Der Drachenberg im Berliner Grunewald ist sicherlich einer der schönsten Aussichtspunkte in Berlin. Ein Streifzug mit Füchsen & Wildschweinen.

Einführung in die grünste Großstadt der Welt

Wenn mich Berlin-Neueinsteiger besuchen, gebe ich gerne eine kleine Einführungsrunde. Die variiert je nachdem, was der Mensch für Berlin-Erfahrungen hat. Das kann mal eine knackige „Berlin in drei Stunden“-Einführungstour zu den Must-Sees sein, ein anderes Mal eine Schlender-Runde durch Kreuzberg mit Streetart, East Side Gallery und meinem geliebten Landwehrkanal und Schleusenufer.

Schleusenufer Berlin

Oder ich gebe eine Einführung in „Berlin ist die grünste Großstadt der Welt und ich hab die Beweise“, und das war gestern Abend der Fall. Aus irgendeinem Grund muss jeder Zugezogene erst einmal von Berlin überzeugt werden, das war bei mir vor – hust – 20 Jahren nicht anders.

Ich habe das Glück, eine direkte, sehr kurze Busverbindung zum Grunewald vor meiner Haustür zu haben, daher bin ich mittlerweile im Grunewald ziemlich heimisch (dort habe ich auch mit meinen ausgedehnten Spaziergängen angefangen, die sich dann auf immer längere Wanderungen ausgedehnt haben, ich habe gerade kürzlich auf Steffistraumzeit ein bisschen darüber erzählt).

Der Grunewald

Ich liebe den Grunewald für Spaziergänge zu jeder Jahreszeit, auf einen kurzen Besuch oder auch für eine 14 Kilometer Tour.
Vom S-Bahnhof „Grunewald“ kann man einmal quer durch den Wald laufen und im Sommer auf der anderen Seite in die Havel hüpfen, im Winter ist man dort meist ganz alleine und stapft durch dicken, ungeräumten Schnee, herrlich. An der Havel ein Stück nach Süden liegt die winzige Insel Lindwerder, in deren Bucht im Winter sich viele Vögel versammeln, weil sie hier vom NABU gefüttert werden.
Auf dem Weg liegt ein idyllisches Forsthaus, selbst einen Friedhof gibt es, den so genannten Selbstmörderfriedhof mit spannender Geschichte. Der Teufelssee ist hübsch, auf keinen Fall verpassen sollte man das kleine Naturschutzgebiet „Sandgrube“ südöstlich vom Teufelssee… ich seh schon, das ist bald einen eigenen Artikel wert.

Mittlerweile sehr bekannt ist die berüchtigte Abhörstation auf dem Teufelsberg, ursprünglich ein relativ unzugänglicher Geheimtipp, heute tummeln sich an Wochenenden zig Besucher, allerdings immer noch illegal, von den wenigen offiziellen Touren einmal abgesehen.

Schönster Aussichtspunkt über Berlin: Der Drachenberg im Grunewald

Den absolut besten Ausblick hat man jedoch nicht vom Teufelsberg, der ziemlich dicht bewachsen ist, sondern vom daneben liegenden Drachenberg, benannt nach der Berliner Vorliebe, dort wochenends mit den Kindern die Drachen steigen zu lassen. Wenn man Glück hat, erwischt man einen der Paraglider beim Absprung ins grüne Dickicht.

Paraglider auf dem Berliner Drachenberg / Teufelsberg

Paraglider bei der Arbeit: Auschecken des Windes

Der Drachenberg ist wie der Teufelsberg aus Trümmerschutt entstanden, was man beim Anstieg noch sehen kann. Er ist oben platt und unbewachsen und ich liebe die Aussicht: Auf der einen Seite Berlin inklusive Funkturm und Fernsehturm, die von hier aussehen, als stünden sie relativ dicht nebeneinander. Auf der anderen Seite die Abhörstation und tiefster Dschungel.

