Polarlichter, auf die Aurora Borealis bezogen auch Nordlichter genannt, sind ein großer Wunsch auf der Bucketlist vieler Island-Reisenden. Alle Tipps gibt es nun in diesem Artikel: Wann kann man Polarlichter sehen? Wo und wie sieht man Nordlichter am besten? Welche Unterkünfte eignen sich dafür und muss man eine teure Polarlichter-Tour buchen?

Grüne Polarlichter am Himmel über Island

Zwar nicht umwerfend toll, aber der Strommast machte sich dann in der sonst recht langweiligen Umgebung recht gut (trotz Eyjafjallajökull im Hintergrund, der durch den Weitwinkel jedoch „platt gedrückt“ wird).

Inhalt des Artikels

Was sind Polarlichter?
Wann ist die beste Zeit für Polarlichter in Island?
Muss ich eine Tour buchen, um Polarlichter in Island zu sehen?
Wo sind Polarlichter in Island am besten zu sehen?
Unterkünfte in Island für eine gute Polarlicht-Sichtung
Welche Apps und Webseiten gibt es zur Polarlicht-Beobachtung?
Wie fotografiere ich Polarlichter?
Wie funktioniert so ein Timelapse-Video?

Was sind Polarlichter?

Polarlichter sind leuchtende Atome in der Hochatmosphäre. Vereinfacht gesagt entstehen die sonderbaren Leuchterscheinungen, wenn die Sonnenaktivität besonders hoch ist und Solarpartikel durch Sonnenwinde zur Erde geschleudert werden. Treten diese elektrisch aufgeladenen Solarteilchen nun in das Magnetfeld der Erde ein und treffen auf verschiedenen Gase wie Sauerstoff und Stickstoff, werden diese ionisiert. Dabei wird elektromagnetische Strahlung frei und es entsteht für kurze Zeit Licht.

Je nach Gaszusammensetzung entstehen unterschiedliche Farben im Nachthimmel. Da Lichter natürlich nur in der Nacht zu sehen sind, sehen wir sie meist nur in den Wintermonaten. Und ja, Polarlichter und Nordlichter meint das gleiche, auch Aurora Borealis genannt. Die südlichen Polarlichter, also die Südlichter über der Antarktis, nennt man Aurora Australis.

Falls Du noch mehr über Polarlichter wissen möchtest und wie sie eigentlich tatsächlich mit bloßem Auge und ohne Kamera aussehen, lies meinen allgemeinen Artikel über Polarlichter.

Wann ist die beste Zeit für Polarlichter in Island?

Die beste Reisezeit für Polarlichter in Island ist der Winter. Erstens gibt es zu dieser Zeit mehr Polarlichtaktivität, zweitens ist es dunkler, so dass die Chance sie zu sehen größer ist. Interessanterweise sind übrigens der Oktober und März bis April die bessere Zeit für Polarlichter-Sichtungen als zum Beispiel der Dezember und Januar. Warum das so ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Sehen kann man Nordlichter natürlich auch im Norden von Finnland, Schottland oder Norwegen.

Natürlich muss der Himmel möglichst wolkenfrei sein, sonst werden Polarlichter schlicht verdeckt, ein schöner Sternenhimmel sieht noch dazu sehr toll aus.
Vermieter in Island haben mir deshalb den April empfohlen, weil das der wetterstabilere Monat sein soll. Ich habe Polarlichter in Island nun im März und im Oktober gesehen.

Beim Vollmond scheiden sich die Geister: Einige meinen, dass der Vollmond zu hell sei und deshalb die Nordlichter nicht so gut zu sehen seien. Andere sagen, Vollmond sei super, weil dann auch die Landschaft beleuchtet würde und das gäbe dann erst das schönere Foto. Ich schließe mich der zweiten Meinung an: Dieses Mal hatten wir Vollmond und die Polarlichter waren dennoch gut zu sehen, die Landschaft dafür auch.

grüne Nordlichter am Himmel

Nordlichter in Island „trotz“ Vollmond: Rechts im Bild erahnt man den sehr hellen Vollmond in dieser Nacht. Die Nordlichter waren dennoch sehr gut zu sehen, obwohl sie recht schwach waren.

