Wenn ich jetzt auf den veröffentlichen-Button drücke weiß ich: Es wird wahr – ich fahre nach Grönland, in weniger als einer Woche!
Das Kribbeln im Bauch zieht sich in die Brust hinauf, kitzelt mir in der Kehle und entweicht als erlösendes Kichern – und das derzeit etwa alle zwei Minuten. Ich fahre nach Grönland.
Nur mit Zelt, Kocher und Isomatte auf dem Rücken, einem Flug- und einem Fährfahrt-Ticket.

Kein Facebook, Twitter oder Instagram wird mich begleiten, denn höchstwahrscheinlich werde ich die ganze Zeit über kein Internet haben. Und sollte ich mal kurzfristig die Möglichkeit haben, werde ich sicherlich dem Mann eine Nachricht schicken, dass es mir gut geht – alles andere ist zweitrangig.

Grönland - Uummanaq bei der Diskoinsel; Berg mit Häusern

Grönland – Uummanaq

Ihr werdet von mir also die nächsten zweieinhalb Wochen nichts hören, was live ist, aber ich bin ganz sicher, es wird mir sehr gut gehen. Ich war schon einmal in Westgrönland, ich weiß, dass die Menschen freundlich und neugierig sind, ich glaube, dass ich kein Problem haben werde, ein paar Zeltplätzchen zu finden und vielleicht auch mal ein warmes Bett. Was ich zurückbringen möchte sind nicht nur tonnenweise Fotos sondern vor allem auch Geschichten über das Land, was mich seit Jahren beschäftigt und eigentlich schon für letztes Jahr geplant war, bis mir die Antarktis „dazwischen kam“.
Ich möchte Menschen kennen lernen und ein bisschen in den Alltag schauen und herausfinden, wie touristisch die Gegend dort geworden ist. Und vor allem möchte ich Euch Infos und Adressen mitbringen von Grönländern, die Euch helfen können, dieses Land individuell zu bereisen.

Grönland individuell bereisen?

Derzeit sind viele Touren, die hier über das Internet buchbar sind, in den Händen von Dänen, Isländern oder Deutschen. Diese Komplett-Touren sind irre teuer, das dicke Geld kommt aber nicht bei den Grönländern an, die es dringend brauchen können. Die meisten Leute, die gerne nach Grönland reisen würden, wissen nicht, wie sie das individuell tun können, und genau das möchte ich ändern.

Gar nicht deshalb, weil ich Touristenmassen nach Grönland befördern möchte (ich glaube nicht, dass die Gefahr hier annähernd so groß ist wie in Island, denn Grönland wird immer teurer bleiben und nach wie vor sind „Eisländer“ lange nicht so gefragt wie warme Länder), sondern weil derzeit die Pauschalanbieter nicht nur teuer sind, sondern vor allem auch gerne die Natur in den Vordergrund stellen. Das ist zwar irgendwie auch richtig, aber das Tolle und Spannende an Grönland sind doch gerade auch die Geschichten und die Menschen dort, und mit denen kommt man individuell reisend nun mal am Besten in Kontakt.

Grönländische Kinder begrüßen freudestrahlend die Besucher.

Grönländische Kinder begrüßen freudestrahlend die Besucher.

Touren, Touranbieter & Unterkünfte in Grönland recherchieren

Und ja, wie erwähnt möchte ich, dass endlich die Grönländer etwas vom Touristenkuchen abbekommen, denn sie können es wirklich gebrauchen. Viele Grönländer leben in großer Armut. Dänemark buttert hier viel Geld ins Land, das möchte ich an dieser Stelle betonen, aber auch gerade deshalb ist es wichtig, dass die Grönländer sich selbst etwas aufbauen. Es gibt natürlich bereits viele Strukturen und auch grönländische Tourenanbieter, aber die sind aus dem deutschsprachigen Ausland schwierig zu recherchieren und zu buchen. Vielleicht stoße ich auf ein tolles Netzwerk für Homestays, wer weiß. Und wenn nicht, sammele ich einfach Adressen für Euch (und verrate außerdem, wie man es anstellt, keine 1600 Euro für den Flug zu bezahlen). Super gerne nehme ich natürlich Hinweise und Tipps in den Kommentaren entgegen.

Und Ihr habt es vielleicht schon erraten: Diese Reise ist komplett ungesponsert. Sie wird nicht ganz günstig und wenn es blöde läuft, muss ich teure Unterkünfte buchen und teuer essen – ich habe wirklich keine Ahnung und hoffe, dass mein Herzens-Zelt mir die meiste Zeit wenigstens hier Geld spart. Ja, Grönland ist logischerweise sehr teuer. Aber was soll ich machen: Ich habe mich damals nun mal in Grönland ein bisschen verknallert und dann muss das eben so sein.

