Kennt Ihr das? Da gibt es eine Person, die hat Euer Leben enorm beeinflusst, und diese Person hat keine Ahnung davon? Bei mir ist das der bekannte Wüstenfotograf Michael Martin, der gerade erst das grandiose Werk „Planet Wüste“ veröffentlicht hat.

Ein schicksalhafter Fingertip

Michael Martin war es, der im Jahr 2012 in einem Fotowettbewerb auf mein Foto als Siegerbild tippte. Irrwitzigerweise gewann ich damit eine Foto-Reise nach Chile und Bolivien, was bedeutete, ganze drei Wochen mit einer kleinen Gruppe fotobegeisterter Menschen und dem bekannten und schwer sympathischen Natur- und Timelapse-Fotografen Gunther Wegner durch die Atacama-Wüste, das Altiplano und den Salar de Uyuni zu reisen und meine Fotografiekenntnisse zu verbessern. Man nennt sowas wohl ’ne geile Zeit haben. Ich hatte die Zeit meines Lebens.

Queqertarsuaq Groenland: Fussballtor mit Bucht und Eisbergen im Hintergrund

Mein Siegerbild. Titel des Wettbewerbs: „Abseits ausgetreteneder Pfade.“ Notiz zum Bild: Kleine Eisbucht in Queqertarsuaq, Grönland. Nichts Besonderes, es ist Sommer, die Eisberge in der Bucht sind klein. Gerade ist Schule, niemand spielt Fußball – einfach ein grönländischer Schnappschuss

Es war wohl Schicksal, dass ich ohnehin schon eine mehrmonatige Reise nach Patagonien geplant hatte und nun mit dem gesparten Geld für Hin- und Rückflug meine erste Antarktis-Reise finanzieren konnte, denn der Reiseveranstalter Zoom Expeditions war so nett, die Rückreise entsprechend terminlich anzupassen. Aus Patagonien wurde meine Tour Atacama – Antarctica: Ich war in einen Glückssee gefallen.

Als ich aus Südamerika wiederkam, hatte ich die erste Nominierung für einen Reiseblogger-Award, einen gut laufenden Reiseblog und einen Haufen Fotos in der Tasche. Aus den Fotos und Geschichten entstanden viele Blogartikel und letztendlich auch dieses Blog, vor allem aber auch die Einladung, bei Hapag Lloyd Kreuzfahrten als Bloggerin und Fotografin auf meine ersehnte zweite Antarktis-Reise zu fahren.

30 Jahre Abenteuer auf unserem Wüstenplaneten

Michael Martin war damals gerade auf Tournee für sein Buch 30 Jahre Abenteuer*. Heute, dreieinhalb Jahre später und erneut kurz vor meiner Antarktisreise, ist er wieder auf Tournee, dieses Mal für sein Werk Planet Wüste*.

Michael Martin und Inka Cee

Für das umfassende Buchprojekt ist er viele Jahre in Trockenwüsten und den polaren Eiswüsten unterwegs gewesen, entstanden ist eine wunderbare Sammlung seiner Fotografien und Geschichten.

Natürlich musste ich auch dieses Mal wieder zur Show, das konnte ich mir ja schlecht entgehen lassen und sie hat mich berauscht (wie das verschwommene Foto eindeutig beweist).

Herr Martin hat hinterher artig mit Fans posiert, und auch ich musste ihm dringend einmal die Hand schütteln, logisch.

Bevor ich also einfach nur Danke sage, möchte ich Euch Michael Martins vermutlich imposantestes Werk „Planet Wüste“ vorstellen.

Michael Martins „Planet Wüste“ – mein Buchtipp

„Die Erde ist ein Wüstenplanet.“

So beginnt die Einleitung in dem schweren, knapp 450 Seiten starken Buch. Michael Martin erzählt, wie er überhaupt zum Wüstenfotografen wurde: Sehr kurzweilig erfahren wir über seine jugendliche Leidenschaft für selbstgebaute Teleskope und fremde Himmelskörper und die Beobachtung der geologischen Gegebenheiten auf den Planeten. Wer auf seiner Tournee „30 Jahre Abenteuer“ war, wird sich gerne an die Geschichten erinnern, die hier kurz angerissen werden.
Konsequent folgen im nächsten Kapitel Beschreibungen der Planeten unseres Sonnensystems, deren Geologie und Wüstengebiete.

Planet-Wueste-Planeten ©Michael Martin

Planeten und ihre Wüsten. Bild: NASA / John Hopkins University.

