Für die kalten Wintertage gibt es für mich wenig Schöneres als einen Winterspaziergang mit anschließend wahlweise Besuch der Badewanne oder eines Wellness-Bades. Die Idee dieser kleinen Brandenburg-Tour kam von Laura von Herzanhirn, die ich im Herbst beim Instawalk durch Beelitz-Heilstätten kennengelernt habe. Sie wohnt in der Gegend und schlug mir einen gemeinsamen Besuch der Steintherme in Bad Belzig vor. Also fuhr ich kurz nach Neujahr an einem arbeitsfreien Tag schon früh am Morgen los.

Für mich war es eigentlich ein längst überfälliger Pflichtbesuch, denn Bad Belzig ist die Kreisstadt des Landkreises Potsdam-Mittelmark, in dem ich mittlerweile hauptsächlich lebe.
Eigentlich hatte ich mir einen Wanderweg herausgesucht, um eine schöne Tour durch verschneite Felder und Wälder zu machen. Brandenburgisches Matschwetter machte mir da allerdings einen Strich durch die Rechnung: Nichts mit schöner Schneepracht, es war kalt, dunkelgrau und regnete. Schade, denn der Hohe Fläming, Höhenzug und sehr interessante Kulturlandschaft, hat wirklich schöne Wanderwege.
Die Tour habe ich aber wegen des Wetters lieber abgekürzt und mir spontan die Altstadt und die alte Burg angeschaut – ja, Bad Belzig hat tatsächlich eine Burg.

Rundgang durch Bad Belzig

Belzig wurde bereits vor über 1000 Jahren urkundlich erwähnt, Bad Belzig heißt das kleine Städtchen im brandenburgischen Fläming dagegen erst seit wenigen Jahren, und das vor allem wegen der im Jahr 2002 eröffneten Steintherme, die mit Wasser der lokalen Sole gespeist wird – dazu aber unten mehr.

Den Wanderteil auf der folgenden Karte kann man natürlich weglassen und von der Burg aus direkt in die Altstadt laufen. Wer aber möchte, kann die Wanderung noch enorm ausdehnen, Wandertipps gibt es unter den TTTs am Ende des Artikels.

Los geht es für unseren Rundgang am Bahnhof. Einfach linker Hand die Bahnhofstraße runterlaufen, dann sieht man nach wenigen Schritten bereits einen Turm der Burg Eisenhardt.

Kurz vor der Burg steht eine alte Postmeilensäule. Sie ist eine Nachbildung der ursprünglichen, die hier stand und Kutschern und Fußgängern die Entfernungen bis zu einer Achtelstunde anzeigte.

Postmeilensäule

Postmeilensäule in Bad Belzig

Die Burg Eisenhardt

Die Burg Eisenhardt ist eine Höhenburg, die in dieser Weise, also als Festungsburg mit Ringmauer und Rundtürmen aus dem 15. Jahrhundert stammt. Aus dem 15. Jahrhundert! Mich beeindrucken solche Zahlen immer zutiefst.

Burg Eisenhardt

Die Burg Eisenhardt

Steht man im Innenhof der Burg, wird sofort klar, dass die Burg hier nicht zufällig angelegt ist: Der Bricciusberg ist perfekt, um die gesamte Gegend gut im Blick zu haben. Das haben auch schon die Slawen gewusst, die hier zuvor ebenfalls eine Burg gebaut haben. Von dieser sind noch einige freigelegte Reste erhalten, die man besichtigen kann. Belzig ist erstmalig als slawische Burgsiedlung 997 urkundlich erwähnt: Vor mehr als 1000 Jahren hat ein Slawenvolk bereits auf diesem Hügel Ausschau gehalten.

Ausblick von der Burg Eisenhardt

Ausblick von der Burg Eisenhardt

Die Burg erlebte einige Schlachten, wurde mehrfach zerstört und entweder komplett oder in Teilen wieder aufgebaut , das bedeutet: Eigentlich ist „die Burg“ noch älter, in dieser Art wurde sie vom Kurfürsten Friedrich dem Weisen gestaltet, Architekt war der bekannte und ebenfalls in Görlitz, Meißen und Wittenberg tätige Conrad Pflüger.

