In diesen Tagen schlafen wir nicht viel. Am Abend liegen wir stundenlang wach, um den Geräuschen des Busches zu lauschen, die unsere Zeltwände nicht abhalten können. War das ein Knurren? Da knackte doch etwas?
Am Morgen nutzen wir die verschlafenen Stunden für eine Walking Safari durch den Busch Südafrikas.

Zu Fuß im Busch von Südafrika unterwegs, das hatte ich mir gewünscht, als wir unsere Südafrika-Rundtour geplant haben. Eine Safari zu Fuß bedeutet auch: Langsamer reisen, intensiver, der Wildnis ausgesetzt.
Unser Lieblingscamp haben wir nahe den Sabi Sands im Krüger Nationalpark gefunden: Das Plains Camp, ein Außenposten der Rhino Post Safari Lodge, die zu den iSibindi Lodges gehört.

Südafrika: Elefant vor Zelt

Das Plains Camp begrüßte uns bei der Ankunft gleich denkwürdig

Suchst Du Informationen über verschiedene Safari-Möglichkeiten in Südafrika? Im folgenden Artikel gebe ich einen Überblick und konkrete Beschreibungen und Tipps zu Safaris in verschiedenen Gegenden und in verschiedenen Preisklassen:

Das Plains Camp der Rhino Post Safari Lodge

Das Gemeinschaftszelt, in dem wir Essen, ist nach allen Seiten offen und steht auf einer großen Holzveranda, vor der sich eine große Ebene erstreckt. Mittags sitzen wir hier in den schönen Ledersesseln oder am alten Biedermeier-Schreibtisch und schauen den Zebras und Affen zu, die sich manchmal neugierig bis auf 200 Meter nähern, meistens aber ignorieren sie uns.

Zebras in Südafrikanischer Savanne

Die Zebras tollen herum – meistens beachten sie uns gar nicht.

Plains-Camp-Rhino-Walking-Safaris

Wie eine Filmkulisse. Vor diesem Zelt erstreckt sich die Ebene zum Tiere schauen und den Busch anhimmeln.

Am Spätnachmittag kommt, genau wie auch an jedem Morgen, die Elefantenherde zur Tränke. Der Abendspaziergang wird so gelegt, dass wir von der Veranda den afrikanischen Sonnenuntergang bewundern können.

Elefantenherde an einer Tränke

Jeden Morgen und Abend kommt die Herde zur Tränke, die sich auf der anderen Seite der Ebene befindet.

Südafrikanischer Elefant mit Jungen

Elefantenbaby!

Sonnenuntergang in Südafrika, Gemeinschaftszelt

Traumhafter Sonnenuntergang von der Veranda im Camp

Hier im Plains Camp wird der afrikanische Safari-Traum wahr, gepaart mit dem Luxus alter Kolonialzeiten, ein bisschen Kitsch hier und da, worüber ich versuche, nicht nachzudenken. Sich kritisch mit dem Kolonialismus auseinandersetzen will sicherlich kaum jemand, der hierher zum Plains Camp kommt. Wir überspielen den Anflug von kolonialer Überheblichkeit mit der Albernheit privilegierter Touristen und spielen eine Szene aus „Out of Africa“ nach.

Nachgestellte Haarwaschszene aus dem Film "Jenseits von Afrika"

„I had a farm in Africa…“

Nachts schlafen wir in Luxuszelten, jeweils zu zweit in einem Zelt, insgesamt gibt es nur vier davon plus die Zelte der Angestellten. Zwischen den Bäumen verstecken sich die Zelte, und wenn wir abends im Bett liegen, haben wir das Gefühl, wir sind allein.
„Ob so ein Elefant einfach über ein Zelt trampelt?“ fragen wir uns, und wollen die echte Antwort eigentlich nicht wissen. Wir ahnen: Theoretisch könnte es sein, praktisch würden wir wohl vom Getrampel rechtzeitig wach.