Muss ich eine Tour buchen, um Polarlichter in Island zu sehen?

Schlicht: Nein, musst Du nicht. Dieser Artikel dient auch dazu, Dir das Geld für eine teure Tour zu sparen und Polarlichter in Eigenregie zu sichten. Eigenregie bedeutet in diesem Fall: Ein eigenes Auto mieten* und eigene Unterkünfte buchen.

Wenn Du allerdings wie ich keinen Führerschein hast und auch keinen Partner in Crime dabei, der das für Dich übernimmt, dürfte es schwierig werden, denn im Winter fahren wenige Busse, in der Nacht schon gar nicht. In diesem Fall ist das einzig Sinnvolle, eine organisierte Tour zu buchen, zum Beispiel ab Reykjavik. Mittlerweile gibt es ziemlich viele Anbieter, was den Preis drückt, Du kannst tatsächlich schon für günstige 40-60 Euro eine 4-stündige Tour buchen.

Organisierte Nordlichter Tour in Island buchen*

Ich habe so eine Nordlichter-Tour nicht gemacht, sondern bin immer mit Mann oder Freundin gefahren. Aber ohne Mietwagen hast Du sonst wenig Chancen, und die Touren sind sehr gut bewertet, ein Versuch ist es also auf jeden Fall wert, bevor Du nur in Reykjavik hängst, wo es in der Regel wegen der Lichtverschmutzung zu hell ist, die Leuchterscheinungen wirklich richtig gut zu sehen.

Für alle Infos und Tipps, wie Du in Island selbst fährst, Deine Route und Deine Unterkünfte selber organisierst, lies am besten meinen Artikel:

⇨ Island: Planung ist alles! Route, Kosten & Tipps für Deinen Roadtrip

Preisbeispiel 5 Tage Island individuell organisiert:

  • Flug: ca. 250 Euro pro Person (vergesst beim Preisvergleich nicht das Gepäck, das manchmal zusätzlich bezahlt werden muss!)
  • Mietwagen: In den Wintermonaten besser einen 4-Rad-Antrieb nehmen und im Schnitt 60-70 Euro pro Tag veranschlagen (optimalerweise geteilt durch 2). Zu zweit reicht ein Suzuki Jimny, zu dritt sollte es ein etwas größeres Auto sein.
    Tipp: Bei billiger-mietwagen.de* schauen und vergleichen, ich habe damit gute Erfahrungen gemacht.
  • Unterkunft:im Schnitt 125 Euro pro Tag gesamt (und optimalerweise geteilt durch 2)
  • Benzin: Wir sind den Golden Circle abgefahren und die Ringstraße bis zur Jökulsarlon und haben insgesamt für 120 Euro getankt.
  • Verpflegung: Wir haben für rund 100 Euro gesamt uns selbst versorgt und sind einmal für 25 Euro p.P. Essen gegangen.

= rund 870 Euro pro Person, wenn Du zu zweit unterwegs bist

In den meisten Unterkünften kann man problemlos zu dritt unterkommen. Das ist dann natürlich ein enormer Preisvorteil, wenn man die Unterkünfte und den Mietwagen durch drei teilen kann (das wären dann ca. 630 Euro).

Wenn Du eine Polarlicht-Garantie haben willst oder das die Prio 1 auf Deiner Bucketlist ist: In dem Fall rate ich Dir, nach Tromsö in Norwegen zu fahren und dort eine Tour zu buchen.
Während der Himmel in Island häufig bewölkt ist, hat Tromsö verschiedene Wetterzonen und es ist sehr wahrscheinlich, dass irgendwo ein freier Blick in den Himmel existiert. Ist der Himmel also bedeckt, kann man einfach 50 Kilometer weiterfahren. Zudem liegt es nördlicher, die Sichtung ist also ohnehin wahrscheinlicher. Tromsö bietet also nicht von ungefähr die besten Bedingungen. Es ist allerdings viel teurer, als einfach in Island selbst auf Pirsch zu gehen.

