Dieses einfache Rezept für Mandarinenmarmelade kommt schlicht mit Mandarinen, Zucker einer Zitrone und ganz ohne Geliermittel aus und ist vermutlich das leckerste, das ich seit langem in meiner Küche produziert habe. Achtung: Suchtgefahr! 

Selbstgemachte Mandarinenmarmelade auf Brot und im Glas„Ich habe Mandarinenmarmelade gemacht!“ Alleine dieser Satz ist den Artikel wert, aber vor allem bin ich derzeit ohnehin zu nichts anderem fähig, als an meine selbstgemachte Marmelade zu denken. Ich glaube, es sind die Bitterstoffe, die den Suchtcharakter ausmachen, und deshalb gibt es heute hier auf dem Blog mein Rezept für Mandarinenmarmelade.

Gut zu wissen

Der Unterschied zwischen Marmelade und Konfitüre sind die Früchte: Nach EU-Verordnung darf Marmelade nur Zitrusfrüchte enthalten, Konfitüre besteht aus anderen Früchten. Irritierenderweise machte man früher die Unterscheidung jedoch anhand der Konsistenz: Ein Brotaufstrich mit Fruchtstückchen war Konfitüre, ein Brotaufstrich ohne Fruchtstücke war Marmelade. Noch heute kommt es dabei zu Missverständnissen. Praktischerweise passt meine Marmelade sowohl in das alte wie das neue Verständnis: Mit Zitrusfrucht ohne Fruchtstücke.

Hallo, ich bin Inka und ich bin gerne unterwegs, neue Dinge erleben, reisen, Abenteuer erleben, Geschichten finden, glücklich sein und so. Aber manchmal kommt mir einfach das Essen dazwischen.

Neulich stolperte ich im Magazin der Süddeutschen Zeitung auf ein Rezept für Mandarinenmarmelade. Ich fand das interessant, besonders, weil darin erzählt wurde, dass Mandarinen einen viel intensiveren Geschmack haben als die mittlerweile eher üblichen Clementinen, eine Kreuzung aus Mandarinen und Orangen. Der ersten Irritation, weil der Autor behauptete, dass Clementinen keine Kerne hätten, schenkte ich keine weitere Beachtung – da hätte ich vielleicht schon stutzig werden sollen. Jedenfalls wurde dort erklärt, dass Mandarinen viel mehr Pektin als Clementinen, was das Gelieren unterstützt und weshalb man sich den blöden und mit Zusätzen versehenen Gelierzucker oder andere Geliermittel sparen und einfach ganz normalen Zucker verwenden kann.

Nach eigener Erfahrung ist allerdings nicht sehr viel Pektin enthalten, Äpfel haben zum Beispiel mehr. Sehr viel Pektin enthalten Quitten, da kann quasi nix schiefgehen, außer dass man hinterher Quittenbrot statt Marmelade hat.

Wie es nicht geht

Als ich also in der Küche vor meinen acht überteuerten und mittlerweile gepellten Bio-Mandarinenstücken stehe und das SZ-Rezept für die genaue Zubereitung aufrufe, frisst sich Sokrates (meine von mir liebevoll so getaufte Stirnfalte) tiefer in mein Gesicht:

  • Man solle die Mandarinen kurz kochen, abgießen und trockenreiben, steht da. … Ja wie jetzt – soll ich die Mandarinen mit der Schale kochen? Warum? Und wenn nicht, wie reibe ich denn gekochte (und damit halb matschige) Mandarinen trocken?
    Wenn ich vor so einem Rätselwörterwust stehe, lese ich immer erst weiter, in der Hoffnung, hinterher irgendetwas zu kapieren, was ich auf vorher anwenden kann – eine von mir empirisch getestete Methode, um sich durch die Glottochronologie und Lexikostatistik im Linguistik-Studium hindurchzubugsieren.
  • Man soll die Kerne entfernen, indem man „Mandarinenhälften über einem Topf leicht auspresst, so dass auch die Kerne ein wenig aus dem Fruchtfleisch gequetscht werden„. Ah. Also die etwas breiige Mandarine soll man dann vermutlich horizontal (wenn „Hintern“ und „Kopf“ oben und unten sind) durchschneiden? Weil, sonst macht das wenig Sinn. Da hätte ich dann mal gerne Fotos von gesehen.
  • Die ausgepressten Früchte und den Zucker in den Topf geben.“ Ach soll das nun doch alles ausgequetscht werden? Und dann püriert? Und dann 12 Stunden lang ziehen lassen – die immer noch ganzen Früchte oder die jetzt ausgequetschten? Und 1 Kilo Früchte ergeben ohne Wasser 1200 ml Marmelade? O.O

Ich habe die Glottochronologielerntechnik sein lassen, das Rezept zugeklappt und bin einfach nach Gefühl vorgegangen. Hat hervorragend geklappt. Es geht nämlich auch einfacher und ergiebiger – und meine Mandarinen hatten auch fast keine Kerne. Und ich verrate Euch noch was:

GESCHMACKSEXPLOSION!!einself!1!