Luxuszelt-Einrichtung

Strom und Dusche ist vorhanden, inklusive Warmwasser – eher Glamping als Camping

Insgesamt sind wir acht Gäste. Kinder sind keine da, sie sind erst ab 12 Jahren zugelassen. Das hat seine Gründe, denn das Plains Camp besucht niemand, um nur auf der Veranda oder im kleinen Pool zu sitzen, der skurril und irgendwie abstrakt in dieser Gegend wirkt (wobei ich ihn sehr genossen habe, und das ist noch die Untertreibung des Jahrhunderts).

Pool mitten im Busch Südafrikas

Der Pool! Dieser Pool! Foto: Der Mann.

Früh am Morgen und am Spätnachmittag unternehmen wir längere Spaziergänge, die Walking Safaris. Mindestens einmal, so das Konzept des Camps, bleibt man dabei auswärts im Baumhaus-Camp, dem Sleep Out.

Zelten im Baumhaus-Camp

Das Wetter ist etwas unstet und unser Guide Doug beschließt, dass wir die Walking Safari ausfallen lassen müssen und den Wagen zum Baumhauscamp nehmen, damit wir notfalls bei Regen zurückfahren können, denn die Zelte im Baumhaus sind tatsächlich rudimentär: Wenn es regnet, wird man nass, außerdem gibt es dann kein Abendessen, denn das wird über der großen Feuerstelle zubereitet.

Ich finde es trotzdem ein bisschen schade, ich hätte Lust auf das Adrenalin gehabt, das Gefühl, hier nur die Fluchtmöglichkeit per Pedes zu haben, der nächste erreichbare Platz mit Menschen wäre zwei Stunden weit entfernt. Allein unter wilden Tieren. Spätestens jetzt bin ich wohl Opfer des romantisierenden Safari-Virus.

Baumhaus-Camp-Suedafrika

Herrlicher Blick über die ganze Ebene. Geschlafen wird auf den Plattformen in einfachen Zelten.

Die Fahrt mit dem Auto dauert nur etwa eine halbe Stunde, Doug führt uns anschließend zu Fuß durch dem Busch, um die Walking Safari vom Plains Camp zum Baumhaus-Camp zu ersetzen. Als wir ca. 40 Meter weit weg von einer riesigen Büffelherde stehen, frage ich mich, ob Doug tatsächlich so großes Vertrauen in die Friedfertigkeit dieser Tiere hat, denn die wenigen Kugeln aus seinem Gewehr würden uns wohl nicht ernsthaft etwas nützen.

Büffel

Herangezoomt, logisch. So nah sollte besser niemand diesen Tieren zu Fuß kommen.

Die Frau eines anderen deutschen Pärchens versteckt sich sicherheitshalber hinter ihrem Mann und fragt zu unserem Amusement, ob das Tier durch ihr pinkes T-Shirt eventuell verärgert werden könnte. Soll sie sich ruhig ins Höschen machen, denke ich mir, denn ich hätte sie gar nicht mitgenommen auf diese Tour, hatte Doug doch unmissverständlich klar gemacht, dass nur gedeckte, natürliche Farben getragen werden sollen.

Albino, Spurenleser vom Volk der Tsonga, steht neben uns und lächelt nur. Er redet nicht mit uns, macht wenige Gesten. Entweder kann er wenig Englisch oder hält sich höflich zurück, der Grund bleibt unklar. Dass der seltsame Name „Albino“ höchstwahrscheinlich erfunden wurde, um die komplizierten afrikanischen Namen den dummen Touristen nicht zumuten zu müssen, ahne ich erst, nachdem ich ein paar weitere Wochen südafrikanische Erfahrung hinter mir habe.

Giraffe

Giraffen sind wohl die gemächlichsten Großtiere im Busch

Männliches Nyala in Südafrika

Meister der Tarnung: Ein männliches Nyala Kudu, mal wieder verwechselt, meine Güte, danke Dirk!