In der Burg bietet sich ein gut ausgeschilderter Rundgang an. Der Bergfried, ein 28 Meter hoher Turm, ist ebenfalls ganz sicher einen Aufstieg wert und dürfte eine fantastische Aussicht bieten. Auch ein Museum gibt es. Bei mir waren leider Turm und Museum geschlossen (Öffnungszeiten s.u.). Aber auch ohne das Museum klären viele Schilder über die Geschichte auf.

Fun Fact: Im 16. Jahrhundert (entweder 1527 oder 1530) tagte auf der Burg das Visitationskomitee, ein Komitee, „um die Ordnung im kirchlichen Amtsbereich zu überprüfen“. Zu den Visitatoren gehörten die Theologen Martin Luther und – Achtung – Justus Jonas. Ja, wenn mir jemand mit den Drei Fragezeichen kommt, kann ich mir manchmal sogar geschichtliche Fakten merken.

Exkurs Brandenburg

Wer sich wie ich geschichtliche Daten und Zugehörigkeiten nicht gut merken kann und beim Nachlesen über die Burg auf verschiedene Begrifflichkeiten stößt, dem berichte ich hier einmal seeeehr kurz und knapp über Brandenburgs Geschichte:

Vor knapp 1000 Jahren existierte die so genannte Nordmark, gegründet im „Heiligen Römischen Reich“, die nicht ganz zufälligerweise in weiten Teilen dem Territorium des heutigen Landes Brandenburg gleicht. Die Nordmark war eine Markgrafschaft, also eine Grenzgrafschaft, denn östlich lag Pommern.

Nach dem Slawenaufstand von 983 wurde das Gebiet slawisch, aber schon im Jahr 1150 eroberte Albrecht der I., genannt Albrecht der Bär, die Nordmark zurück und gründete die Mark Brandenburg. Die Mark, wie sie in Kurzform genannt wurde, bestand aus der Altmark, der Mittelmark und Neumark, zeitweilig gehörten südlich noch weitere Territorien dazu, wie z.B. die Ober- und Niederlausitz. Die Ost-West-Ausdehnung war also weit größer als die der Nordmark.

Belzig gehörte zur Mittelmark, dem Gebiet zwischen Elbe und Oder.

Karte Mark Brandenburg

Als sich 1701 der Preußische Staat bildete, war die Mark die territoriale Mitte. Nach dem Wiener Kongress im Jahr 1815 wurde Preußen in 10 Provinzen aufgeteilt. Die Altmark, das heutige Wendland, entfiel, nördliche und südliche Gebiete kamen dazu: Es entstand die Provinz Brandenburg, die in ihrer Nord-Südausdehnung dem heutigen Land Brandenburg schon relativ ähnlich war. Nach dem Versailler Vertrag entfielen einige Gebiete an Polen. 1920 wurde die Stadtgemeinde „Groß-Berlin“ gegründet – diese zählte ab sofort nicht mehr zu Brandenburg dazu. Und wir alle wissen, dass die heutige Grenze zu Polen durch bzw. nach dem 2. Weltkrieg entstand.

Und um es ganz genau zu sagen: 1947 wurde das Land Brandenburg in seinen heutigen Grenzen gegründet, allerdings schon nach fünf Jahren wieder aufgelöst, denn nach einer Verwaltungsreform der DDR-Regierung existierten nur noch Bezirke. Erst 1990 wurden die Länder neu gebildet.

Das Land Brandenburg hat also eine mächtige kurze und irgendwie doch sehr lange Geschichte hinter sich.

Kleiner Abstecher in die Natur

Geht man am gleichen Tor wieder hinaus, durch das man hereingekommen ist, führt rechter Hand an der Burgmauer ein Trampelpfad entlang zu einem kleinen Naturlehrpfad, der vor allem mit Kindern sehr empfehlenswert ist.

Wanderwege in Bad Belzig

Links entlang der Burgmauer führt ein Trampelpfad zum Natrlehrpfad.

An verschiedenen Stationen erfahre ich über Fauna und Flora der Gegend. Wir befinden uns hier im Naturpark Hoher Fläming, einem Höhenzug, der durch Altmoränen und Schmelzwässer der Eiszeiten entstanden ist.

Waldweg

Das Wetter ist leider heute nur so mittelhübsch…

Wer weiter laufen möchte, kann hier den recht langen Kunstwanderweg begehen oder einem anderen der zahlreichen Wanderwege folgen, ich entscheide mich allerdings dafür, den Weg heute etwas abzukürzen und mir die Altstadt anzuschauen. Mittlerweile regnet es ziemlich blöd. Dennoch finde ich hier und da im Wald ein nettes Plätzchen.