Die Route

Ich fliege von Kopenhagen nach Kangerlussuaq, dem Hauptflughafen und einzigem internationalen Flugverkehrspunkt; dort steige ich allerdings nur um. Man kann zwar von Kangerlussuaq Touren zum Inlandeis unternehmen, für mich alleine wäre die Tour aber einigermaßen teuer, außerdem habe ich das Inlandeis bereits 2009 gesehen. Ansonsten ist Kangerlussuaq nicht sonderlich hübsch und der Zeltplatz soll echt grauenvoll sein, also spare ich mir das und fliege gleich weiter nach Ilulissat, wo der wunderbare Eisfjord liegt, durch den das Inlandeis ins Meer fließt. Ilulissat bzw. der Eisfjord ist seit 2004 UNESCO-Weltnaturerbe.
In Ilulissat verbringe ich knapp über eine Woche und werde kürzere Trekkingtouren unternehmen, die besten Fotospots ausfindig machen, hoffentlich viele nette Grönländer kennen lernen und auf keine Eisbären treffen. Letzteres kommt ultraselten vor, ich werde mich dennoch nach der Ankunft erst einmal schlau machen müssen, wie das Warnsystem ist und was ich beachten muss.

Von Ilulissat geht es mit der Fähre nach Sisimiut – zwar über Nacht, aber die Nächte sind ja jetzt bereits schon hell.

Sisimiut ist wiederum ein lebhaftes Städtchen mit viel Kultur. Außerdem ist hier Start- bzw. Endpunkt des bekannten Arctic Cirle Trail Wanderweges, der bis nach Kangerlussuaq geht – je nachdem, wieviel Zeit ich habe, gehe ich einen kleinen Abschnitt davon.

Anfang Juli geht es dann wieder über Kangerlussuaq und Kopenhagen nach Berlin.

Ilulissat Eisfjord Grönland

Der großartige Eisfjord bei Ilulissat. Mehr Bilder: Bald bald bald!

Schlitten und Grönlandhund im grönländischen Sommer

Die Grönlandhunde haben im Sommer Pause.

Vorbereitung

Ich habe mich irre wenig vorbereitet (wenn ich jetzt „gar nicht“ sage, hält der Mann mich für völlig beknackt). Achso, ja, ich fahre alleine. Meiner Erfahrung nach macht man bei solchen Reisen die viel intensiveren Erfahrungen und knüpft einfacher Kontakte, wenn man alleine reist.

Es gibt kaum Reiseliteratur außer Bildbänden, persönlichen Berichten oder Kreuzfahrtliteratur. Einzige Ausnahme ist der immerhin 2014 aktualisierte DuMont Reiseführer Grönland von Sabine Barth*, der schwer sympathisch geschrieben ist und deutlich macht, dass hier jemand Land und Leute liebt.

Bisher habe ich also eigentlich nichts weiter getan, als mir das Flug- und Fährticket zu buchen. Den Reiseführer muss ich noch fertig lesen und mir ein paar Adressen aufschreiben. Mein wunderbares Zelt Soulo von Hilleberg habe ich nochmal aufgebaut und meine Isomatte überprüft. Meine Regenjacke von Vaude ist – wie ich letzte Woche in Oberstdorf feststellen durfte – total durchlässig (weiß jemand, wie das nach kurzer Zeit passieren kann? Die war eigentlich sehr hochwertig) und Jeff Green stellt mir netterweise eine neue. Achja, vielleicht noch für die Neugierigen die Foto-Ausrüstung:

Fotoausrüstung

Kameras:

  • Auf jeden Fall wird mich die neue Canon EOS 80D* begleiten. Ich prüfe sie immer noch auf Fehlfokus, denn ich habe seltsamen Ausschuss an Bildern, kann das jedoch nicht reproduzieren. Ansonsten bin ich mega zufrieden mit dieser Kamera.
  • Weiterhin kommt die kleine Olympus OM-D E-M10* mit – schließlich habe ich sie als immer-dabei-Kamera und Ersatz auch gekauft (ich habe allerdings die alte Variante, nicht die Mark II). Sie ist besonders gut, wenn ich Menschen fotografieren möchte, weil sie klein ist und erfahrungsgemäß die Menschen weniger verschreckt. Außerdem kann man bereits in der Kamera stacken – grandios für z.B. Star Trails oder Feuerwerk-Aufnahmen, was allerdings wegen der Mitternachtssonne in Juni keine Rolle spielt.
  • Noch unklar ist, ob ich die Emma mitnehme, meine alte Canon EOS 600D*. Ich würde gerne, denn so müsste ich weniger Objektive wechseln und hätte außerdem viele Ersatzakkus (ich weiß ja nicht, wann ich an Strom rankomme), das mache ich aber von meinem Gepäck abhängig.

An Objektiven habe ich mich in letzter Zeit immer auf drei beschränkt:

Außerdem das Manfrotto Befree Reisestativ Aluminium* (wiegt 1,4 Kilo), was ich netterweise von Manfrotto als Testleihgabe bekomme.

Mitternachtssonne, Eisberg in Grönland

Mitternachtssonne: Dieses Foto wurde gegen 23 Uhr aufgenommen. Und ja, es sind die ersten Eisberge meines Lebens, deshalb das Strahlegrinsen. :) Fotocredit: Steffen Biersack

Eine Packliste erspare ich Euch, so wirklich anders als eine Trekkingreise ist das ja nicht. Zwiebellook rules oder auch: Ich mach mich da einfach nicht verrückt. Denn:

In Grönland leben Menschen, jedenfalls dort, wo ich hinfahre. Und überall dort, wo Menschen leben, ist es auch problemlos möglich zu reisen.

Schauen wir doch einfach mal.

Grönland-Haus mit Wäscheleine

 

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