wortgefetzt

Her mit den Parolen! #refugeeswelcome

10. August 2015
Zustand im Landesamt für Gesundheit und Soziales (kurz: LaGeSo), Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Berlin; Flüchtlinge sitzend unter Bäumen

Ich habe derzeit einige andere Artikel auf Lager, die nur fertiggemacht werden müssten, aber ich kann nicht. Ich bin müde und erschöpft vor lauter Wut, die ich in den letzten Tagen hatte. Vor lauter Zweifeln, über etwas Banales zu schreiben. Ich kann es nicht mehr hören, das laute Schreien der Hasser, der Selbstbemitleider, der Mitleidslosen.

Das Geschrei ist leider laut, so laut, dass jetzt der Aufruf von mehreren Seiten kam, Stellung zu beziehen. Eben: Mal laut auszurufen.
Ich aber will nicht rufen. Ich will auch nichts mehr erklären, denn dazu ist schon genug erklärt worden, zum Beispiel hier (großartig, bitte mal reinlesen!). Ich will schreien, am liebsten den ganzen Tag, die Parolen den Hassern entreißen:

Mund auf, Stellung nehmen!
Lasst den Hassern keine Stimme!
Nennt die Anschläger endlich Terroristen!
Humanität ist keine Option!
#24ct!
Wasser ist ein Menschenrecht!
#refugeeswelcome!*

*Buntes Sammelsurium nach eigenem Gusto.

Ich könnte noch ewig so weiterschreien, aber das bringt ja herzlich wenig, denn die Menschen, die ich da anspreche, lesen mich überhaupt nicht. Meine Blase habe ich dadurch verfestigt, dass ich mich schon längst von den Hassern entfreundet habe, im realen Leben wie auch bei Facebook – oder sie sich von mir.

Das Hassen hassen

Ich habe schon arme, sehr arme Menschen gesehen, die keinen Hass auf andere hatten. Und ich habe andere Maden wie mich gekannt, die hatten Hass ohne Ende.

Vielleicht hätte ich weiterdiskutieren sollen. Hätte ich das? Wenn jemand behauptet, „Du scheiß N….“ sei kein Schimpfwort – soll ich da ernsthaft argumentieren? Wenn jemand Juden generalisiert beschimpft, oder entsprechende Sachen auf Facebook teilt, wenn jemand nichts neben „wer nicht für uns ist ist gegen uns“ gelten lässt, wenn jemand Hassparteien wählt oder gegen Flüchtlinge hetzt?
Es ist nichtmal so, dass ich es nicht versucht hätte, ich habe versucht zu argumentieren. Aber jetzt nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr. Ich sollte vermutlich Mitleid mit den Hassern haben, die irgendwo in ihrem Leben ein Vakuum erfahren haben, das sie jetzt zu füllen versuchen. Vielleicht hat die Mami sie nicht genug lieb gehabt oder sie haben schreckliche Dinge gesehen und brauchen Liebe. Mag alles sein.
Und ich spreche aus meiner Made-im-Speck-Situation, als oberprivilegierte weiße West-Tussi deren einziger Mangel es ist, eine Frau zu sein. Das ist mir bewusst.
Aber ich habe schon arme, sehr arme Menschen gesehen, die keinen Hass auf andere hatten. Und ich habe andere Maden wie mich gekannt, die hatten Hass ohne Ende. Hass hat nichts mit dem „Übel mitgespielt worden“ zu tun, Hass ist ein erbärmlicher Charakterzug, den wir vermutlich alle mehr oder weniger in uns tragen, aber die Deppen sind eben nicht in der Lage, diesem Einhalt zu gebieten.
„Man“ scheißt ja auch nicht mitten auf die Straße, oder benimmt sich irgendwie beim Essen (je nach kulturellem Gusto), oder schlägt eben nicht einfach so einen anderen Menschen. Na klar kann man das alles tun, aber ich finde es gut, dass sowas bei allen Kulturen, die ich über die Welt verteilt kenne, so etwas wenigstens geächtet ist. Es gibt Regeln. Die anmutende Spießigkeit heißt in diesem Fall: Soziales Miteinander. Das muss leider eben auch diejenigen aushalten, die mir hübscher Regelmäßigkeit und erschreckend stabilem Gesellschaftsanteil immer wieder dazwischenschlagen.
Aber mit den Deppen habe ich keine Lust mehr zu reden. Und ich habe auch keine Geduld mehr. Und ich mag mich nicht mit Hassern umgeben, denn Hasser erzeugen Hass – auch bei mir.

