiert. Bei wertvollen Exponaten wird täglich (!) ein Bericht über Temperatur- und Feuchtigkeitszustand der Räume verfasst und z.B. an das Ausstellungshaus geschickt, von dem das Werk verliehen wurde, wurde uns erzählt.

Alleine wegen dieses Gebäudes würde ich sofort nochmal nach Bregenz reisen, um die Räume bei Abend- oder z.B. Herbstlicht zu erleben.

Die Promenade

Bregenz Promenade

Der Mann testet das erste Mal die Wasserfestigkeit der GoPro – gaaaaanz vorsichtig.

Bei gutem Wetter hochfrequentiert, ist die Promenade aber auch bei grauem Himmel und schlechtem Wetter einen Spaziergang wert. Ich vermute, das liegt einfach auch an der Faszination eines so riesigen Stadtsees, der auch bei grauem Himmel seine Farbe nicht verliert.

Das Wasser fand der Mann übrigens sehr warm, der hier gerade das erste Mal die Wasserfestigkeit unserer neuen GoPro testet – und sich dabei ein bisschen gruselt, glaube ich. Aber sie hat es überstanden.

Das Festspielhaus Bregenz

Bregenz Seebühne Vorbau

Blick hinter die Kulissen der Seebühne Bregenz – ein schöner Vorbau mit wunderbarer klassischer Schlichtheit gestaltet

Das Festspielhaus Bregenz ist an die Seebühne angegliedert, auf der wir am Samstagabend eine Voraufführung der Bregenzer Festspiele von der im wahrsten Sinne herrlichen Oper Turandot angeschaut haben. Vorher bekamen wir eine Führung durch das Festspielhaus mit den vielen verschiedenen Werkstätten und Proberäumen.
Leider war hier so dermaßen viel los, dass wir in kaum einen Raum hineinschauen konnten. Die schlichten, schönen Flure in schwarz-weiß haben es mir aber echt angetan. Das Gebäude wurde ebenfalls als Wettbewerb ausgeschrieben und das österreichische Architekturbüro Dietrich/Untertrifaller bekam damals den Zuschlag. Es wird heute für Proben und auch als Kongresszentrum genutzt und natürlich zu den Bregenzer Festspielen.

Das Vorarlberg-Museum

Bregenz-Vorarlberg-Museum

Außenfassade des Vorarlberg-Museums mit PET-Flaschen Mustern

…haben wir leider nicht mehr geschafft zu besichtigen, weil das Wetter schön wurde – so ein Pech, denn es soll sehr schön und kinderfreundlich sein und hat oben eine großartige Aussicht auf den Bodensee. Aber wir haben uns die Fassade angeschaut. Die ist nämlich mit den Böden von PET-Flaschen verziert. Und das sei nicht einfach so hingeklatscht worden, erzählt man uns, sondern da hätte sich jemand sehr lange einen sehr komplizierten Algorithmus ausgedacht, damit sich keinesfalls irgendein Muster wiederholt.
Nuja, denken der Mann und ich gleichzeitig, da hätte man auch ne Horde Kinder…
Aber Kunst ist eben Kunst und Mathematik ist Mathematik ist Mathematik. Vermute ich jetzt mal so.

Das Dornier-Museum

Dornier-Museum-Friedrichshafen

Das Dornier-Museum in Friedrichshafen und eine alte Lufthansa

Das Dornier-Museum befindet sich nicht in Bregenz, ja nicht einmal in Österreich, es steht in Deutschland in Friedrichshafen. Ich möchte es hier dennoch erwähnen, weil Ihr auf dem Weg nach Bregenz sehr wahrscheinlich dort mit dem Flugzeug landet.

Ich wäre da selbstverständlich nicht drauf gekommen, es war die Idee vom Mann, etwas früher zum Flughafen zu fahren und noch Zeit für das Museum zu nehmen. Und was für eine tolle Idee!

Dornier-Museum Friedrichshagen Innenansicht

Ausstellung und erfahrbare Räume: Das Dornier-Museum ist sehr neu und modern und interaktiv gestaltet

Das Dornier-Museum behandelt die Geschichte der Dornier-Werke, bezieht sich dabei aber natürlich auf die gesamte Luftfahrtsgeschichte der letzten hundert Jahre. Der 1. und 2. Weltkrieg wird hier ausführlich behandelt genauso wie die Raumfahrt und ist deshalb auch geschichtlich und für weniger Flugzeugbegeisterte interessant. Es gibt viel Interaktives, die Macher haben sich hier eine Menge einfallen lassen und ich bin ziemlich sicher, dass das auch für Kinder ab 10 sehr interessant sein dürfte, schon alleine wegen der vielen Live-Objekte. Für die ganz Kleinen gibt es eine Art Bobbycars in Flugzeugform.

Das ganze Gebäude ist sehr durchdacht und erinnert bereits von außen an einen Flugzeug-Hangar, was sich im Innern fortsetzt. Obwohl ich wenig Ahnung von Flugzeugen habe bin ich allgemein von der Luftfahrt sehr begeistert und ein großer Fan dieses Museums, ich wünschte, wir hätten da mehr Zeit für gehabt.

Dornier Museum Außenansicht wie ein Flugzeug-Hangar

Tja, so ein Pech! Aber es kann ja nicht immer grauer Himmel sein…

Die niedliche Luft Hansa Maschine oben auf dem Bild ist übrigens mit Korbsesseln ausgestattet und sieht ein bisschen aus wie ein Kinderflugzeug.