Eine Garantie für Polarlichter in Island gibt es also nicht. Wer nur einen 2-Tages-Stopover macht, braucht eine ganz gute Portion Glück. Ich würde also eher zu 4 Nächten, besser 5 raten, aber auch dann kannst Du Pech haben. Versuch es, als Bonus zu sehen, schließlich gibt es in Island so viele tolle Ecken. Aber bereite Deine Reise so vor, dass Du beste Chancen auf Polarlichter in Island hast.

Grün-violette Polarlichter in Island

Eines meiner Lieblingfotos von Polarlichtern in Island vor unserer Hütte im März. Das Grün des Polarlichtes war hier interessanterweise ein völlig anderes.

Wo sind Polarlichter in Island am besten zu sehen?

Auch hier gilt: Das hat wenig mit Island zu tun, sondern es gibt ein paar allgemeine Regeln:

  • Es muss dunkel sein, logisch. Das bedeutet, in der Nähe von Städten sieht man höchstens recht starke Polarlichter. Hältst Du Dich also die ganze Zeit in Reykjavik auf, ist die Chance eher nicht so gut, zudem hast Du eventuell keinen freien Blick nach Norden.
  • Ja, Polarlichter sind zwar am Himmel, aber sie kommen quasi von Norden. Du solltest also darauf achten, dass möglichst wenig Lichtverschmutzung in Deiner Nähe existiert und Du optimalerweise einen freien Blick nach Norden hast.
Ferienhütte in Island mit Polarlichtern

Unter den Polarlichtern in Island leuchtet unsere behagliche Hütte Sel.

Unterkünfte für eine gute Beobachtung von Polarlichtern in Island

Von der Lichtverschmutzung habe ich ja schon einmal gesprochen. Wenn Du Dir also Unterkünfte auf dem Land suchst, um die Nordlichter zu sehen, achte auf folgende Punkte:

  • Idealerweise hast Du Fenster mit Aussicht, optimalerweise nach Norden. Draußen kann es nämlich tierisch kalt sein und es ist zudem ziemlich langweilig, die ganze Zeit draußen zu hocken und zu warten. Da man nicht immer sehen kann, in welche Himmelsrichtung das Fenster in der Unterkunft liegt, nutze ich zwei Möglichkeiten:
    Ich frage den Host. Das geht zum Beispiel bei AirBnB sehr gut.
    Ich nehme eine Holzhüttenunterkunft, die möglichst unverbaut ist. Diese haben meist Fenster in mehrere Richtungen.
  • Schau Dir in Google Maps die Umgebung an oder lies die Beschreibungen. Ist z.B. eine große Fabrik in der Nähe, eine Thermalanlage oder ein großer Bauernbetrieb, ist es nicht unwahrscheinlich, dass dort viele Lampen auch nachts brennen, dann nützt Dir der schönste freie Himmel nix.
  • Da nur Polarlichter auf Fotos nichts hermachen, solltest Du auch auf die Umgebung achten, um ggf. tolle Fotos machen zu können. Das ist eher der Fortgeschrittenen-Modus und auch häufig teurer. Meine Erfahrung zeigt, dass man tagsüber viel unternommen hat und abends supermüde ist und eher keine Lust hat, sich nochmal ins Auto zu setzen, wenn Nordlichter kommen, zudem ist es kalt. Es ist also wirklich viel praktischer, gleich bei der Unterkunft „gute Aussichten“ zu haben.

Ich habe bei dieser Reise tatsächlich jede einzelne Unterkunft nach Lage und Ausrichtung ausgesucht, um die besten Bedingungen zu haben und ich wage zu behaupten: Hätten wir nicht tatsächlich dieses riesige Nordfenster gehabt, hätte Janett die Nordlichter am letzten Abend nicht gesehen. Hier kommen also meine konkreten Unterkunft-Tipps:

Karte von Unterkünften in Island zum Polarlichter sehen. Klick aufs Menüsymbol zeigt die Informationen.