Die Fronten zum #LaGeSo: Hier und hier – und hier

Dumm nur, dass die Hilfesuchenden derweil IMMER NOCH bei 40 Grad auf dreckigen Kartons unter Bäumen Schatten suchten, mit wenig Essen und wenig Klos und teilweise mit nichts als den Klamotten am Leib.

Ich lese und ärgere mich Tag für Tag. Ich bin zum #LaGeSo gelaufen, was übrigens kein Erstaufnahmelager ist, wie häufig fälschlicherweise betitelt. Es gibt dort keine Unterkünfte und keine Dusche und keine Kochmöglichkeit. Es ist das Landesamt, was Zettelchen verteilt, auf denen Hotels versichert wird, dass das Land für einen Monat die Kosten der Unterkunft übernimmt. Leider ist das aber gar nicht so, weshalb den Flüchtlingen von den Hotels (die sie übrigens selbst suchen müssen!) Absagen erhalten.
Ja, mittlerweile sind mal wieder ein paar „Lager“ gefunden worden, das stimmt. Am Freitagnachmittag war die Situation aber vor Ort genau diese und ich habe in ängstliche Augen gesehen. Ängstlich, weil die Menschen sich nicht trauen, raus in dieses fremde Berlin zu gehen und bei Hotels um Unterkunft zu betteln. Ängstlich, weil es um 14 Uhr hieß, in ein paar Stunden würde das Gelände geräumt (Ordnung muss sein).

Ich bin dort nicht wirklich hingegangen, weil ich dachte, dass das bisschen, was ich tragen konnte, da großartig etwas hilft, sondern weil ich die Lage mit eigenen Augen sehen wollte. Und die Lage war schlimm. Und viele Augen dort waren so müde. Und die Menschen waren sehr freundlich, sie wollten gerne Kontakt.
Aber schon zwei Stunden später haben Security und helfende Verbände dort keine Freiwilligen hineingelassen, das sei ja alles nicht notwendig, sie hätten jetzt genügend Spenden. Bilder wurden über Facebook geschickt mit vollen Lagerräumen. Dumm nur, dass die Hilfesuchenden derweil IMMER NOCH bei 40 Grad auf dreckigen Kartons unter Bäumen Schatten suchten, mit wenig Essen und wenig Klos und teilweise mit nichts als den Klamotten am Leib. Sie kommen übrigens häufig ohne Koffer! Stellt Euch das vor: Da vergleicht so ein Depp vom LaGeSo die Warteschlange mit der Schlange vor einem Apple-Geschäft und diese Menschen sitzen hier ohne jegliches Hab und Gut und haben wahnsinnige Angst davor, irgendwo im kleinen Tiergarten wie die letzten Hunde übernachten zu müssen! Übrigens: Ich habe genau da mal gearbeitet. Im kleinen Tiergarten treffen sich Fixer und es liegen manchmal Spritzen herum. Willkommen in Deutschland, Ihr Flüchtlingskinder.

Morgen wollte ich mit einer verabredeten Fahrgemeinschaft Dinge zum LaGeSo bringen: Kleidung, Essen, Schuhe, Decken. Wird alles nicht mehr gebraucht, sagt Moabit hilft. Dabei sind doch heute schon wieder Flüchtlinge dort angekommen und ich fürchte, die sitzen schon wieder auf Kartons und besitzen nicht einmal eine Zahnbürste. Ach doch, T-Shirts und Flip Flops würden gebraucht, heißt es, aber bitte Neuwertige. Und bitte auch nur zur Berliner Stadtmission. Die schließt um 16 Uhr. Pech gehabt. Helfer werden gesucht, aber bitte nur durchgeimpfte. Und bitte auf gar keinen Fall auf eigene Faust zum LaGeSo. Die chaotischen Helfer könnten ja Dreck auf der Wiese hinterlassen oder gar mit Flüchtlingen reden.

Dabei möchten die Hilfesuchenden doch so gerne Kontakt, das war überdeutlich. Selbst mit nur wenigen Brocken Englisch oder Deutsch möchten sie unbedingt. Vermutlich, weil sie wissen, dass sie dringend Deutsch lernen müssen, denn sonst haben sie es schwer, hier Unterstützung zu beantragen. Und weil sie in unserer Mitte ankommen möchten, nicht am Rande der Gesellschaft – denn wer will das schon – und ihren Teil dazu beitragen. Sie möchten ein Willkommen und werden jetzt seltsamerweise von helfenden Verbänden abgeschottet.