Elefantenherde in der Abenddämmerung

Elefantenherde in der Abenddämmerung

Als wir unsere Zelte beziehen, fangen zwei Jungbullen fast unter uns an zu kämpfen. Das Knurren der beiden kommt mir sehr bekannt vor. Die Wassertränke der Elefanten ist nicht weit entfernt, wir können der Herde in Ruhe zugucken und ich habe das erste Mal keine Lust, Fotos zu machen sondern möchte eigentlich nur gucken und die Bilder in meinem Gehirn festtackern.

Abendessen bei Kerzenschein im Baumhauscamp

Abendessen bei Kerzenschein und Petroleumlampe im Baumhauscamp

Am Abend sitzen wir um das Braai, das traditionelle Grillfeuer herum, lassen uns das Essen schmecken und lauschen Dougs Geschichten vom wilden Busch. Äußerlich eint Doug alles, was ich als „typisch Bure“ im Kopf habe. Er ist groß, trägt einen stattlichen Bauch, dazu kurze Hosen und hat nicht gerade das Entertainment erfunden. Nach den sehr herzlichen Menschen, denen wir vorher begegnet sind, müssen wir uns erst einmal umgewöhnen.
Dafür habe ich den Eindruck, dass er sehr viel von seinem Job versteht. Die meisten Spuren findet er selbst. Albino scheint nur anwesend, um ab und an ohne ein Wort zu verlieren eine kurze Geste in irgendeine für mich undefinierte Richtung anzudeuten. Die beiden verstehen sich offenbar ohne Sprache.

Doug findet mich offenbar ebenfalls ein wenig schräg, besonders wenn ich mit dem iPhone und Kamera gleichzeitig herumbalanciere, um Wildspuren mit meinen Füßen abzulichten. Aber er ist nett und macht mich auf sämtliche Spuren aufmerksam, die wir finden.

Fußabdrücke vom Löwen und Elefanten

Spuren vom Löwen und Elefanten. Links am Anfang, rechts am Ende der Tour, wie gut an den Schuhen zu erkennen…

Meine Vermutung, dass die Pink-T-Shirt-Frau hier nur aufgrund des Wunsches ihres Mannes gelandet ist, bestätigt sich beim Essen: Erst ist sie kaum aus ihrem Zelt zu bekommen, dann ist alle 12 Sekunden Krise angesagt, weil irgendetwas entweder auf ihr oder dem Essen herumzufleuchen scheint. Ihrem Mann ist das offensichtlich ein bisschen peinlich, aber er leuchtet ihr folgsam mit der Taschenlampe auf jede Stelle, auf die ihr sorgfältig lackierter Fingernagel zeigt.
Vielleicht ist es keine so gute Idee, die Flitterwochen in die Afrikanische Savanne zu verlegen – es könnte zu charakterlichen Überraschungen kommen, die man sonst nie an sich oder dem Gegenüber entdeckt hätte, denke ich bei mir. Andererseits ist das die schnellste Möglichkeit, die „unüberbrückbaren Differenzen“ zu entdecken, um sich noch vor dem ersten Kind aus dem Staub zu machen. Der Busch macht ehrlich.

Irgendwann verziehen wir uns etwas schwermütig in die Zelte auf den verschiedenen Plattformen des Baumhaus-Camps. Ich könnte es hier noch tagelang aushalten, wird mir bewusst. Zwischen all den spannenden Erlebnissen setzt hier eine Ruhe ein wie bisher nirgendwo. Weniger im Auto sitzen, mehr laufen, alles läuft ein bisschen gemächlicher und langsamer und einfacher – das gefällt mir.

In diesen Tagen schlafen wir nicht viel. Am Abend liegen wir stundenlang wach, um den Geräuschen des Busches zu lauschen, die unsere Zeltwände nicht abhalten können. War das ein Knurren? Da knackte doch etwas?