  • Das Wee Cozy House – Holzhütte auf einem Bauernhof
    Buchbar über AirBnB
    Für bis zu 4 Leute: Doppelbett und 1 Etagenbett
    Das Wee Cozy House ist eine supersüße und für isländische Verhältnisse sehr saubere Unterkunft. Für Polarlichter ist sie mittelprächtig geeignet: Nach Norden gibt es nur das kleine, ungeeignete Badfenster, dafür ein großes Fenster nach Nordost. Es gibt in der Nähe zwar ein Gewässer, wir wären aber nicht dorthin gekommen, um z.B. tolle Fotos machen zu können, denn das ist alles Privatland.
    Für einen Aufenthalt wirklich super, sehr nette Vermieter, auch die Lage fand ich toll, um den Golden Circle zu erkunden.  Die Sichtung nach Nordwesten ist möglich, es geht aber sicher optimaler.
  • Sel – Holzhütte für bis zu vier Personen
    Buchbar über Fewo-direkt
    Sel ist kleiner als das Wee Cozy House, dennoch können hier auch vier Leute übernachten: 2 oben unterm Dach, 2 im Schlafzimmer und einer auf der Couch. Ich finde es fast gemütlicher als das Cozy Wee House, weil hier ein Wohnzimmer vorhanden ist, außerdem gibt Vermieterin Maja tolle Tipps.
    Es fehlt das Fenster nach Norden, dafür gibt es ein großes Fenster nach Osten. In der direkten Umgebung gibt es einige Bäume, sonst gibt es fotografisch eher wenig Interessantes. Ein paar Minuten mit dem Auto entfernt liegt aber ein See. Wer sich die Mühe macht und dorthin fährt, hat eine schönere Kulisse.
  • Klettholt – kleine Hütte für zwei Personen
    Buchbar über Fewo-direkt
    Klettholt wurde mir von einer Vermieterin als weitere Unterkunft empfohlen, eine kleine Hütte für 2 Personen. Da wir die Straße entlang gefahren sind, weiß ich, dass der freie Blick nach Norden existiert.
  • Minniborgir-Cottages* – Unterkunft für zwei oder drei Personen
    Buchbar über Booking.com
    Die Minniborgir Cottages hatte ich mir herausgesucht, diese waren jedoch leider schon ausgebucht, deshalb habe ich keine persönlichen Tipps dazu. Die Lage finde ich ziemlich toll, weil man zum Geysir, Pingvellir etc. noch zentraler wohnt. Nach Norden dürfte der Blick frei sein. Eigene Küche.
  • Hvoltsvellur – Zimmer für bis zu vier Personen
    Buchbar über AirBnB
    Von der Unterkunft selbst war ich nicht so angetan. Das Gebäude wirkt wie eine alte Schule, wo noch viele Kramzimmer existieren, ein Aufenthaltsraum sieht aus wie ein Schulspeisungsraum und die geteilten Badezimmer sind ein Stockwerk tiefer. Zudem gibt es keine Küche. Der Knaller ist jedoch die Aussicht auf den Eyjafjallajokull, der direkt gegenüber liegt, wow. Wir hatten genau das abgebildete Zimmer, es gibt aber noch eines, was die Fenster nach Süden und Osten hat – am besten also sicherheitshalber dem Host schreiben, welches Zimmer man möchte.
    Für Polarlichter ist es wirklich super geeignet. Soweit ich das verstanden habe, ist eine Küche geplant, bei uns hatte der Host einen kleinen Kühlschrank, eine Kaffeemaschine und einen Wasserkocher bereitgestellt.
    Es gibt zwei Doppelbetten nebeneinander. Zu zweit ist es ziemlich teuer, zu dritt oder viert schon wieder sehr annehmbar, wenn man denn ein Zimmer teilen möchte.
  • Guesthouse Gerdi* / Hali Country Hotel* / Reynivellir* – Hotelzimmer
    Buchbar über Booking.com
    Natürlich ist das begehrteste Fotomotiv, Polarlichter über der Eislagune Jökulsarlon abzulichten. Das ist nicht ganz einfach, denn in der Nähe der Eislagune gibt es sehr wenige Unterkünfte und wer will schon nachts lange durch die Gegend fahren. Ich wollte eigentlich im Hali Country Hotel ein Zimmer bekommen, das war aber fix ausgebucht. Also buchte ich im Reynivellir Guesthouse. Vor Ort wurden wir spontan ins Gerdi Guesthouse umgebucht, was gut war, denn das Reynivellir sah mir nicht sehr heimelig aus, zudem liegt es direkt an einem sehr hohen Berg, ein Blick nach Norden ist daher so gut wie unmöglich. Vom Reynivellir rate ich daher auf jeden Fall ab.
    Unser Zimmer im Gerdi Guesthouse ging ebenfalls nach Süden, wir genossen den Blick aufs Meer. Immerhin hätte man draußen die Nordlichter sehen und dann fix zur Eislagune fahren können. Angeblich gab es in der Nacht sogar welche – wir haben sie allerdings nicht gesehen.
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Damit unterstützt Du mich bei meiner nächsten Reise. 