#refugeeswelcome

Ich bin erschöpft. Und sehr ratlos. Und ich kann nicht mehr schreien, nur noch leise sagen:
Lasst sie ankommen. Geht hin und spendet ein Lächeln. Lasst Euch nicht an der Tür von Deutschen abweisen, denn die wissen offenbar nicht, was sie tun.
Und wie der geschätzte Friedrich Küppersbusch heute meinte:

[Wir sollten] endlich zugeben, dass das Flüchtlingsthema ein Dauerthema ist. Vielleicht sogar eines, wo wir uns auszeichnen können.

Was spricht denn eigentlich dagegen?

Postlude

a) Die Frage am Ende ist rhetorisch. Ich behalte mir vor, Antworten entsprechend zu löschen. Wer fragt warum muss von vorne anfangen zu lesen.
b) Ich habe den Text in vernebelter und erschöpfter Rage und Rechtschreibfehler, fehlende rote Fäden und Logikprobleme in Kauf nehmend geschrieben, das ist mir bewusst.
c) Ich muss noch nachtragen, warum es so wichtig ist, die Stimme zu erheben: Damit so etwas hier uns nicht immer häufiger erschüttern muss, denn das ist das Ende unserer Freiheit.

Weitere Artikel der wunderbaren Bloggerbewegung #refugeeswelcome bzw. #1000malwillkommen gibt es z.B. hier:

26 Kommentare

  • Reply Deutschland, was ist los mit dir? | Sonntagslinks – wertvoll 14. Mai 2016 at 19:16

    […] Blickgewinkelt: Her mit den Parolen […]

  • Reply Leon Bacher 18. September 2015 at 12:51

    Soziales Miteinander ist leider ein Fremdwort für all die sogenannten „Wutbürger“.
    Aber auch dieser Alltags-Rassismus beschämt mich zutiefst wenn Arbeitskollegen, Verwante oder gar Freunde anfangen in Frage zu stellen „warum augerechnet die Flüchtlinge hier nach Deutschland kommen müssen?“.
    Deutschland ist positiv ausgedrückt ja noch eines der toleranteren Staaten und dass ist auch gut so.

    #refugeeswelcome #keinmenschistillegal

  • Reply REFUGEES WELCOME. | Kiraton. 5. September 2015 at 19:05

    […] Her mit den Parolen via blickgewinkelt.de […]

  • Reply Sarah Maria 25. August 2015 at 8:37

    Danke. Für die deutlichen Worte. <3
    Ich hänge auch immer zwischen: "Ich rede nicht mit solchen Hetzern. Es. Hat. Keinen. Sinn." und "Irgendwas muss ich doch tun können, um sie wieder in die Bahnen der basalen Menschlichkeit zu lenken."

    Dann denke ich mir aber meist, dass ich meine Bemühungen lieber in Projekte stecken sollte, die helfen – und wirklich etwas bewegen wollen. Die Druck auf die Politik ausüben. Die ein so starkes, lautes und positives Gegengewicht sind, dass die ganzen Hetzer und Hasser übertönt werden.

  • Reply Deutschland isst bunt | Seelenschmeichelei 16. August 2015 at 9:59

    […] Blickgewinkelt: Her mit den Parolen […]

