Schneelandschaften fotografieren - 13 Tipps

Im Winter kann man keine guten Fotos machen, weil das Wetter oll und nicht genügend Licht vorhanden ist? Und sowieso sieht alles so grau aus und Winterbilder langweilig? Ich bin da ganz anderer Meinung und versuche hier mal ein bisschen zu überzeugen und einige Tipps zu geben, um Winterlandschaften zu fotografieren.

Außerdem, glaubt mir: Durch verschneite Natur zu stapfen ist die allerbeste Art, endlich über die Winterhasserei hinwegzukommen, denn ja – aber psssst – auch ich war mal eine Winterhasserin. Auch wenn ich das echt nicht gerne zugebe.
Derzeit ist der meiste Schnee ja leider schon wieder weggetaut. Deshalb ist mein Ziel, dass Ihr nach dem Lesen dieses Artikels mit mir für den nächsten Schnee betet. Lasst mich wissen, ob es geklappt hat.

Inhalt des Artikels

1. Schöneres Licht im Winter nutzen

2. Grautöne und geringere Kontraste für stimmungsvolle Fotos nutzen

3. Details betonen

4. Wasser und Spiegelungen in Szene setzen

5. In RAW fotografieren

6. Eiskristalle!

7. Relationen verdeutlichen

8. Mit Offenblende fotografieren (und die Schönheit der Kontrastarmut entdecken)

9. Minimalistische Fotos machen

10. Symmetrie bei der Bildgestaltung nutzen

11. Zieh ’ne rote Jacke an

12. Belichtungskorrektur und Histogramm verwenden

13. Tipps für Fotografieren in der Kälte

 

Meine Kamera Emma liebt Schneebilder. Und: Warm macht glücklich.

Im Winter, besonders im Dezember und Januar, gibt es entgegen der landläufigen Meinung viele sonnige Tage, sogar häufig mehr als im mitteldeutschen verregneten Sommer. Also rein in die warme Jacke und ab nach draußen, das ist für mich das beste Mittel gegen Frieren, Dunkelheit in der Bude, schlechte Laune und Winterdepression.
Während ich im Sommer Emma, meine Kamera, auch mal zu Hause liegen lasse, ist Emma immer dabei, wenn Schnee gefallen ist – es könnte sich ja ein großartiges Motiv ergeben, und die gibt es meiner Ansicht nach im Winter viel häufiger als im Sommer. Schnee macht Landschaften ungewöhnlich.

1. Schöneres Licht im Winter nutzen

Ja, drinnen wird es im Winter schwierig mit der Beleuchtung. Aber draußen gibt es immer noch genügend Licht, oder noch besser: das Licht ist sogar Mittags zu gebrauchen, weil die Sonne nicht so hoch steht und dadurch weicheres Licht entsteht. Während im Sommer die schönen Fotos am frühen Morgen (gäääähn) und Abend entstehen, funktioniert das im Winter sogar mehrere Stunden lang.
Besonders schön: Ein Sonnenuntergang im Winter.
Bonus: Anschließend ist immer noch genügend Zeit, die Fotos zu bearbeiten, weil der Tag noch lange nicht vorbei ist und ich bekomme immer noch genügend Winterschlaf.

2. Grautöne und geringere Kontraste für stimmungsvolle Fotos nutzen

Wenn Schnee liegt und die Welt weiß ist und an den Bäumen kein Blättchen mehr vorhanden, ist die Welt natürlich weniger bunt. Grautöne können aber hervorragende, stimmungsvolle Fotos ergeben, ich persönlich finde sie sehr erholsam. Die geringeren Kontraste gilt es auszunutzen: Anstatt mal wieder wie üblich an der Sättigung zu drehen, lass den Schalter da, wo er ist und drehe zudem noch den Kontrast runter. Das Ergebnis sind Winterlandschaften mit melancholischen Stimmungen und feine Details.
Und ich sage es noch einmal: Schnee macht die Landschaft ungewöhnlich. Während wir im Sommer die üblichen Wege, die wir gehen, kaum mehr eines Blickes würdigen, gucken wir uns unsere Umgebung wieder neu an, wenn Schnee gefallen ist. Das geht mir jedenfalls so.

Winterlandschaft Winterwald

3. Details betonen

Sind keine feinen Details vorhanden, suche nach ihnen. Bei einer weißen Schneelandschaft können Einzelheiten wunderbar betont werden, z.B. ein Schlitten oder eine bunte Mütze.

Winterlandschaft fotografieren: Feine Details betonen - zwei Spaziergänger im Schneewald mit bunten Mützen

Berliner Grunewald

4. Wasser und Spiegelungen in Szene setzen

Da muss ich wohl nicht mehr viel zu sagen: Wasser und Spiegelungen gehen immer, helle Sachen wie Eis spiegeln sich natürich besonders toll, aber auch Bäume sehen super schön aus.

