Dass ich bei meinen ersten Polarlichtern in Island nicht gleich vor lauter Glück in Tränen ausbrechen würde, das wusste ich schon vorher. Nur sehr starke Polarlichter lassen Dich annähernd das Farbspektakel am Himmel sehen, wie wir das auf tausenden Fotos vorgesetzt bekommen. Dass die allerdings so… GRAU sein können, hat mir vorher niemand gesagt. Und deshalb verpetze ich jetzt mal das ganze Wunder, wie Polarlichter so ganz real und ohne Foto aussehen – jedenfalls üblicherweise.

Achtung: Dieser Artikel birgt Entzauberungsgefahr! Zartbesaitete Gemüter und Elfengläubige sollten daher vom Lesen absehen!

Inhalt des Artikels

Wie Polarlichter entstehen
Norden oder Süden? Aurora Borealis und Aurora Australis
Beste Reisezeit für Polarlichter
So sehen Polarlichter „wirklich“ aus
Schnellkurs: Polarlichter fotografieren

Wie Polarlichter entstehen

Polarlichter treten vorwiegend in den Polarregionen auf, können aber auch schwach immer mal wieder in Deutschland gesehen werden.

Bei der Entstehung von Polarlicht treffen Sauerstoff- und Stickstoffatome auf elektrisch geladene Teilchen der Sonnenwinde. Sonnenwinde sind Teilchenströme von der Sonne. Je stärker die Sonnenwinde, umso stärker entsteht elektromagnetische Strahlung und eben: Polarlicht.

Grün-violette Nordlichter über Island

Polarlichter in Island

Norden oder Süden? Aurora Borealis und Aurora Australis

Polarlichter, oder auch Nordlichter, kommen sowohl in der nördlichen wie südlichen Hemisphäre vor. Das Nordlicht wird auch Aurora Borealis genannt, auf der Südhalbkugel ist es die Aurora Australis und natürlich das Südlicht.

Für die Aurora Australis muss man schon sehr weit ins Eis der Antarktis reisen, daher sind die Polarlichter dort natürlich sehr viel schwieriger einzufangen als die Nordlichter. Zur Zeit des antarktischen Winters fahren keine Touristenschiffe in die Antarktis und lediglich einige Forscher und diejenigen, die in der Antarktis überwintern, haben hier die Chance auf das zauberhafte Spektakel.

Einfacher ist das Beobachten von Polarlichtern daher im Norden. Am besten geht das in Norwegen in der Region Tromsø, wo verschiedene Wetterzonen die Aussichten auf freien Himmel, den man natürlich benötigt, begünstigen und eine Sichtung daher besonders wahrscheinlich ist, wenn man flexibel ist und einfach mal 50 Kilometer weiter fährt. Auch im nicht weit entfernten Alta gibt es gute Gelegenheiten – ich hatte vor Ort leider Pech. Island ist ebenfalls ein gutes Pflaster, wobei es dort schwieriger ist, klaren Himmel zu erwischen, dafür ist es zum Beispiel von Berlin aus schnell und günstig zu erreichen. In Island hatte ich nun schon zweimal das Glück, Polarlichter zu sehen.

Grüne Aurora am Himmel über IslandWenn Du Polarlichter gerne selbst sehen möchtest, lies hier meinen Artikel, in dem ich alles über Polarlichter in Island festgehalten habe: Wann man sie am besten sehen kann, wie man sie fotografiert und wo ich die besten Unterkünfte für Polarlicht-Sichtungen gefunden habe.

Finnland bietet ebenfalls tolle Aussichten auf Polarlichter, und in Grönland kann man sie natürlich auch sehen (ein Punkt auf meiner persönlichen Bucketlist, denn bisher war ich nur im Sommer in Grönland.

Grundsätzlich ist es also besser, je weiter nördlich man sich aufhält, und der Polarkreis scheint hier häufig eine magische Grenze zu sein. Schon in Nordschweden ist die Chance nicht mehr besonders hoch auf Polarlicht-Sichtungen.

Grundsätzlich ist zwar auch eine Sichtung in südlicheren Breiten und sogar in Deutschland möglich. Das ist allerdings selten und dann sind diese Lichter so schwach, dass sie kaum mit bloßem Auge gesichtet werden können, und dann sind sie alles andere als spektakulär. Sehr gute und tiefgreifende Informationen gibt die Seite Sonnensturm-Info.

Beste Reisezeit für Polarlichter

Die beste Reisezeit für Polarlichter ist der Winter, na klar, denn da ist es dunkel, so dass die Chance größer ist, Polarlichter zu sehen. Außerdem sollen Polarlichter häufiger Anfang und Ende des Winters auftreten, diese These ist aber wohl noch umstritten. Sicher ist, dass die Sonnenaktivität ausschlaggebend für das Auftreten von Polarlichtern ist.