Diese Marmelade ist ein kleiner Traum in bittersüßfruchtig und ein winzig bisschen sauer, der Geschmack knallt, wie man so hübsch sagt. Und die Bitterstoffe machen wach und sind vermutlich fantastisch gesund. Und ich bin jetzt leider unfassbar süchtig danach.

Wichtig sind natürlich grandios schmeckende Früchte. Fade Mandarinen ergeben auch eine fade Marmelade. Also am besten lose Mandarine kaufen, kosten und bei überzeugendem Geschmack zuschlagen.

Mandarinen, gepellt

Einfaches Rezept für Mandarinenmarmelade – so geht’s

Zutaten für 1 mittelgroßes Glas

  • 8 gepellte Mandarinen (keine Clementinen!) → ca. 500 Gramm
  • 400 Gramm Zucker
  • 1 Zitrone
  • ca. 600 ml Wasser

Wer möchte, kann natürlich noch verschiedene Gewürze hinzufügen. Manche Menschen scheinen ja Zimt auf alles zu streuen. Meiner Ansicht nach passen kommt der Geschmack aber ganz ohne Gewürze am besten daher.

Zubereitung

  • Die gepellten Mandarinen auseinander nehmen, entweder per Hand oder mit dem Messer. Die weißliche Haut wird mitgenutzt, grobe weiße Fäden habe ich aber entfernt. Mögt Ihr es weniger bitter, entfernt möglichst viel von dem weißen Kram (wie oben im Bild).
    Beim Auseinandernehmen die Kerne entfernen, falls die Früchte welche enthalten.
  • Zusammen mit dem Wasser aufkochen und ordentlich mit einem Löffel durchrühren. Jetzt noch einmal checken, dass Ihr keine Kerne vergessen habt. Anschließend pürieren. Wie fein sei Euch überlassen. Da ich keine Stücke der Haut in der Marmelade haben wollte, habe ich sie ziemlich fein püriert.
  • Den Zucker hinzufügen, kurz aufkochen und über Nacht stehen lassen. Erst jetzt entwickelt sich langsam das Aroma.
  • Den Saft einer Zitrone zufügen. Zitronensäure ist sowohl bakterienhemmend wie geschmacksfördernd.
  • Nun die Marmelade auf die gewünschte Konsistenz einkochen, bei mir stand sie ca. eine Stunde leicht köchelnd auf dem Herd, da hatte sie dann schon eine gut sirupartige Konsistenz. Beim Abkühlen wird sie natürlich noch fester. Wer es also flüssiger mag, sollte kürzer einkochen.
  • Noch heiß in ein sauberes (ausgekochtes) Glas einfüllen und für 10 Minuten umdrehen. So sollte die Marmelade mehrere Monate haltbar sein.
Gelierprobe

Am einfachsten geht eine Gelierprobe mit der Tellerprobe: Einen Teller oder Untertasse in den Tiefkühler stellen. Nach 5 Minuten rausnehmen und einen Teelöffel vom Fruchtmus darauf tun. Den Teller schräg halten und schauen, ob die Konsistenz zäh genug geworden ist, um nicht herunterzutropfen. 

Verwendung

Die Marmelade eignet sich besonders als Brotaufstrich, passt hervorragend ins morgendliche Müsli oder in Joghurt, aber auch zu Fleisch dürfte sie sich wegen der leckeren Note der Bitterstoffe gut machen.

Selbstgemachte Mandarinenmarmelade: Auf Brot oder zu Keksen.

Durch die bei mir doch recht feste Konsistenz zusammen mit dem bittersüßfruchtigen Geschmack ist mir die Idee gekommen, die Marmelade mit Keksen zu verwenden, am liebsten mit Ingwerkeksen. Die sind aber beim ersten Mal nur so mittelgut geworden. Sollte ich den heiligen Gral für so ein Rezept finden, werde ich es hier natürlich verkünden.

Erdbeer-Rhabarberkompott im GlasMein Erdbeer-Rhabarberkompott mit Vanille und Ingwer. funktioniert sehr ähnlich, hat durch die Erdbeeren jedoch viel Süße und durch den Rhabarber eine sehr leckere Säure.
Rezept Kirschkompott mit Vanille und IngwerAuch lecker: Mein Kirschkompott mit Vanille und Ingwer.
Da Kirschen aber definitiv ein klein wenig mehr Kerne als Mandarinen haben, wirst Du ein wenig länger für dieses Rezept brauchen.