Eisberg Spiegelung im Wasser

Eisberg in der Antarktis

Waldsee im Schnee

Waldsee in Brandenburg

5. In RAW fotografieren

Das Fotografieren in RAW statt in jpg ist jetzt noch sinnvoller als ohnehin schon, weil man damit hinterher beim Fotos bearbeiten den Weißabgleich viel besser korrigieren kann. Dazu eignet sich dann ein RAW-Konvertierer wie Adobe Lightroom*. Mache nicht den Fehler zu denken, dass in Winterlandschaften wenig Farben vorherrschen und der Weißabgleich dann ja egal ist – das Gegenteil ist der Fall! Bei weichem und weniger vorhandenen Licht mit Weiß- und Grautönen ist ein Weißabgleich umso wichtiger, der nur vernünftig mit RAW funktioniert. Schnee kann sepiaweiß sein oder blauweiß, es gibt hunderte verschiedene Grautöne, die es fein abzustimmen gilt.

6. Eiskristalle!

Bei Schnee lässt sich – neben der schönen Landschaften – eines meiner Lieblingsmotive fotografieren: Eiskristalle! Manchmal in Form von Schneeflocken:

Eiskristalle, Schneeflocke: Sternenschnee, Makroaufnahme

So schöne Eiskristalle gibt es nicht immer, wenn es schneit. Es erstaunt mich noch heute, dass es Leute gibt, die sich nicht bei jedem Schnee die Kristalle anschauen.

Für so eine Aufnahme ist übrigens nicht einmal eine DSLR notwendig, eher im Gegenteil: Während Du bei einer DSLR ein teures Macro-Objektiv brauchst, ist bei der „Billiglinse“ einer Bridge-Kamera häufig eine Makro-Funktion eingebaut. Dieses Bild habe ich vor vielen Jahren mit einer günstigen Bridge-Kamera gemacht. Es hat zwar keine Mikroskopqualität, bezaubernd ist es dennoch, finde ich.

Manchmal gibt es Eiskristalle sogar in der Wohnung. Dafür muss man allerdings das Glück haben, in einer ollen zugigen Bude in Berlin zu wohnen:

Fenster mit Eiskristallen

Ja, so sieht es in meiner Bude aus, wenn das Thermometer unter -10 Grad fällt.

7. Relationen verdeutlichen

Achte bei zu vielen, großen Schneemassen auf ein Motiv, das die Umwelt in Relation setzt, am Besten im Vordergrund. In anderen Jahreszeiten können wir die Größe besser einschätzen, weil meist ein Baum oder Strauch in der Nähe ist, im Winter entfällt das häufig. Spiele auch mal mit den Größenverhältnissen.

Zodiac in der Antarktis vor großem Eisberg und Antarktischem Festland

Winterlandschaft fotografieren: Berg in der Antarktis mit Wasserspiegelung und kleinem Schlauchboot

8. Mit Offenblende fotografieren (und die Schönheit der Kontrastarmut entdecken)

Hä? Was für’n dämlicher Tipp denkst Du? Ja, kann man so sehen, denn natürlich ist Offenblende sowieso immer die normale Vorgehensweise, um ein Objekt zu betonen und freizustellen (Offenblende = je größer die Blende – also je kleiner die Blendenzahl – umso weniger Schärfentiefe. Der Hintergrund wird unscharf.).
Was ich damit meine ist: Mach die Schwäche des Winters „kontrastarm“ zur Stärke und betone sie, statt auf Teufel komm raus alles kontrastreich gestalten zu wollen. Wenn der Hintergrund verschwimmt, wirkt das umso mehr.

Schneemassen in Antarctica

Schneemassen in Antarctica

Positiver Nebeneffekt: Durch die Offenblende kannst Du das vorhandene Licht besser nutzen und bei Portraits entsteht ein hübsches Bokeh.

9. Minimalistische Fotos machen

Ich liebe Minimalismus, aber habe das Thema gerade erst für mich entdeckt. Das kann ein Baum auf einer riesigen weiten Schneelandschaft sein. Eine einzelne Eisscholle auf einer Wasserfläche. Linien im gefrorenen Eis. Nutze wiederkehrende Muster.
Es gibt so viele Möglichkeiten, bei denen Minimalismus so ruhig und so stark im Bild rüberkommen kann.

Kontrast vom weißen Meereis zum grünblauen dunklen Wasser

Meereisgrenze im Weddell Meer

Antarktis-blickgewinkelt-Pinguin

10. Symmetrie bei der Bildgestaltung nutzen

Viele Menschen lieben symmetrische Fotos. Wenn Du einen Winterwald fotografierst, setz den Weg in die Mitte des Bildes (s.o.), oder den Eisberg, der sich auf dem Wasser spiegelt. Natürlich kann es ebenso spannend sein, Symmetrie ganz bewusst zu brechen.

11. Zieh ’ne rote Jacke an

Oder einen pinken Rucksack. Oder eine orangene Mütze. Das macht nicht nur gute Laune sondern sich im Bild auch weitaus besser als das kleine Schwarze (siehe auch Punkt 3).

Eisschollen in Winterlandschaft und der Mann mit roter Jacke

Warum der Mann da so seltsam gebeugt steht? Der hört dem Knacken des Eises zu – eines der spannendsten Geräusche der Welt, wie ich finde.