  • Reply Lotta 12. August 2015 at 18:39

    Ich bin weder ausländerfeindlich noch gehöre ich zur rechten Gruppe….um das gleich vorweg zu schicken. Auch ich werde langsam ärgerlich, aber aus einem ganz anderen Grund….und darüber habe ich heute auf meinem Blog geschrieben. Man hört sich gegenseitig nicht mehr zu, pauschalisiert, verurteilt. Bevor man die Arbeit der Ehrenamtlichen in den Flüchtlingslagern kritisiert, sollte man sich vielleicht auch mal darüber Gedanken machen, wie schwierig es ist, solche Flüchtlingslager zu organisieren. „Neuwertige“ Kleidung muss man leider als Hinweis geben, weil leider so mancher diese Kleiderspenden dafür nutzt, um seine Putzlappen und zerschlissene Kleidung zu entsorgen (die Sortierung der Kleidung ist damit sehr aufwendig), der Vermerk „durchgeimpfte“ Personen ist ebenfalls notwendig, um den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern…was wäre denn das erst für eine Tragik, wenn Flüchtlinge den beschwerlichen Weg bis hierher bewältigt haben, um dann hier an Masern zu sterben…Dass man nicht jeden in das Lager lässt, hat sicherlich auch damit zu tun, dass man Übergriffe von Rechtsextremen vermeiden möchte…und natürlich auch Schaulustige fernhalten möchte, denn die gibt es ja wohl auch zur Genüge…Was glaubst Du denn, wie sich Flüchtlinge erst fühlen, wenn sie das Gefühl bekommen, da will jeder mal schauen…? Mein Appell ist, dass wir alle endlich aufhören, uns gegenseitig nur zu beschimpfen, zynisch zu werden, denken, wir hätten den vollen Durchblick…Was ich leider zunehmend beobachten muss ist, dass diejenigen, die auf seiten der Flüchtlinge stehen, mittlerweile bei der Diskussion eine ganz ähnliche Streitkultur an den Tag legen wie rechte Gruppen…schade, wenn man sich da auf das gleiche Niveau begibt.
    LG Lotta.

    • inka cee
      Reply inka cee 12. August 2015 at 19:01

      Eigentlich hatte ich mir ja mal vorgenommen, beleidigende Kommentare nicht mehr freizuschalten, und mich auf das Niveau einer rechten Hetzgruppe zu stellen finde ich beleidigend, aber das hast du sicher schon geahnt.
      Auch wundert es mich etwas, dass Du Dich über die Streitkultur (Streitkultur ist übrigens bei mir ein sehr positiv besetzter Begriff) ärgerst, mit mir dann aber das gleiche machst.
      Zu Deinen Argumenten:
      Ich habe da auch drüber nachgedacht und Du bist ja nicht die einzige, die Argumente für die genannten Dinge findet. Und selbstverständlich vermute ich – Ausnahmen bestätigen die Regel – dass da gutgewollte Ideen hinter stecken. Mir fällt es dennoch schwer, das nachzuvollziehen:
      Die „Durchimpfung“ wurde ausdrücklich empfohlen, damit „man“ (also die Deutschen Helfer) sich nicht ansteckt – andersherum hätte ich es auch eher verstanden.
      Dass mir suggeriert wird, dass ich meine T-Shirts nicht spenden kann, weil sie nicht gut genug sind – das ist aber wirklich eher ungünstig ausgedrückt, meinst du nicht? Das hätte man ja auch anders formulieren können. Fakt war ebenfalls, dass die Leute draußen immer noch auf dem Boden saßen und sich drinnen die Spenden stapelten. Daher hatte ja auch zuvor einer der Helfer zu mir gesagt, ich sollte meine Spenden lieber selber verteilen, sie seien zu wenig Leute um das zu übernehmen. Ja, dem war wohl so. Ist es da wirklich besser, die Spenden in Räumen einzulagern und gar nicht rauszugeben? Da wundere ich mich doch sehr drüber.
      Aber vor allem, offensichtliche Helfer (wir sprechen wir von Leuten, die alle Hände bzw. das Auto voll hatten) nicht auf das Gelände zu lassen, um ihre Spenden abgeben zu können mit dem Hinweis, es sei zu viel gespendet worden, und am Montag ist wieder nichts für hunderte Menschen da, das – sorry – werde ich auch nach vielen Argumenten einfach nicht verstehen.

