In der Gruppe nebenan wird mal wieder drüber diskutiert, ob Blogger Schnorrer sind oder nicht und ob die alle richtig kennzeichnen und ob heute überhaupt noch jemand einen Blog startet, ohne dahinter die dicken geilen Kooperationen zu vermuten. Discussion as usual auf Facebook.

Ich mache mich wie üblich ein bisschen unbeliebt, ich mache das gerne, das ist ein echter Tick von mir, der Mann sagt, mir geht’s nicht gut, wenn ich mal nicht provoziere, und damit hat er nicht ganz Unrecht aber auch irgendwie nicht so richtig. Gerade neulich bin ich mal wieder aus einer Gruppe rausgeflogen. Der „Schnarch“-Kommentar hatte den Admin dann wohl doch ziemlich genervt. Mich nervt Unfairness. Und Lügerei. Und Angeberei. Und wenn jemand mit einer „ich bin viel geiler/schöner/politisch korrekter als Ihr“-Attitüde in den Facebook-Gruppen herumstolziert. Irgendwas beißt mich dann und ich renne los und kläffe wie so ein nervtötender Dackel. Ich weiß das, ich kann aber nicht anders. Und ein bisschen lustig ist es ja auch.

Facebookseite persönlicher Blog

Ich bin übrigens schwer für so eine kleine Sticky Note in einer Ecke jeder Blogseite:
„Joa, hier gibt’s den ultimativen Mehrwert für Dich und ich will Knete dafür“ versus „Ich bekomme gerne Knete, schere mich aber einen Scheiß für Mehrwert“ versus „Ich schreibe einfach total gerne, Du, und wenn dabei die neueste L’Oreal-Handcreme rausspringt finde ich das suuuper“ versus „Hier wird nur so rumgelabert“.
Ja, ich hätte gerne Schubladen. Da ich nämlich endlos vielen Blogs folge, versuche ich die in meinem Feed zu kategorisieren, was mir aber immer weniger gelingt bzw. scheint man das jetzt alle zwei Monate erneut machen zu müssen, weil sich dann der ein oder andere Blog „professionell anders positioniert hat“ oder vielleicht in den nächsten güldenen Topf gefallen ist. Oder was soll das, dass ein Blog, dem ich folge, weil ich gerade noch dachte, dass es da um nettes Rumbloggen und bisschen Fotografie geht, auf einmal von den Byers Personas erzählt? Ich meine, wtf, willst Du mir echt erzählen, dass Du immer noch „einfach total gerne schreibst“, während Du anscheinend akribisch alle Daten abgreifst, die google Dir gerade noch so halbegal liefern kann und Du irgendwelche Diagramme von Deinen Zielgruppenmenschen malst?

Oder dieses neue „wir“: „Wir bedanken uns tierisch bei Euch, Ihr seid super, WIR haben jetzt 586 Instafollower“, steht da auf der Facebook-Seite.
Äh. Davon abgesehen, dass Postings auf Facebook zur Anzahl von Likes auf Twitter oder Instagram so dermaßen superüberflüssig sind wie Hundeleckerlies auf einer Truthahnsafari (aber gut, ich habe auch Leute gesehen, die allen Ernstes ihre Twitter-Statistik twittern), aber: Was, bitte, soll denn das WIR?
Der in letzter Zeit überhäufig auftauchende Pluralis Majestatis soll wohl vermitteln, dass hinter diesem Blog eben nicht ein kleiner, einsamer Schreiberling sitzt sondern ein ganzes Team von professionellen Machern. Lassen sich dadurch ein paar Kooperationspartner beeindrucken? Was habe ich davon, dass aus meinem ach so persönlichem Schreiberlin ein Hochglanzmagazin mit Hochleistungsteam geworden ist? Ich finde das eher abtörnend, bringt mich aber zu der heute schon schwer beliebten Frage, die ich leise summend in meinem Kopf wälze: Wann ist ein Blog (noch) ein Blog?

Achso, und dann ist da noch der neueste Scheiß: Periscope. Ich für meinen Teil hab’s ausprobiert, fand die Idee toll, coole Landschaften aus fernen Ländern zu streamen, hab dann festgestellt, dass das in Hochkant scheiße aussieht und zudem wegen des krassen Datenverbrauchs wohl auch meistens eher nicht möglich ist und als Zielgruppe habe ich dann auch nur U25er gefunden, die sich gerne selbst streamen, selbstverständlich das Smartphone HOCHhaltend, weil sieht ja scheiße aus sonst, und man muss wenigstens doppelkinnfrei aussehen, wenn man nur scheiße in sein Fon labert, also noch so ein Glättungsfilter druff und feddich. Ja, Periscope ist also nix für mich.
Auch das wäre ja gar nicht wild, wenn die mal unter sich bleiben würden. Aber es ist wie es ist im Internet, da werden gnadenlos altbewährte Mauern eingerissen und die Raver tanzen auf einmal auf dem Kreuzberg statt im Berghain. Ja wtf das ist aber MEIN Kiez!
Soll heißen: Bitte lasst doch das streamen auf Facebook. Wirklich nicht jeder möchte das sehen, und mein persönliches Positiv-Gefühl Bloggern gegenüber, deren Blog ich gerne lese, löst sich dabei traurigerweise sehr häufig und sehr plötzlich vor Fremdscham in Luft auf.

Und nachdem ich mich jetzt so richtig in Rage geredet habe, weiß ich leider so gar kein geeignetes Schlusswort. Keine weise Floskel. Ratschläge habe ich leider auch keine, denn ich bin ja nur son winzig kleiner Blog. Hier wird nur so rumgelabert.

 

Offenlegung: Die Autorin hat mit diesem Blog tatsächlich auch schon mal echt geile Reise-Kooperationen aufgerissen und findet das suuuuper. Außerdem verkauft sie regelmäßig ihre Fotos, deren Aushängeschild dieses Blog ist und verdient sich mit den Affiliate-Links immerhin so viel, dass sie seit neuestem ihre Server-Kosten decken kann. Für den Admin und Technik-Mann bleibt allerdings nichts übrig, den zahlt sie immer noch in Naturalien.

PS: Die Autorin ist sich über das Glashaus, in dem sie sitzt bewusst und außerdem sehr stolz, einmal über Bloginterna gebloggt zu haben, ohne den Begriff „Authentizität“ genutzt zu haben. Ups…