Interessanterweise werden der Oktober und März (bis in den April) als die bessere Zeit für Polarlichter-Sichtungen angegeben als zum Beispiel der Dezember und Januar. Auch das ist noch nicht abschließend geklärt, ich kann es lediglich aus meinem Island-Forum und von eigenen Beobachtungen wiedergeben.

Eine gute Seite für den Forecast, die auch viel über Polarlicht-Aktivitäten erklärt, ist übrigens die Seite Aurora-Forecast.

Grün-violettes Polarlicht am Himmel.

Erstaunlicherweise war hier anscheinend das Polarlicht schwächer, dennoch sah man – allerdings nur auf der Kamera – violettes Polarlicht, was seltener zu sehen ist.

So sehen Polarlichter „wirklich“ aus

Das „wirklich“ habe ich in Anführungsstriche gesetzt, weil es keine klaren Aussagen darüber geben kann, denn jedes Auge sieht anders, dazu unten mehr. Polarlichter sind häufig grün, seltener violett, was von der entsprechenden Wellenlänge des Lichtes abhängt. Doch erst starke Polarlichter lassen die Farben leuchten.

Ich selbst konnte Polarlichter nur grau sehen, was offenbar keine Seltenheit ist. Erst auf der Kamera werden Polarlichter farbig, ein wirklich witziges Phänomen. Schwache Polarlichter ergeben selbst auf dem Foto häufig nur einen Grünmatsch, erst bei stärkeren Polarlichtern sind richtige Farben zu erkennen, was natürlich auch wieder mit der Helligkeit zu tun hat: Deutlichere Polarlichter = mehr Helligkeit = brillantere Farben.

Lediglich einmal habe ich also einen ganz leicht grünlichen Schimmer erkennen können. Auch sind die Lichter bei uns nur sehr langsam „gewabert“, nur einmal „flitzten“ die Dinger über den Himmel – das sah dann wirklich ziemlich witzig aus, so als würden sie über den Himmel tanzen.

Da mich die Frage erreichte, wie Polarlichter nun aussehen und ob die gängigen Bilder alle gephotoshoppt seien oder an der Sättigung gedreht wurde: Eher nein, im Einzelfall mag das sein, in der Regel dürfte das nicht notwendig sein.

Polarlichter in Island mit Sternenhimmel

Da tanzen sie…

Dreierlei Vergleich: Polarlichter „live“, „in der Kamera“ und „bearbeitet“

Auf den linken Fotos habe ich aus den Original-Fotos die Sättigung so weit entfernt, wie es dann meinem realen Sehen entsprach. Das sind also keine Originalfotos, sondern bearbeitete Fotos, um Euch zu zeigen, wie ich Polarlichter sehe (und viele andere das auch sehen).

Auf den mittleren Fotos ist jeweils das Original, was aus meiner Kamera rausgekommen ist, mit ca. 15 Sekunden Belichtung bei Blende 2,8 aufgenommen.

Auf den rechten Fotos siehst Du dann jeweils mein fertig bearbeitetes Bild. Hier habe ich lediglich die Belichtung und das Rauschverhalten angepasst, also keinerlei Sättigung hochgedreht.

Polarlichter in Island - So sehen sie wirklich aus - Fotocollage

Polarlichter in Island: So sehen sie wirklich aus – ein Vergleich von Realitäten

Dies waren, wie oben erwähnt, allerdings recht schwache Polarlichter. Starke Polarlichter lassen Farben eher leuchten.

Die individuelle Wahrnehmung von Polarlichtern hängt vom Auge ab

Farbe ist eine Empfindungsgröße.
Gerade in der Dunkelheit nehmen wir Farben individuell sehr verschieden wahr, das hängt jeweils von den Lichtsinneszellen ab. Die Wahrnehmung von Farbe ist an den so genannten Farbreiz gebunden, der Reizung der Netzhaut, wenn Licht darauf trifft.

Im Auge wird das Licht von Photorezeptoren, den Stäbchen und Zapfen absorbiert und im Hirn weiterverarbeitet, vereinfacht gesagt. Stäbchen sind für die Wahrnehmung im Dämmerlicht und im Dunklen wichtig, die Zapfen reagieren auf verschiedene Wellenlängen, also Farbbereiche. Es gibt verschiedene Zapfen, diese vermitteln die empfangenen Signale an das Gehirn, wo es in „Farbempfindung“ umgewandelt wird. Ihr seht, eine höchst komplexe Angelegenheit.
Soweit ich verstanden habe, ist das Zusammenspiel von (individuellen) Stäbchen und Zapfen der Grund, die Farbwahrnehmung individuell stärker variiert, je dunkler es ist. Damit wird auch klar, dass meine schlechte Wahrnehmung im Dunkeln (ich bin leicht Nachtblind) eine Auswirkung auf meine schlechte Farbwahrnehmung im Dunkeln hat und weshalb die Farben in der Kamera vorhanden sind: Dort ist das Bild hell, ich habe ja lange belichtet.