      • Reply Lotta 12. August 2015 at 19:36

        Ich kann nicht erkennen, dass ich Dich persönlich beleidigt hätte, denn ich habe lediglich geschrieben, dass ich zunehmend beobachten muss, wie sich leider die Streitkultur so verändert, dass man an rechtes Niveau denken muss, so werden z. B. Politiker mit dem übelsten Vokabular beschimpft, welches man sonst nur von Rechts kennt und es wird pauschalisiert und kritisiert, ohne nachzufragen. Hast Du schon mal in einer Kleiderkammer gearbeitet, Dich beim „Roten Kreuz“ oder einem anderen gemeinnützigen Verein betätigt? Wenn die Helfer sagen, die Spendenkammer sei voll, dann ist sie voll. Wenn nicht genügend Helfer da sind, die Kleidung ausgeben können, dann melde Dich doch als ehrenamtlicher Helfer für eine ganze Woche an. Wie kann man denn der Meinung sein, die Lage zu überblicken, wenn man mal kurz vorbeikommt, um Spenden abzugeben? Impfungen schützen grundsätzlich beide Seiten. Hast Du schon mal eine Epidemie erlebt, übervolle Krankensäle, Kinder mit Durchfallerkrankungen, die vor Schwäche kaum noch aus den Augen schauen können…? Die Helfer, die solche Flüchtlingslager organisieren und betreuen, stammen oft von Vereinen, die in der ganzen Welt schon waren, um dort Flüchtlingshilfe zu koordinieren. Es sind ehrenamtliche Helfer…man kann sie gern unterstützen, sicherlich auch kritisieren, aber erst, wenn man sich mit ihrer Tätigkeit und den Problemen, mit denen sie in den Lagern zu kämpfen haben, auch wirklich mal beschäftigt hat. Es tut mir leid, wenn Du jetzt nur Applaus für Deinen Beitrag, der sicherlich sehr edel gemeint ist, erwartet hast. Du kannst gern meine Kommentare wieder löschen. LG Lotta.

        • inka cee
          Reply inka cee 12. August 2015 at 20:33

          Lotta,
          ich verstehe nicht, warum Du mich so angiftest? Ich habe mich mit Deinen Argumenten auseinandergesetzt, ich habe erklärt, warum ich dieser Meinung bin (denn ja, ich habe ja auch einen Augenblick darüber nachgedacht, bevor ich den Artikel geschrieben habe). Du kannst gerne anderer Meinung sein, das können wir hier auch gerne ausdiskutieren, aber was sollen denn diese Beschimpfungen? Du machst das, was Du in Deinem Artikel kritisierst, das finde ich sehr seltsam.
          Und nein, ich konnte nicht bleiben und Spenden verteilen, denn ich muss arbeiten und mein Arbeitgeber gibt mir für sowas nicht einfach frei.
          Und es war ja nicht die Kleiderkammer, die voll war, sondern es wurde angeblich gar nichts mehr gebraucht, Hygieneartikel, Bebybrei. Am Montag wurde das aber wieder gebraucht.
          Schade finde ich jetzt vor allem, dass Du meinen Artikel so auf diesen Aspekt reduzierst. Ja, ich fand das, was dort am Freitag abgelaufen ist, daneben und dafür mache ich auch die Helferorganisationen mitverantwortlich, die sich nicht grün sind und den schwarzen Peter nun hin- und herschieben. Dennoch finde ich das Engagement natürlich toll, was ich übrigens in den entsprechenden Gruppen auch gesagt habe, ja, dort habe ich das Thema nämlich auch diskutiert. Diskutieren darf ich aber noch, oder unterstellst Du mir dann gleich wieder, dass ich nur Applaus akzeptiere? Wenn dem so wäre hätte ich Deine Kommentare wohl kaum freigeschaltet.
          Ich habe aber auch nie behauptet, dass ich des Weisheit letzten Schlusses besitze, dass ich absolut Recht habe und alle anderen falsch liegen. Das scheint ein Thema zu sein, was Dich derzeit sehr ärgert, das kann ich verstehen, aber stülpe mir das jetzt nicht über.
          Ich habe Kritik geübt, genau. Streitkultur nenne ich das.
          Eigentliches Ziel des Artikels war allerdings, eine Stimme gegen die Hasser zu erheben, eine Stimme für Menschen zu erheben, die Lage, die ich gesehen habe zu schildern und andere aufzufordern, ebenfalls die Stimme zu erheben und die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Daraus besteht mein Artikel und nicht, wie man bei Deinen Kommentaren fast den Eindruck gewinnt, aus Beschimpfungen gegen ehrenamtliche Helfer.
          Übrigens: Deine Frage auf Deinem Blog, warum (angeblich) 75% der Flüchtlinge männlich sind, kann Dir eventuell Mel beantworten:
          http://www.gourmetguerilla.de/2015/08/armes-deutschland-maenner-boote-handies-und-die-wahrheit-ueber-fluechtlinge/
          (Oder auch anders gesagt: http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlinge-in-europa-warum-vor-allem-maenner-asyl-suchen-1.2584201)