Blick über grünen Wald, im Hintergrund Berlin

Der Funkturm ist tatsächlich viel weiter weg – genau wie die Kugel vom Fernsehturm am Alexanderplatz

Grüner Grunewald, Blick auf die Abhörstation

Blick über den Grunewald zum Teufelsberg und zur alten Abhörstation

Besuch vom Fuchs und Wildschwein

Als wir da oben so sitzen, ein paar Gitarrenklängen lauschen, die angenehme Stimmung genießen (wir sind nicht alleine), leckeren Rotwein trinken und die Gesichter in die späte Sonne strecken, die die Stadt und den Himmel gerade in schöne Farben taucht, wedelt auf einmal etwa vier Meter neben uns eine weiß-rote Schwanzspitze – ein Fuchs!
Berlin ist voll mit Füchsen, das ist wahr, und sie sind auch an Menschen gewöhnt. Dieser scheint aber besonders chillig zu sein: Seelenruhig jagt er neben uns eine Maus. Als er sie hat, stolziert er langsam mit seiner Beute im Maul davon. Ich finde es großartig, noch dazu Simones erstauntes Gesicht, die mit so viel Wildlife in Berlin wohl gar nicht gerechnet hat.

Fuchs in Berlin auf dem Drachenberg / Teufelsberg

Er jagte seelenruhig und konzentriert und bedachte uns zwischendurch nur einmal mit gelangweiltem Blick

Um etwa 21 Uhr brechen wir zum Rückweg auf, denn wir müssen durch den Wald zurück und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich das nicht unbedingt im Dunkeln machen möchte. Der Grunewald hat die Eigenschaft, Licht zu schlucken. Wenn es also drum herum dämmert, ist hier schon finstere Nacht.
Außerdem gibt es da noch… Wildschweine!
Wir sind nur wenige hundert Meter gegangen, schon höre ich das erste im Gebüsch neben uns. Es scheint groß zu sein, so klingt es jedenfalls, und nach kurzer Zeit höre ich auch, dass es nicht alleine ist.
Ich bin große Tierliebhaberin und fürchte mich nicht sonderlich, Wildschweinen begegne ich dennoch mit Vorsicht. Sie sind normalerweise nicht angriffslustig, aber sehr schnell bereit, sich und andere Artgenossen zu verteidigen, und das dann auch nachhaltig. Im Grunewald gibt es deshalb regelmäßig Zwischenfälle. Der Grund beim letzten Mal, als ein Wildschwein scheinbar grundlos mehrere Spaziergänger angriff: Es hatte eine Kugel im Allerwertesten, die vermutlich Schmerzen verursacht hat.

Wir kommen aber unbehelligt davon und ich glaube, ich konnte Simone sogar davon überzeugen, dass das kein Bär war, was da so einen Riesenlärm veranstaltet hat…

Ein fast verpasster Vollmond

Nachdem wir den Bus gerade so erwischt haben und durch Schmargendorf nach Hause fahren, traue ich meinen Augen nicht, was ich da vor uns durch die Bäume schimmern sehe: Den größten Vollmond aller Zeiten! Kurzes googeln ergibt: Ja, heute Abend steht ein besonders schöner Vollmond am Himmel.
So! Ein! Mist! denken wir, hätten wir das gewusst wären wir einfach da oben sitzen geblieben und hätten den sehr viel weiteren Nachhauseweg über die Straße in Kauf genommen – Chance verpasst.

Der Mond steht so tief, dass wir ihn kein zweites Mal zu Gesicht bekommen, zu dicht und hoch stehen die Häuser – schade. So bleibt mir nur die Erinnerung daran und an diesen gelungenen Einstand in diese Stadt:

Berlin, ick liebe dir.

Sonnenuntergang über dem Teufelsberg

Das Licht …

Sonnenuntergang über Berlin

Sonnenuntergang über Berlin

TTT – TierischeTouriTipps

Hinkommen:

  • Über die Teufelsseechaussee und den dortigen Parkplatz, von dem man den Drachenberg bequem über die angelegte Treppe erreichen kann.
    oder (und viel schöner)
  • Quer durch den Grunewald aus Richtung des Teufelsberges (dem man vorher am Besten auch noch einen Besuch abstattet), z.B. vom S-Bahnhof Grunewald aus. Das ist dann allerdings schon ein ordentlicher Spaziergang. Zig winzige Wege führen durch den Wald und man geht einfach quer durch und erkraxelt sich dann den Drachenberg, der ist teilweise ordentlich steil.

Wegkommen:

  • Wer den Sonnenuntergang erleben möchte, sollte bitte nicht unbedingt unerfahren, alleine und ohne Taschenlampe den Weg zurück durch den Grunewald wählen. Der ist nämlich unglaublich düster und wirklich voll mit Wildschweinen. Einen Hund würde ich daher auch besser angeleint lassen – zum Schutz des Hundes.

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