Walking Safari und tierische Überbleibsel

Am Morgen geht es früh raus, halb fünf / fünf Uhr, denn dann beginnt die morgendliche Walking Safari, eine Runde im Busch, wenn die Tiere aufwachen und auf den ersten Streifzug des noch nicht so warmen Tages gehen. Zwischen Adrenalinschubsen, weil vor uns eine Herde Zebras oder Elefanten auftaucht, erzählt uns Doug viel über die kleinen Lebewesen des Busches, die Sträucher, Fährten und wie man die Überbleibsel der Tiere auseinanderhalten kann. Das Rhino, das Nashorn, lernen wir, mag in seinem Mist herumtrampeln, um anschließend seinen „Fußduft“ in der Gegend zu verteilen.

Es ist ziemlich still und meine Ohren können endlich einmal wieder entspannt lauschen.

Südafrika Walking Safari Collage: Tiermist, Afrikanische Savanne, Zebras

Oben: Doug erklärt Tierkacke: Nierenförmig ist das Zebra (links). Mitte rechts: Höhle eines Skorpions. Unten: Augenkontakt mit Zebras.

Das Licht ist in diesen Morgenstunden am Schönsten, das Gefühl friedlich, denn verschlafen sieht die Welt nur halb so gefährlich aus, wie sie hier tatsächlich ist, und ich finde sogar die Gewehre über Albinos und Dougs Schultern fast ein bisschen romantisch.

Man könnte fast vergessen, wo wir hier sind: In der Wildnis, einer der letzten Südafrikas.

Zwei Männer mit Gewehr im Sonnenaufgang

Morgenlicht auf der Walking Safari

TTT – TierischeTouriTipps

Karte Krüger Nationalpark

Gebiet der Rhino Post Safari Lodge (rosa) im Krüger Nationalpark

  • Das Plains Camp sowie das Baumhaus-Camp ist buchbar über die iSibindi Lodges unter dem Stichwort „Rhino Walking Tours“. Es gibt verschiedene Pakete, z.B. 2 Nächte Plains Camp plus 1 Nacht Baumhaus-Camp oder je eine Nacht in der Rhino Post Safari Lodge, Plains Camp und Baumhaus.
  • Natürlich gibt es auch die üblichen „Night Drives“.
  • Kosten und weitere Tipps gibt es in meinem Artikel „Auf Safari in Südafrika: Parks, Lodges, Kosten & Tipps
  • Off road fahren ist hier nicht erlaubt, es gibt allerdings ohnehin keine befestigten Straßen.
  • Wer Euch erzählt, bei Walking Safaris begegne man nur Kleingetier: Das ist Quatsch. Wir hatten auch zu Fuß sehr viele Begegnungen mit großen Tieren, auch bei Walking Safaris in anderen Camps.
Weiterlesen:

Feuerstelle mit Stühlen vor südafrikanischer Savanne bei den Rhino Walking Safaris

Auf der Veranda gibt es eine Feuerstelle, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Safari Camp im Abendlicht

Camp im Abendlicht

Game Drive durch den Krüger Nationalpark, Guide im Auto

Natürlich gibt es auch Game Drives („Wild-Fahrten“) durch das Gelände.

Zwei Guides mit Gewehren in der südafrikanische Savanne.

Doug und Albino und der Blick über südafrikanische Savanne. Ganz hinten ist das Plains Camp.

 

Disclaimer: Herzlichen Dank an die iSibindi Lodges, die durch ihre Unterstützung dieses Erlebnis erst möglich machten. Die Anflüge von Kitsch in diesem Artikel sind allerdings nicht der Einladung geschuldet sondern meiner Begeisterung und dem Wohlfühlfaktor hoch 10, wenn die Erinnerungen hochkommen. Ähnlich schlimmen Kitsch dürft Ihr übrigens in den kommenden Berichten über die Antarktis erwarten.