          • Lotta 12. August 2015 at 21:51

            Wenn Du von vornherein klarstellst, dass Du Dir vorbehälst, Kommentare wieder zu löschen, vermittelt mir das den Eindruck, dass Du an kritischen Bemerkungen nicht interessiert bist. Gegenfrage: Warum fühlst Du Dich so angegriffen…habe ich doch gar nicht. Die Fragen waren ernst gemeint und sollten zum Nachdenken anregen. Wie soll man denn sonst darüber diskutieren? Ich habe nur Deinen Artikel hier gelesen…und nicht Kommentare, die Du woanders geschrieben hast. Hier hast Du die Arbeit der Helfer und die Zustände vor allem kritisiert…Der Vorschlag war also sehr ernst gemeint, dass Du Dich doch als Helfer dort melden solltest, nach der Arbeitszeit…wie sehr viele, die sich ehrenamtlich engagieren(denn von irgendwas müssen die ja auch ihre Miete zahlen). Dann kannst Du Dir ein sachliches Bild von den Zuständen machen, helfen und Vorschläge unterbreiten, wie man die Situation der Menschen dort verbessern kann.
            Ja, Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und aktiv helfen, sind mein Thema…und ich reagiere mittlerweile genervt, wenn diese ständig kritisiert werden und alle anderen von Ferne meinen, sie könnten das alles viel besser machen. Vielleicht können sie es ja besser, aber dann sollten sie endlich machen und nicht nur reden.
            Vielen Dank für die Links, ich kenne sie schon…und darüber hinaus eine Menge andere…es bleibt leider ein Fragezeichen.
            LG Lotta.

  • Reply Roxy | early birdy 12. August 2015 at 12:29

    Sehr sehr guter Post! Ich bin froh, dass du trotz Müdigkeit und Verdrossenheit diesen Text verfasst hast. Wir sind alle müde und haben schon zu viel geschrien, aber wenn wir aufhören, gewinnt die dumme, kleine, intolerante, unmenschliche Minderheit.
    Wir kriegen die schon irgendwann niedergebrüllt ;-)

  • Reply Deutschland is(s)t bunt. Ein kulinarisches Blog-Event für Weltoffenheit und Toleranz. | Seelenschmeichelei 12. August 2015 at 12:07

    […] Blickgewinkelt: Her mit den Parolen […]

  • Reply Heike 12. August 2015 at 11:21

    Hallo Inka,
    ich kann und will schon lange nicht mehr diskutieren. Ich versuche zu helfen und werde auch da ausgebremst. Auch unter den Ehrenamtlichen menschelt es und ich bin nicht diejenige die bettelt, helfen zu dürfen…
    Ich versuche es nun auf andere Art. Aber ganz echt: wenn man alle die, die was verbessern wollen, die helfen wollen, neue Ideen und offene Ohren haben, wenn man all die machen lassen würde – das wär schon was.
    Heike

    • inka cee
      Reply inka cee 12. August 2015 at 11:37

      Danke Heike. Ja, komisch, oder? Ich kenn das auch noch von früher. Es sind eben leider sehr häufig Leute, die eigentlich zu 80 % übereinstimmen, die sich dann gegenseitig nicht grün sind – so eine verschwendete Energie. Ob es daran liegt, dass manche nur ihrem Karma statt dem Gegenüber helfen wollen oder ob manche es wegen bestimmter Erfahrungen besser zu wissen glauben, wie es geht – man weiß es nicht. Ich bilde mir ja auch nicht ein, alles zu wissen. Ich weiß nur: Ich finde es sehr bescheuert, nicht einmal mehr „Hallo und Willkommen“ sagen zu dürfen. Das kann nicht richtig sein.
      Liebe Grüße
      /inka

  • Reply Larissa//No Robots Magazine 12. August 2015 at 8:17

    Toller Text! Mir geht’s oft auch so. Ich frage mich, warum ich überhaupt noch den Mund aufmache, denn diejenigen, die mir zuhören, haben eh meine Meinung. Und an die anderen kommt man nicht ran. Auf der anderen Seite gibt es doch noch genug, die nicht direkt hassen, sondern einfach nicht richtig nachdenken. Vielleicht hilft es also doch.
    Ich finde es ganz großartig, dass du zu den Menschen hingegangen bist. Ich traue mich, ehrlich gesagt, nicht. Nicht unbedingt wegen den Flüchtlingen, sondern weil ich einfach schüchtern bin.
    Hier sind übrigens ein paar weitere Artikel dazu:
    http://buntgestreifthuepfig.de/1000-mal-willkommen-kopfschuetteln-reicht-nicht/
    http://www.fadenvogel.de/fluechtlingselend-vor-der-haustuer/
    http://early-birdy.de/i-refugee/
    Mein Text ist fast fertig und geht auch bald online.