Waldhütte

Urlaub?

Die Altstadt

Die Altstadt von Belzig ist winzig und übersichtlich, der Kern besteht aus fünf  Straßen und kleinen Gassen dazwischen. Die ursprüngliche Stadt soll viel enger angelegt gewesen sein, las ich irgendwo, der Platz zwischen den Häusern viel kleiner. Das ist schwer vorzustellen.

Altstadt

Altstadt von Bad Belzig

Am nördlichen Ende der Altstadt befindet sich die Marienkirche, in der schon Luther 1530 gepredigt haben soll. Der ursprüngliche Kern der Kirche stammt allerdings schon aus dem 13. Jahrhundert.

Marienkirche Bad Belzig

Die Marienkirche in Bad Belzig, in der Martin Luther predigte.

Direkt daneben das Reißigerhaus, eines von mehreren, schönen Fachwerkhäusern aus dem 18.Jahrhundert. Wieso stehen eigentlich die alten Häuser so ewig, während viele Neubauten heutzutage schon nach 20 Jahren saniert werden müssen?

rotes Fachwerkhaus

Das Reißigerhaus war das Geburtshaus des Komponisten und Hofkapellmeisters Carl Gottlieb Reißiger

Es gibt einige Bäche durch die Stadt, denn es gab sechs Wassermühlen in Belzig. Einige Gebäude sind heute noch vorhanden, Führungen werden anscheinend leider nicht angeboten. Überhaupt war übrigens der Fläming eine ziemliche Mühlengemeinde, von den Windmühlen ist jedoch leider keine erhalten geblieben.

Alte Dorfstraße

Die „Straße der Einheit“

Mehr Bilder, z.B. vom Rathaus oder den Stadtmauerresten habe ich Euch nicht mitgebracht, zwischenzeitlich regnete es leider wirklich unschön und ich bin zügig auf die Aussicht auf einen warmen Kaffee Richtung Therme gelaufen.

Kleine Ortsgasse

In der Altstadt immer noch zu finden: Pfastersteingassen

Der Kurpark

Im Zuge der Bemühungen, staatlich anerkanntes Thermal-Soleheilbad zu werden, wurde um die Therme herum ein großzügiger Kurpark angelegt. Zugegeben, bei diesem trostlosen Wetter sah der nicht sehr ansprechend aus, im Sommer dürfte es hier aber sehr schön sein.

Trotz von dieser Seite fehlender Hinweis- und Eingangsschilder zur Steintherme ist diese kaum zu übersehen, denn sie hat die Form einer überdimensionierten Muschel.

Steintherme Belzig Außenansicht

Hintereingang aus dem Kurpark zur Steintherme Belzig

Hier endet der kleine Rundgang und ich beende meine kleine Tour mit ein paar Stunden Wellness.

Die Steintherme Bad Belzig – Baden in der Sole

Die Therme ist natürlich das eigentliche Ziel der meisten Touristen. Gefunden wurde die Solequelle für die Steintherme erst vor 20 Jahren. Schon früher war man hier auf der Spur und wusste vom warmen Wasser durch Aufzeichnungen und Beobachtungen, danach gebohrt wurde aber erst im Jahr 1996.

Die Temperatur, die man vorfand, eignete sich nicht, wie erhofft, zum Heizen der Siedlung, aber ein Teil des Energiebedarfs der Therme kann damit abgedeckt werden. Das Wasser der Sole wird natürlich ebenfalls verwendet, in verdünnter Form, denn es kommt mit enormen 20% Salzgehalt aus der Erde, inklusive Jod und anderen Mineralien, die das Wasser so gut für Haut, Stoffwechsel, Lunge und Kreislauf machen.

Steintherme Belzig Innenbereich

Außen sieht sie so klein aus, innen ist die Therme auf einmal riesig.

Relativ viel Holz sowohl im Außen- wie Innenbereich sorgen für eine modernen und gemütliche Atmosphäre. Sogar die Liegestühle sind aus schönem Holz und nicht aus Plastik – das gibt von mir noch einen Bonuspunkt.

Innenbereich Therme

Der große Innenbereich ist in verschiedene kleinere Bereiche aufgeteilt. Oben rechts das Restaurant.

