Dass ich bei meinen ersten Polarlichtern in Island nicht gleich vor lauter Glück in Tränen ausbrechen würde, das wusste ich schon vorher. Nur sehr starke Polarlichter lassen einen annähern das Farbspektakel am Himmel sehen, wie wir das auf tausenden Fotos gerade in diesen Tagen vorgesetzt bekommen. Dass die allerdings so… GRAU sein können, DAS hat mir vorher niemand gesagt! Und deshalb schreibe ich diesen Post und verpetze mal das ganze Wunder: SO sehen Polarlichter nämlich in Wirklichkeit aus – jedenfalls bei meinem letzten Island-Besuch.

Achtung: Dieser Artikel birgt Entzauberungsgefahr! Zartbesaitete Gemüter und Elfengläubige sollten daher vom Lesen absehen!

Polarlichter in Island

Alle schwärmen von Polarlichtern, oder Nordlichtern, ich auch. Wobei Nordlichter natürlich immer nur die Aurora Borealis meinen, also die nördlichen Polarlichter. Grundsätzlich gibt es natürlich auch Südlichter, die Aurora Australis, aber die sind sehr viel schwieriger einzufangen.
Einfacher ist das also im Norden. In Island hatten wir das Glück, mehrere Nächte lang hintereinander Polarlichter zu haben, wenn auch keine sehr starken und in einigen Nächten mit so vielen Wolken, dass es sich nicht gelohnt hätte, eine längere Fotosession zu machen. Trotzdem bin ich alle zwei Stunden aufgewacht und habe einen Blick aus unserer Holzhütte geworfen – man weiß ja nie.

Schwache Polarlichter ergeben auf dem Foto häufig nur einen Grünmatsch, erst bei Stärkeren sind schöne Konturen zu erkennen. Auch sind die Lichter bei uns nur sehr langsam „gewabert“, nur einmal „flitzten“ die Dinger über den Himmel – das sah dann wirklich ziemlich witzig aus, so als würden sie über den Himmel tanzen.

Grüne Aurora am Himmel über IslandLies hier meinen Artikel, in dem ich alles über Polarlichter in Island festgehalten habe: Wann man sie am besten sehen kann, wie man sie fotografiert und wo ich die besten Unterkünfte für Polarlicht-Sichtungen gefunden habe.

Beste Reisezeit für Polarlichter in Island

Die beste Reisezeit für Polarlichter in Island ist natürlich der Winter, logisch. Da zaubert der große Manitu erstens mehr von den hübschen Dingern an den Himmel, zweitens ist es auch noch dunkler, so dass die Chance sie zu sehen größer ist. Interessanterweise sind übrigens der Oktober und März (bis in den April) die bessere Zeit für Polarlichter-Sichtungen als zum Beispiel der Dezember und Januar. Warum das so ist, ist anscheinend noch nicht abschließend geklärt.

Eine gute Seite für den Forecast, die auch viel über Polarlicht-Aktivitäten erklärt, ist die Seite Aurora-Forecast.

Einen ganz ausführlichen Artikel über Reisetipps für Island findest Du hier:

Wie man einen Nachthimmel fotografiert habe ich hier beschrieben:

Fans von Eis und Schnee werden hier fündig:

 

 

So sehen Polarlichter „wirklich“ aus

Das „wirklich“ habe ich in Anführungsstriche gesetzt, weil es keine klaren Aussagen darüber geben kann, denn jedes Auge sieht anders, dazu unten mehr. Bei mir jedenfalls waren die Dinger doch echt grau, lustigerweise getreu meinem Motto „Grau ist das neue Pink!“. Ich bin anscheinend wie manch andere Menschen nicht in der Lage, die Farben der Polarlichter zu sehen, lediglich einmal habe ich mir einen leicht grünen Schimmer eingebildet. Die Kamera hingegen fängt erstaunlicherweise diese krassen Farben ein – ein Mysterium… was ich gleich mal ergoogeln musste.
Da mich die Frage erreichte, wie Polarlichter nun aussehen und ob die gängigen Bilder alle gefotoshoppt seien oder an der Sättigung gedreht wurde: Eher nein, im Einzelfall mag das sein, in der Regel dürfte das nicht notwendig sein.

Hier habe ich also mal dreierlei Vergleich von meinen Island-Polarlichter-Bildern erstellt:
Jeweils links ist ungefähr abgebildet, was ich sehe. Ich bin übrigens etwas nachtblind, daher ist das auch so dunkel. In der Mitte ist das Original, was aus meiner Kamera rausgekommen ist, mit ca. 15 Sekunden Belichtung bei Blende 2,8 aufgenommen und einer 18er Brennweite. Rechts dann mein bearbeitetes Bild. Hier habe ich lediglich die Belichtung und das Rauschverhalten angepasst, also keinerlei Sättigung hochgedreht.

Polarlichter in Island - So sehen sie wirklich aus - Fotocollage

Polarlichter in Island: So sehen sie wirklich aus – ein Vergleich von Realitäten

 

Meine Tipps zum Fotografieren für Polarlichter sind im Grunde die gleichen wie bei der Sternenfotografie. Diese inklusive Hinweise zum Equipment findest Du hier:

Die individuelle Wahrnehmung von Polarlichtern hängt vom Auge ab

Farbe ist eine Empfindungsgröße.
Gerade in der Dunkelheit nehmen wir Farben individuell sehr verschieden wahr, das hängt jeweils von den Lichtsinneszellen ab. Die Wahrnehmung von Farbe ist an den so genannten Farbreiz gebunden, der Reizung der Netzhaut, wenn Licht darauf trifft.

Im Auge wird das Licht von Photorezeptoren, den Stäbchen und Zapfen absorbiert und im Hirn weiterverarbeitet, vereinfacht gesagt. Stäbchen sind für die Wahrnehmung im Dämmerlicht und im Dunklen wichtig, die Zapfen reagieren auf verschiedene Wellenlängen, also Farbbereiche. Es gibt verschiedene Zapfen, diese vermitteln die empfangenen Signale an das Gehirn, wo es in „Farbempfindung“ umgewandelt wird. Ihr seht, eine höchst komplexe Angelegenheit.
Soweit ich verstanden habe, ist das Zusammenspiel von (individuellen) Stäbchen und Zapfen der Grund, die Farbwahrnehmung individuell stärker variiert, je dunkler es ist. Damit wird auch klar, dass meine schlechte Wahrnehmung im Dunkeln eine Auswirkung auf meine schlechte Farbwahrnehmung im Dunkeln hat und weshalb die Farben in der Kamera vorhanden sind: Dort ist das Bild ja hell, ich habe ja lange belichtet.

Ich hoffe, eines Tages mal sehr starke Polarlichter zu sehen, vielleicht leuchten die dann ja auch für mich bunt. Bis dahin seh ich mir die Dinger lieber in meiner Kamera an. ;)

Polarlicht / Nordlicht in Island in grün und magenta

Wunderschönes grün.

Polarlicht / Nordlicht in Island in lila und grün

Polarlichter in Island. Am Schönsten: Die Sterne dazwischen

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