    • inka cee
      Reply inka cee 12. August 2015 at 9:51

      Dankeschön für die Links!
      Ich verstehe das mit der Schüchternheit sehr gut und man muss doch auch nichts, was man nicht will oder einem nicht so liegt. Ich mag sowas eigentlich auch nicht, allein unter vielen Fremden, aber es war ziemlcih leicht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, das war für mich eine total positive Erfahrung. Umso trauriger bin ich, dass das Gelädne jetzt anscheinend so abgeschottet wird (neueste Aussage ist, dass vorne niemand mehr durchgelassen wird).
      Und mit Deinem Gedanken hast Du sicher recht, dass es vielleicht doch hilft bei denen, die sich vielleicht einfach zu wenig einen Kopf drüber machen.
      Danke & liebe Grüße
      /inka

  • Reply Nancy 11. August 2015 at 11:33

    Ich hatte am Freitag Deinen Post auf Facebook gesehen. Ich habe allerdings zwei Stunden später den Worten geglaubt (oder glauben wollen??), dass genug Helfer vor Ort seien, dass genug materielle Spenden da sind, dass durch die Berichterstattung in den (Berliner) Medien viel passiert sei, dass man nicht vorbei kommen soll, um kein Chaos zu verursachen. Ich hab daraufhin finanzielle Hilfe geschickt, die hoffentlich ankommt wo sie hingehört. Aber es macht so ratlos… Ich kann mich da Eva nur anschließen – Danke für diesen Post, Inka!

    • inka cee
      Reply inka cee 12. August 2015 at 9:48

      Hey Nancy,
      ich denke, es waren tatsächlich am Freitag auch genug Helfer vor Ort. Am Montag aber waren wieder Hunderte neue Flüchtlinge da und die Auskunft ist weiterhni, man solle nicht eigenmächtig Spenden vorbeibringen. Der Grund ist wohl, dass sich mittlerweile ein paar Leute an Spenden, die „so“ vorbeigrbracht werden, bereichern und die Verteilung gerecht zugehen soll. Das ist natürlich gut gemeint, aber soweit ich das hier mitbekomme, wird das leider nicht umgesetzt. Der schwarze Peter wird von Organisation zu Organisation (Moabit hilft und die Johanniter) zu LaGeSo und wieder zurück geschoben, derweil stehen die Flüchtlinge wieder mit nichts draußen rum. Es ist wirklich zum heulen.
      :(

  • Reply Karin 10. August 2015 at 22:39

    Du sprichst mir aus der Seele!
    Eine Geschichte zum Durchhalten aus meinem Schulalltag.
    Schüler A. aus Syrien, der auf ganz verzwickten Wegen über Bulgarien ohne Familie nach Deutschland gekommen ist erzählte mit seinen ersten Deutschkenntnissen und auf Englisch, mit Hilfe von uns Lehrern, seiner neuen Klasse seine Geschichte.
    Schüler R. mit Migrationshintergrund aus zweiter in Deutschland geborener Generation sagte:
    „Meine Eltern würden mich nie alleine weg schicken!“
    Für die Antwort von A. hätte ich ihn in den Arm nehmen können, wenn er es zugelassen hätte:
    „Warum auch?“
    Man muss in die Augen von Kindern wie A. gesehen haben, in Augen aus denen mehr reale Lebenserfahrung spricht, als manch einer aus „Welt-retten-Szenarien“ via PC-Games je erlebt hat.

    • inka cee
      Reply inka cee 12. August 2015 at 9:44

      Danke für Deine Geschichten. Ich finde, wir sollten viel häufiger Geschichten erzählen, denn die bringen die Menschen zu Vorschein.
      LG /inka

  • Reply Minza will Sommer 10. August 2015 at 22:03

    Hallo Inka,

    klasse, der Fb-Post von Marc Lenz! Danke für den Link!

    Aus der Ferne verfolge ich was beim LaSeGo geschieht. So viele verschiedene Informationen und nun Dein Erzählen – es macht kirre im Kopf! Abstand nehmen, ausruhen, sammeln, weiter machen?!