Nachdem wir uns kurz umgeschaut und einmal ins Zentralbecken gesprungen sind, bekommen wir erst einmal eine Anwendung: Ein Peeling mit Solesalz und anschließender Aromaöl-Massage – herrlich.

Kerzen

Die leichte Ölmassage gibt es bei Kerzenschein.

Man sollte nur nicht den gleichen Fehler wie wir begehen und diese angenehme halbstündige Prozedur zu früh zu machen, ich hätte mich anschließend nämlich fast lieber schlafen gelegt als noch herumzuplanschen. Aber wenn ich schon einmal hier bin, muss ich natürlich auch mal in die anderen Teile der Therme hineinschnuppern, Jacuzzi und Außenbereich und natürlich in wenigstens eine der vielen Saunen.

Ich entscheide mich für die schöne rustikale 80°-Sauna.

Ich entscheide mich für die schöne rustikale 80°-Sauna.

Heute ist mal wieder komisches Inka-Wetter angesagt, denn während ich zuerst die mega Memme bin und im Außenbereich friere – ich stehe nicht so drauf, wenn mein Kopf kalt ist und mein Körper warm – dusche ich später nach nur einem Saunagang gleich zweimal kalt unter der AUSSENdusche, bei etwa Minus zwei Grad (das kommt mir doch bekannt vor…). Manchmal verstehe ich mich selber nicht.

Außenbecken der Steintherme

Kalt trifft warm: Außenbereich der Steintherme

Schönerweise wird es derzeit früh dunkel, denn die ganze Therme wird dann besonders hübsch und erstrahlt in verschiedenen Lichtern.

Steintherme Bad Belzig beleuchtet

Bei Dunkelheit werden die verschiedenen Becken unterschiedlich beleuchtet – superschön.

Steintherme Belzig bei Nacht

Die Steintherme in Abendbeleuchtung

Insgesamt finde ich es erstaunlich ruhig, obwohl die Angestellten anmerken, heute sei „viel los“.

Was mir nicht gefällt, ist das An- und Ausziehen zwischen dem Bad- und Saunabereich. Ich finde es einfach total unangenehm, in die nassen Klamotten wieder einzusteigen, zudem muss man in den normalen Umkleidebereich gehen. Wie man es aber anders handhaben kann, habe ich keine Ahnung, ich gehe nämlich genau deshalb sonst in Thermen mit Komplett-Nackig-Bereich. #nudelove

Kerzenschein und beleuchtetes Wasser

Lichtstimmung in der Therme am Abend.

Was mir wiederum sehr positiv auffällt – oder eben eher nicht auffällt – ist die Musik: unaufdringlich und angenehm.

Mein absoluter Favorit in der Therme ist das Solebecken mit Lichtinstallation – der „Klangraum“. Hier schwebe ich 20 Minuten im Wasser herum und möchte gar nicht wieder heraus. Die Musik ist super angenehm und ertönt auch unter Wasser – das erinnert mich an meine Synchronschwimmzeiten. Hier gilt übrigens: Leise sein. Das dient zusätzlich der Entspannung. Ganz großartig.

Farbinstallation im Schwimmbad

Der „Klangraum“, in dem man zu angenehmer Musik im Wasser schwebt, ist mein Highlight.

Für weitere Saunagänge bin ich mittlerweile zu faul (herrlich), aber nach zwei Stunden tiefenentspanntem Herumdösen und Schweben haben wir auch langsam Hunger.

Entspannungsbereich Sauna

Entspannungsbereich vor der Sauna

Netterweise sind wir anschließend zum Drei-Gänge-Menü in der VillaMedici geladen, es gibt Wildsuppe und Wildschwein, aaaww. Ich esse zwar nicht mehr so viel Fleisch, Wild kann ich allerdings kaum widerstehen. Das Essen ist sehr gut, das Ambiente finde ich allerdings so lala, denn das Restaurant ist im Foyer der Therme und nicht richtig abgeschlossen.
Beim nächsten Mal werde ich eher eines der beiden Restaurants innerhalb der Therme nutzen – ist irgendwie gemütlicher.

TTT – TierischeTouriTipps

Hinkommen

Mit dem RE7 direkt stündlich von Berlin oder mit dem Auto, dauert beides etwa eine Stunde.

Unternehmen

Offenlegung: Ich wurde von der Steintherme zu einem Besuch und einem Essen eingeladen.