Wer Zeit hat, nimmt gleich noch das Zeppelin-Museum nebenan mit. Wer keine Zeit hat, so wie wir, setzt sich im Flughafen an die großen Fensterscheiben und wartet. Und winkt dann den vorbeifliegenden Zeppelinen zum Abschied zu. So wie wir.

TTT – TierischeTouriTipps

Hinkommen:

  • Es gibt viele Zugverbindungen über Lindau nach Bregenz.
  • Von Berlin aus dauert mir das zu lange, wir haben das Flugzeug vorgezogen. Der nächstgelegene Flughafen ist Friedrichshafen, von wo aus entweder Zugverbindungen (mit Umsteigen) nach Bregenz existieren oder man lässt sich abholen, was viele Hotels anbieten.
  • Schönster Weg ist aber sicherlich die Fähre: Von Friedrichshafen direkt nach Bregenz über den schönen Bodensee.

Unternehmen (bei schlechtem Wetter):

  • Bootstour auf dem Bodensee, entweder als Rundtour oder die Fähre nach Lindau, um das hübsche Örtchen kennen zu lernen. Bootstour geht immer und ist sogar bei Regen schön.
  • Kunsthaus Bregenz, Karl-Tizian-Platz. Eintritt regulär 9 Euro, für Kinder und Jugendliche frei. Öffnungszeiten variieren.
  • Festspielhaus Bregenz: Im Zusammenhang mit den Bregenzer Festspielen werden Führungen angeboten, für die sich anscheinend aber eine ganze Gruppe finden muss. Da wir bei der Führung nicht wirklich mehr gesehen haben als der normale Festspielbesucher und unser Guide zwar sehr charmant war aber uns nicht gerade das geballte Wissen entgegenbrachte, würde ich auf die Führung verzichten und die Foto-Gelegenheit eher mit einem „Spiel auf dem See“, also einem Besuch auf der Seebühne wahrnehmen. Die Informationen zum Gebäude kann man sich selbst im Internet zusammengoogeln.
  • Vorarlberg-Museum, Kornmarktplatz 1. Nicht die wunderbare Aussicht auf den Bodensee verpassen, die beste Alternative zum Pfänder-Hausberg-Ausblick. Außerdem soll das Museum selbst großartig und sehr kinderfreundlich sein. Öffnungszeiten variieren, Montags geschlossen. Eintritt regulär 9 Euro, es gibt aber auch eintrittsfreie Tage wie den Tag des Museums, Tag des Denkmals und den Geburtstag des Vorarlberg-Museums.
  • Casino Bregenz, Platz der Wiener Symphoniker 3. Das Glücksspiel um Geld ist mir nix, ich habe dann auch kläglich beim Gewinnen versagt, aber einmal in so einem Casino gewesen zu sein ist schon super interessant. Charmant finde ich die Idee eines Erstbesuch-Kombipaketes inklusive Dinner. Wir haben dort ebenfalls diniert und ich war ziemlich begeistert (ich sag nur Black Tiger Garnelen und Bananasplit… sehr #yummi), kann also einen Restaurantbesuch dort auf jeden Fall sehr empfehlen.
  • Dornier-Museum in Friedrichshafen, Claude-Dornier-Platz 1. Zu Fuß läuft man in 5 Minuten vom Flughafengebäude zum Museum. Eintritt regulär 9 Euro, die sich lohnen (oder 15 in Kombination mit dem Zeppelin-Museum). Öffnungszeiten im Sommer täglich 9-17 Uhr, im Winter montags geschlossen, sonst 10-17 Uhr. Kinderfreundlich.

Hinweis: Soweit mir bekannt und ich sehen konnte, sind alle Museen barrierefrei.

Unterkommen:

  • In Bregenz, selbstverständlich. Wir haben im Hotel Schwärzler im Premium Doppelzimmer übernachtet und waren beide sehr begeistert: Wunderschönes, schlichtes und modernes Holz-Design, das war so ganz mein Fall, nachts so ruhig, dass wir mit offenem Fenster schlafen konnten. Sehr herzliche Mitarbeiter, wunderbares Frühstück, toller Service, WLAN funktionierte fabelhaft (ja, das muss ich leidgeplagte Deutsche ja mal auch erwähnen). Das Hotel Schwärzler ist angeblich bei Business-Besuchen sehr beliebt. Für den Wellnessbereich hatten wir leider keine Zeit. Das Hotel liegt allerdings ca. 1,5 Kilometer außerhalb des Stadtkerns. Wir sind gelaufen oder haben uns ein Taxi gegönnt (9-13 Euro, je nachdem wo man hinmöchte).
Mit von der Partie waren weitere Blogger, die zum Beispiel hier ebenfalls über Bregenz gebloggt haben:

Disclaimer: Ich wurde von Bregenz Marketing auf diese Reise eingeladen, ganz herzlichen Dank dafür. Ebenfalls herzlichen Dank an das Kunsthaus Bregenz und das Dornier-Museum, die mir die Veröffentlichung meiner Fotos hier auf dem Blog erlaubten. Ich bitte dringend darum, die entsprechenden Bilder nicht weiter zu verteilen (z.B. auf Pinterest), da mir dafür keine Genehmigung vorliegt. Dankeschön.