    Die Hetze will ich nicht aus den Augen verlieren, Ignoranz und ebengleiche Abfälligkeiten sind keine Option. Aber ich bleibe nicht mehr fassungslos hängen an Missachtung und konzentriere mich voll auf das Fortkommen, lese positive Berichte – das motiviert und ich gehe voran. Mit Pausen.

    Was Küppersbusch sagt, erinnert mich (ich weiß nicht ob er es so meint, wüsste aber gerade nicht wie sonst)… Es erinnert mich an „Aus Krisen lernen „, „Die Chance der Krise“, etc.. Ja, diese persönliche Erfahrung habe (nicht nur) ich und ich kann nicht anders als hoffen, dass es auch im Großen gelingt (mit extraextralangem Atem).

    Liebe Grüße . Maren

    • inka cee
      Reply inka cee 12. August 2015 at 9:39

      Der Dank geht weiter an http://mindsoulandeverythingafter.blogspot.de/ (bzw. an die befreundete Person dahinter ;).
      Bei Küppersbusch denke ich, er meint, dass wir ja ein Rolemodel sein könnten, was Flüchtlingspolitik angeht, denn immerhin können wir es uns jetzt leisten, und später würden wir die Zinsen dafür einsacken, denn eines ist ja klar: Wir brauchen Einwanderung sowieso und Flucht und Migration lassen sich in den nächsten Jahrzehnten ohnehin nicht verhindern, denn realistisch gesehen ist es unmöglich, die Ursachen dafür schnell zu beseitigen. Wenn wir jetzt handeln und Konzepte erfinden, wie wir diese Menschen aufnehmen und ihren Wert schätzen und integrieren können, bekommen wir die „Investition“ ganz sicher doppelt und dreifach zurück. Und das wäre doch mal eine schöne Zukunftsvision – für alle Seiten.
      Liebe Grüße
      /inka

  • Reply Kathi 10. August 2015 at 19:28

    Ich will nicht, dass du mich falsch verstehst, liebe Inka, denn ich liebe deinen Post. Aber trotzdem macht es mich so wütend und traurig, dass du überhaupt über dieses Thema schreiben musst. Dass es nicht selbstverständlich ist, diese Menschen aufzunehmen und diesen Menschen zu helfen und dass es nicht einfach leicht und problemlos ablaufen kann, diesen Menschen zu helfen. Mit Hilfsarbeit, mit freiwilliger Arbeit, mit guten Taten ist es überall auf der Welt das gleiche: Selbst die Organisationen, die zum Helfen da sind, machen das helfen nur schwerer. Ich versteh das einfach nicht… ich wünsch mir, wir könnten wirklich alle die Welt verbessern und das wär nicht nur so ne Platitüde, aber man fühlt sich ja echt so, als könnt man dabei einfach nur betrunken zurück kommen. Aber natürlich hast du Recht: Unterstützen, helfen, dran bleiben, weitermachen, lächeln schenken (und ein paar deutsche Sätze). Ich arbeite da gerade mit einer Freundin an einem Projekt, gerade was die Sprache betrifft und hoffe, da bald selbst was bewegen zu können.
    Danke für deine Worte!
    alles Liebe,
    Kathi

    • inka cee
      Reply inka cee 12. August 2015 at 9:30

      Da gibt es sicher nichts falsch zu verstehen an Deinem Kommentar Kathi, das ging mir doch genauso. Es schrieben ja nun auch schon einige darüber, da habe ich gedacht, was soll ich denn da jetzt noch beisteuern. Aber es geht vielleicht auch gar nicht darum, etwas Bedeutsames zu cshreiben, oder Originelles, oder etwas, was in den anderen Artikeln noch nicht angesprochen wurde. Eigentlich geht es doch nur darum, die Stimme überhaupt zu erheben, damit „wir“ unsere Gemeinschaft wieder fühlen können, und dass es viele gibt, die so denken wie wir. Das ist einerseits sehr wenig aber andererseits doch so unbedingt nötig für alles andere. Wenn wir uns erstmal alleine fühlen, handelt gar keiner mehr.
      Dein Sprachprojekt interessiert mich, ich hoffe, Du berichtest davon!
      Liebe Grüße & danke
      /inka

  • Reply Eva 10. August 2015 at 19:11

    Ich finde es toll, dass du diese Worte gefunden hast und einfach aufschreibst. Ich bin oft ratlos und wütend und versuche zumindest finanziell zu helfen und mit Worten zu widersprechen.

  • Kritik? Schmeicheleinheit? Einfach Senf? Her damit!