Grün-violette Nordlichter über Island

So intensiv wie auf dem Foto sind diese Polarlichter erst auf der Kamera zu sehen. Belichtung 15 Sekunden bei ISO 1600.

Reiseführer IslandAls Reiseführer empfehle ich Dir den gerade total frisch erschienenen Stefan Loose Reiseführer Island*.

Von Stefan Loose bin ich sehr begeistert, weil hier häufig doch noch gute kleine Insider-Tipps geteilt werden.

Welche Apps und Webseiten gibt es zur Polarlicht-Beobachtung?

Die KP-Vorhersage, das ist das Zauberwort, was Dir sagt, wie wahrscheinlich eine Sichtung von Polarlichtern ist. Je höher die Kennzahl, umso wahrscheinlicher. Die hängt mit der Intensität der geomagnetischen Sonnenstürme zusammen, die für Polarlichter verantwortlich sind. Bei KP 3 hast Du in Island schon eine sehr gute Chance auf Polarlichter, bei KP 8 sieht man sie eventuell schon in Deutschland (was im September 2017 der Fall war, leider war es über ganz Deutschland dicht bewölkt).

  • Meine Lieblingswebseite ist der Aurora Forecast. Der zeigt Euch auch nochmal besonders schön, was die KP-Zahlen bedeuten.
  • Für Island ist die Seite vedur.is mit dem Aurora Forecast perfekt, denn sie zeigt nicht nur die KP (rechts oben), sondern auch noch die Wolkenabdeckung mit Vorhersage, was sehr praktisch ist.
  • Als App nutze ich die App „Aurora“ (nicht zu verwechseln mit der „Aurora Forecast“ App), bei der man angeben kann, ab welcher KP man durch Dingeldong informiert wird.
  • Für Fortgeschrittene gibt es viele tolle Infos auf der Seite Sonnen-Sturm.

Die wichtigste „App“ aber sind Eure Augen: Wie oben erwähnt haben sowohl die Seiten wie die App keinerlei Aktivität prognostiziert („KP 1“, das ist quasi nix), und dennoch haben wir Polarlichter gesehen. Bei freiem Himmel also grundsätzlich selbst checken, ob da etwas leuchtet.

Polarlichter leuchten nicht so grün wie auf diesen Fotos und manch Laie fährt sogar auf der Island Ringstraße unter ihnen hinweg, ohne sie zu bemerken. Sie sind häufig eher grau, ein seltsam, leuchtendes Hellgrau, und wabern für Wolken unähnlich am Himmel umher. Wie Polarlichter wirklich aussehen (wobei da jedes Auge unterschiedlich wahrnimmt), habe ich hier beschrieben:

➦ Wie Polarlichter „wirklich“ aussehen

Wie kann ich Polarlichter fotografieren?

Mich haben viele Fragen zu Polarlichtern und Polarlichtfotografie in Island erreicht. Die meistgestellte Frage überhaupt: Wie fotografiere ich Polarlichter? Gute Nachrichten: Das ist wirklich gar nicht schwer! Im Grunde ist das auch nicht viel anders, als den Sternenhimmel zu fotografieren. Das habe ich hier schon einmal beschrieben:

Du benötigst:

  • Eine Kamera, an der Du Blende, Belichtungszeit, ISO und manuellen Fokus einstellen kannst.
    Tipp: Lies meinen Artikel über meine Fotoausrüstung. Da habe ich mehrere Kameras, Objektive und Zubehör besprochen.
  • Ein möglichst lichtstarkes Objektiv, z.B. das Olympus M. Zuiko 12-40 f2,8* (Achtung, das ist gerade runtergesetzt und ist wirklich, wirklich toll!). Als gute und günstige DSLR-Alternative empfehle ich immer das Tamron 17-50 f2,8*.
  • Ein Stativ, da Du länger belichten musst. Ich hatte das neue große Manfrotto Elements* dabei, das ich insbesondere für DSLRs empfehlen kann, denn es ist groß und stabil. Für kleinere wie meine Olympus EM-10 finde ich das Manfrotto Be Free* besser geeignet, weil es einfach kleiner und kompakter ist und für meinen Geschmack schneller zu handeln ist.
  • Meine Anleitung für Sternenfotografie. Wichtig ist, dass Du Dir diese vorher mal durchliest, damit Du die Einstellungen im Hellen durchgehen kannst. Wenn Du zum ersten Mal Dein Objektiv auf unendlichen Fokus einstellen willst und es ist dunkel und die Nordlichter wabern über Dir, ich schwöre, das bekommst Du schwerlich hin. ;)

Als Beispiel zeige ich Dir hier noch zwei Fotos mit den entsprechenden Einstellungen:

Grüne Aurora am Himmel über Island

ISO 500, Blende 2,8, Belichtung 6 Sekunden. Olympus EM-10 mit M.Zuiko 12-40. Brennweite 12 mm.

Grün-violettes Polarlicht am Himmel.

ISO 1600, Blende 2,8, Belichtungszeit 15 Sekunden. Canon 600D, Tamron 17-50 f2,8. Brennweite 21 mm.
Hier war das Polarlicht schwächer, dennoch sah man – allerdings nur auf der Kamera – violettes Polarlicht, was seltener zu sehen ist.

Wie funktioniert ein Timelapse-Video?

Auf meiner vierten Island-Reise war unser Polarlicht-Glück erst einmal eher mittelprächtig, denn während es im September über halb Europa Polarlichter gegeben hatte und die Sonnenaktivität wirklich riesig gewesen war, fiel diese direkt vor unserer Ankunft stark ab. Nachdem mir auch meine Apps und Webseiten keine Hoffnungen mehr gemacht hatten, schaute Janett von Teilzeitreisender jedoch am letzten Abend aus einem der großen Fenster und sagte:

„Inka, sag mal, sind das da nicht doch Nordlichter?“

Ich sprang zum Fenster und ja, tatsächlich, da waberten sie langsam und fröhlich vor sich hin, wenn auch in recht schwacher Ausprägung. Wir hüpften also fix raus auf die Straße, tanzten ein bisschen vor Freude und ich machte mein erstes Timelapse-Video von Polarlichtern, jihaaaww!

So sehen Polarlichter natürlich mit dem bloßem Auge nicht aus. Das Timelapse zeigt die Bewegungen sehr viel schneller als in Wirklichkeit an, zudem „sieht“ die Kamera die Farben besser als unser Auge.

Nach einer Stunde war alles wieder vorbei und wir konnten uns in die Bettchen verkrümeln.

Timelapse ist eine Sache für sich. Man kann das hochkompliziert angehen, mit Schwarz- und Weißabgleichen vorbereiten, entsprechende zig Fotos machen und sich hinterher an Lightroom setzen, um mit der Software LRTimelapse von Gunther Wegner das ganze Ding zusammen zu basteln. Ehrlich, so sehr ich die Fotografie mag, Gunther bewundere und die Software sicherlich super funktioniert: So ein Gebastele ist überhaupt nicht mein Ding.

Die zweite Variante ist: Kauf Dir eine kleine Olympus, zum Beispiel die Olympus OMD EM-10*.

Olympus OMD EM-10

Die macht das alles von alleine und schon in der Kamera. Ja, echt jetzt. Das muss nicht einmal das neueste Modell sein, ich habe die allererste Ausgabe und genau damit das Video oben gemacht.

Und ja, na sicher gibt es da Qualitätsunterschiede. So lange ich das aber nur hobbymäßig betreibe, reicht mir die Qualität völlig aus. Wie man mit der Olympus ein Timelapse aufnimmt, habe ich im nächsten Abschnitt beschrieben.