Der Hauptteil „Die Erde und ihre Wüsten“ ist in 5 Kapitel aufgeteilt, in denen vor allem die beiden Trockenwüstengürtel der Nord- und Südhalbkugel den Eiswüsten den polaren Gebieten Arktis und Antarktis gegenübergestellt werden.
Im letzten Teil des Buches kommen Wissenschaftler und Gastautoren zu Wort, die über verschiedenste Aspekte der Wüste schreiben, deren Flora und Fauna, den Klimawandel und die Anpassung des Menschen an diese Gebiete – und umgekehrt.

Natürlich habe ich erst einmal den Antarktischen Teil verschlungen. Dieser ist tatsächlich auch in der Show als letzter Teil eindeutig der Höhepunkt. Mehrfach reiste Michael Martin in die Antarktis, auf seiner längsten Reise von Neuseeland aus, weiter mit einem alten russischen Flugzeug, von wo er tagelang einen schweren Schlitten über die Trockenwüsten der Antarktis zog, um einen Teil des Weges zum Südpol zu Fuß zu gehen.
Die Fotografien sind absolut beeindruckend und lebensnah. Weder überfiltert, HDR-versaut, übersättigt noch überschärft, sondern „echt“. Ich habe stets das Gefühl, in der Szenerie mitten drin zu sein. Die Fähigkeit, so etwas mit Fotos zu transportieren, ist auch der Grund, weshalb ich seine Fotos seit Jahren so bewundere.

Buch Planet Wüste - Antarctica ©Michael Martin

Die Antarktis ist eine Eiswüste. Bild oben: NASA. Unten: Michael Martin.

Die russische Arktis bzw. Tschukotka ist mein zweitliebster Teil im Buch (erstaunlicherweise einmal nicht Grönland) wegen der faszinierenden Fotos und Beschreibungen von Rentiernomaden und deren Zähigkeit, dieses harte und karge Leben dort zu bestehen.

Weiter geht es zu den Wüsten der Nordhalbkugel in die USA, in die Wüste Gobi, zum Pamir, der mir dieses Jahr nicht vergönnt war, und zu den interessanten Gesichtern Afrikas. Anschließend wandern wir auf der Südhalbkugel in die Namib, die Kalahari, die Atacama, das Altiplano.

Planet Wüste, Bild: Michael Martin

Stimmungen einfangen. Bild: Michael Martin.

Insgesamt beschreibt Michael Martin in seinem Buch 26 Regionen und deren geologische Besonderheiten. In längeren Texten und natürlich mit vielen großartigen Fotografien erfährt der Leser über Flora und Fauna und die Beeinflussung durch den Menschen und das häufig mühevolle Leben innerhalb der Wüstengebiete, regelmäßig durchbrochen von persönlichen Reiseerzählungen, die mir persönlich sehr gut gefallen. Michael Martin ist immerhin derjenige Fotograf, der das absolut coolste Reisefortbewegungsmittel immer wieder in einen Mittelpunkt stellt: Das Motorrad. Das kommt allerdings in der Show weit mehr zum Einsatz als im Buch.

„Planet Wüste“ bietet sicherlich keine spektakulären neuen wissenschaftlichen Einsichten, aber verbindet viele Informationen der verschiedenen Gebiete miteinander und bereitet sie anschaulich auf. Das Durchblättern alleine gefällt durch die großartigen Fotografien und einem perfekten Druck, das Lesen über die Regionen und Menschen macht dann noch einmal zusätzlich Spaß.

Was mir an Michael Martin gefällt, ist das Unaufgeregte in seinen Erzählungen und Beschreibungen (auch wenn die Hintergrundmusik bei Vorträgen gerne auch mal bombastisch ist). Er erzählt, was er sieht, er bewertet selten, scheut sich aber nicht, es zu tun, wenn es zum Beispiel um die schlechte Stellung der Frauen oder Ureinwohner geht oder – natürlich immer ein Thema bei dem Naturfotografen – um die Zerstörung der Umwelt durch Menschenhand.
Was mir an Michael Martins Fotografie gefällt, ist der erholsam unmoderne Perfektionismus. Seine Bilder spiegeln nicht die neueste Technik oder die größten Pixelzahlen, sondern sie sehen die Natur und auch die Menschen.
Was mir am Buch Planet Wüste* gefällt ist, dass es all das vereint und kein schnödes Fotosammelalbum ist, sondern dass die wunderbaren Fotografien mit vielen Informationen und einer schönen Portion persönlicher Reisegeschichten unterfüttert werden – und Geschichten erzählen kann Michael Martin wirklich gut. Wer sich davon überzeugen möchte, dem empfehle ich seine Youtube-Serie über die Wüsten der Erde.

Und jetzt: Unbedingt einmal den (leider nur zweiminütigen) Trailer anklicken! Wer dann immer noch nicht gefesselt ist, dem kann ich wirklich nicht mehr helfen.


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Offenlegung: Der Band „Planet Wüste“ wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt. Ich habe allerdings beschämenderweise dafür arg gebettelt.