Ich hoffe, eines Tages mal sehr starke Polarlichter zu sehen, vielleicht leuchten die dann ja auch für mich bunt. Bis dahin seh ich mir die Dinger lieber in meiner Kamera an. ;)

Polarlicht / Nordlicht in Island in grün und magenta

Wunderschönes grün.

Schnellkurs: Polarlichter fotografieren

Polarlichter fotografieren ist wirklich gar nicht schwer und auch nicht viel anders, als den Sternenhimmel zu fotografieren. Das habe ich hier schon einmal beschrieben:

Equipment

  • Eine Kamera, an der Du Blende, Belichtungszeit, ISO und manuellen Fokus einstellen kannst.
    Tipp: Lies meinen Artikel über meine Fotoausrüstung. Da habe ich mehrere Kameras, Objektive und Zubehör besprochen.
  • Ein möglichst lichtstarkes Objektiv, z.B. das Olympus M. Zuiko 12-40 f2,8* (Achtung, das ist gerade runtergesetzt und ist wirklich, wirklich toll!). Als gute und günstige DSLR-Alternative empfehle ich immer das Tamron 17-50 f2,8*.
  • Ein Stativ, da Du länger belichten musst. Ich hatte das neue große Manfrotto Elements* dabei, das ich insbesondere für DSLRs empfehlen kann, denn es ist groß und stabil. Für kleinere wie meine Olympus EM-10 finde ich das Manfrotto Be Free* besser geeignet, weil es einfach kleiner und kompakter ist und für meinen Geschmack schneller zu handeln ist.

Einstellungen an der Kamera zum Polarlichter Fotografieren

  1. Falls vorhanden, den Bild-Stabilisator ausstellen (meist am Objektiv), sonst „wackelt“ Dein Bild. Das ist immer nötig, wenn Du ein Stativ nutzt.
  2. Autofokus AUSstellen, das machst Du bei einer DSLR am Objektiv und bei einer Systemkamera in der Regel im Menü der Kamera (bei guten Objektiven ebenfalls direkt am Objektiv)
  3. Fokussierung auf unendlich, also auf die liegende 8.
    Der wichtige Tipp hierbei: Bei vielen Objektiven muss man dafür nicht bis zum Anschlag (die liegende 8) drehen, sondern ein ganz kleines Stück zurück. Probier auf jeden Fall im Hellen aus, wo der korrekte unendlich-Fokus bei Deinem Objektiv ist. Fokussiere dafür einen weit entfernten Punkt.
  4. Manuelle Kameraeinstellung wählen, meist mit „M“ gekennzeichnet.
  5. Offenblende einstellen, also möglichst kleinste Blendenzahl. Klar, soll ja viel Licht rein.
  6. Belichtungszeit zwischen 2 und 10 Sekunden, fang am besten mit 5 Sekunden an.
  7. ISO hoch stellen. Das ist natürlich Deiner Abschätzung zu überlassen, ab welcher ISO Dein Bild anfängt zu rauschen. Meine Canon EOS 80D hat ein relativ gutes (geringes) Rauschverhalten, dennoch belichte ich lieber länger, als die ISO zu hoch einzustellen. Ich arbeite höchstens mit ISO 1600.
  8. Spiele mit diesen Werten für ein gutes Foto, belichte zum Beispiel mal länger und kürzer und nutz verschiedene ISOs, von 500 bis 2000 und schau Dir die Ergebnisse auf dem Display an. Beachte, dass das Foto auf dem Rechner hinterher vermutlich anders und dunkler aussehen wird.

Wichtig ist, dass Du diese Anleitung vorher mit Deiner Kamera durchgehst, um Routine für die Einstellungen zu bekommen. Denn wenn Du zum ersten Mal Dein Objektiv auf unendlichen Fokus einstellen willst und es ist dunkel und die Nordlichter wabern über Dir, ich schwöre, das bekommst Du schwerlich hin. ;)

Als Beispiel zeige ich Dir hier noch zwei Fotos mit den entsprechenden Einstellungen:

Grüne Aurora am Himmel über Island

ISO 500, Blende 2,8, Belichtung 6 Sekunden. Olympus EM-10 mit M.Zuiko 12-40. Brennweite 12 mm.

Grün-violettes Polarlicht am Himmel.

ISO 1600, Blende 2,8, Belichtungszeit 10 Sekunden. Canon 600D, Tamron 17-50 f2,8. Brennweite 21 mm.
Hier war das Polarlicht schwächer, dennoch sah man – allerdings nur auf der Kamera – violettes Polarlicht, was seltener zu sehen ist.

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