Die dritte Variante wäre mit einer normalen Spiegelreflex-Kamera, zum Beispiel einer Canon EOS 600D oder sogar mit einer einfachen Action Cam. Wie das geht, erzählen Ines und Thomas von Gin des Lebens in ihrem Artikel über Nordlicht Timelapse Aufnahmen. Im Artikel gibt’s auch noch ein paar anschauliche Beispiele.

Polarlicht-Timelapse mit der Olympus OMD EM-10 aufnehmen

Du stellst ganz einfach Deine üblichen Einstellungen ein, die ein optimales Foto hervorbringen (siehe vorherigen Abschnitt). Anschließend stellst Du im Timelapse-Menü die Anzahl und den zeitlichen Abstand der Aufnahmen ein (und rechnest dabei lieber großzügig, mein Timelapse besteht aus immerhin 70 Einzelbildern) und startest.
Die Kamera nimmt jetzt die Aufnahmen aus und rechnet direkt nach der letzten Aufnahme alles zu einem Film zusammen – fertig.

Die Datei ist eine .AVI-Datei. Diese kannst Du jetzt noch in Lightroom reinziehen und z.B. etwas aufhellen und Klarheit hinzufügen und als .mp4-Datei exportieren, damit sie komprimierter und etwas kleiner ist. Voilá, einfacher geht es nun wirklich nicht.

Ich warte jetzt natürlich auf meine Gelegenheit, ein zweites Timelapse mit schönerem Hintergrund und vielleicht sogar mit etwas lila aufzunehmen. Außerdem würde ich die Abstände der Fotos etwas kürzer machen, das Video ruckelt dann doch etwas stark. Für mich heißt es daher auf jeden Fall irgendwann noch einmal: Hallo Island, schenkst Du mir heute ein paar Polarlichter?

Polarlichter in Island - Tipps für Deine Reise

Neben Polarlichtern in Island gibt es im Land noch viel mehr zu entdecken. Einen ganz ausführlichen Artikel über Reisetipps für Island findest Du hier:

Island: Planung ist alles! Route, Kosten & Tipps für Deinen Roadtrip

Polarlichter in Island mit Sternenhimmel

Da tanzen sie…

FAQs zu Polarlichtern in Island

Wann kann man in Island Polarlichter am besten sehen?

Polarlichter, oder Nordlichter, sieht man in Island im Winter, also von September bis April. Die beste Zeit dafür sind der Oktober und März. Lies hier mehr über die beste Reisezeit für Polarlichter.

Sind Nordlichter das Gleiche wie Polarlichter?

Fast. Nordlichter, die so genannte Aurora Borealis, sind Polarlichter, aber es gibt auch Südlichter, die Aurora Australis. Südlichter sieht man in der Antarktis, diese sind ebenfalls Polarlichter. Polarlichter meint sowohl die Nordlichter wie die Südlichter.

Wie kann man Polarlichter fotografieren?

Polarlichter zu fotografieren ist gar nicht so schwierig, wenn Du drei Einstellungen beachtest. Lies hier meinen Artikel, wie man Polarlichter fotografieren kann.

Kann man Polarlichter vorhersagen?

Wirklich vorhersagen kann man Polarlichter nicht, man kann jedoch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit aufgrund von Sonnenstürmen feststellen, außerdem gibt es Apps, die mit der so genannten Kp-Vorhersage – eine Zahl, die sich auf geomagnetische Bedingungen und Breitengrade bezieht – – kurzfristig (am gleichen Tag) eine recht gute Vorhersage treffen. Lies hier mehr über Vorhersagen und Apps.

Co2-KompensierungEin Flug nach Island und zurück emittiert ca. 800 kg CO2 (pro Person), eine Mietwagentour mit 1200 Kilometern noch einmal ca. 200 kg.
Kompensieren kannst Du das klimaschädliche Treibhausgas zum Beispiel bei Atmosfair oder anderen lokalen, CO2-bindenden Projekten wie Moorfutures.

Offenlegung: Die Idee zu diesem Trip kam von Janett und mir. Danke an Wow Air, die mich mit einem Flug unterstützt haben.
* Affiliate-Partnerlink: Wenn Ihr über diesen Link bestellt, bekomme ich ein bisschen Provision, der Preis ist für Euch der Gleiche.

Dieser Artikel wurde am 05. Februar 2019 aktualisiert.