Schneeschuhlaufen, Kitzbueheler Alpen

In den Kitzbueheler Alpen

12. Belichtungskorrektur und Histogramm verwenden

Mach Dich mit dem Histogramm vertraut, das Dir die Belichtung Deines eben geschossenen Fotos anzeigt. Auf dem kleinen Display verschätzt man sich sonst doch allzu oft, außerdem gibt es häufig die Helligkeit nicht gut wieder und zeigt das Bild zu dunkel oder zu hell an (die Stufen der Displayhelligkeit sind meist zu grob für die korrekte Darstellung).

Histogramm und Belichtungskorrektur auf dem Display ablesen

Histogramm und Belichtungskorrektur auf dem Display ablesen

Das Histogramm abzulesen ist kinderleicht: Das Raster hat fünf Bereiche (siehe Bild). Ist die Verteilung (die weiße Kurve) im rechten Bereich des Histogramms oder sogar abgeschnitten, ist das Foto sehr hell bzw. überbelichtet. Geht die Verteilung über den linken Rand hinaus, gibt es viele Schwarzbereiche ohne Information – das Foto ist zu dunkel. Die Verteilung, wie sie hier angezeigt wird, ist ok. Dass man das Bild nach eigenem Gusto evtl. gerne etwas heller oder dunkler hätte, kann natürlich dennoch sein. Nach einer Weile lernst Du, das Histogramm für Deinen Geschmack zu lesen.

Vermutlich wirst Du Dich ohne Belichtungskorrektur bei viel Schnee wundern, warum die Fotos so dunkel dargestellt werden (gleiches ist übrigens der Fall am hellen Sandstrand und viel Sonnenschein). Der Grund ist, dass die Kamera sich einen durchschnittlichen Grauwert „denkt“. Ist viel Helles im Bild, vermutet der Belichtungsmesser eine Überbelichtung und regelt sozusagen runter. Ergebnis: Das Bild wird grau und zu dunkel. Das bedeutet, Ihr müsst Eurer Kamera sagen, dass sie heller belichten soll, und genau dafür ist die Belichtungskorrektur gut.
Die Belichtungskorrektur regelt Ihr bei einer Canon 600D zum Beispiel mit dem im Bild angezeigten Knöpfchen und dem Drehrad vorne an der Kamera. Das angezeigte Bild wurde mit einer Korrektur von +1/3 aufgenommen.

Merke: Wenn die Umgebung sehr hell ist, Belichtungskorrektur auf „heller“ stellen. Das klingt im ersten Moment seltsam, deshalb lies Dir noch einmal die Erklärung oben durch, damit Du diesen Punkt verinnerlichst. Andernfalls musst Du alle Fotos zu Hause nachbearbeiten.
Merke außerdem: Wir lieben weißen Schnee, keinen grauen! Korrigier das Bild (hinterher) lieber auf etwas zu hell als zu dunkel. Eisberge bei strahlendem Sonnenlicht sind grell, das darf – und sollte – auf Deinem Foto auch so rüberkommen.

13. Tipps zum Fotografieren in der Kälte

  • Mehr Akkus einplanen und die Akkus in der warmen Jackentasche haben. So hält die Akkuleistung länger.
  • Tuch mitnehmen und ggf. über die Kamera legen, z.B. wenn Du die Kamera für ein Timelapse länger draußen stehen lässt. Es gibt sogar Wärmejacken*, die Kondensat verhindern sollen (und das nach den Bewertungen angeblich auch schaffen).
  • Die Kamera möglichst langsam an kalte / warme Temperatur gewöhnen, z.B. die Kamera erst einmal im Rucksack lassen, sowohl beim Raus- wie auch beim Reingehen.
  • Möglichst nicht die Linsen draußen wechseln und auch nicht wechseln kurz nach dem Reingehen, um Kondensat wegen der Temperaturunterschiede zu vermeiden.
  • Handschuhe werden meiner Ansicht nach völlig überschätzt. Handschuhe braucht, wer tatsächlich längere Fotosessions bei Minusgraden machen möchte. Ansonsten reicht es meienr Ansicht nach, die Hände ab und an beim schönen Spaziergang in die Taschen zu stecken. Wer allerdings Schneeballschlachten vorhat: Dafür sind Handschuhe gut geeignet.
    Wer unbedingt Handschuhe braucht: Dünne Fingerhandschuhe, damit die Kamera noch bedienbar ist. Wer ein Touchdisplay hat, hat es schwer, der braucht entsprechende Handschuhe, mit denen man so etwas bedienen kann.

Natürlich sind viele dieser Tipps nicht nur im Winter oder in Schneelandschaften einsetzbar sondern allgemein in kontrastarmen oder weite Gegenden, z.B. in Wüsten oder im Gebirge.
Hast Du weitere Tipps oder bist anderer Meinung? Dann her damit.

Weiterlesen:

Marc von Reisezoom hat ebenfalls Tipps zum Fotografieren im Winter:

 

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