Meine Chile Reise war eines der Reise-Highlights in meinem Leben. Das Land ist auf seinen 4300 Kilometern geografischer Länge so unglaublich vielfältig wie wohl kaum ein anderes Land in Südamerika.
Im Norden Chiles reist man durch die Atacamawüste und das Altiplano, die Hochebene Chiles zwischen den Gebirgsketten der Anden. In dieser Region: karge, über 6000 Meter hohe Berge, Steppen, unfassbare Weite, Wüste, Vulkane, Geysire, Salzseen und eine unglaublich skurrile Landschaft.
Im Süden wartet das sagenumwobene Patagonien mit seinen rauen Bergen und Gletschern, dem berühmten Nationalpark Torres del Paine und dem drittgrößten Eisfeld der Welt: Dem patagonischen Inlandeis.
Am südlichen Zipfel liegt Feuerland mit seinen uralten Regenwäldern, der Teil der Welt, der mich schon durch seinen geheimnisvollen Namen angezogen hat.

Ich wollte dieses Paradies erleben und bin 10 Wochen von Norden nach Süden durch Chile gereist. Die erste Hälfte im Norden verbrachte ich mit einer organisierten Reisegruppe, die zweite Hälfte im Süden bereiste ich Chile individuell und alleine ganz klassisch als Backpackerin. In diesem Reisebericht möchte ich Euch einen kleinen Einblick in das Land und meine persönlichen Reisetipps geben, die natürlich nur einen kleinen Teil dieses tollen und riesigen Landes ausmachen.
Der Fokus meiner Chile Reise lag aufgrund der begrenzten Zeit klar auf Natur und Umwelt.

Inhalt des Artikels

Reiseroute & Chile Karte
Reisezeit Chile / Wetter / Packempfehlungen
Alleine Reisen und Backpacking
Chile Reise durch das Altiplano und die Atacama-Wüste: Der Norden
Santiago de Chile
Chile Reise durch Patagonien: Der Süden

Von Puerto Montt durch Argentinien
Nach Puerto Natales zum Nationalpark Torres del Paine
Punta Arenas, unterschätztes Reiseziel
Fazit Patagonien

Fast das Ende der Welt: Feuerland

Reiseroute & Chile Karte

Obwohl sich 10 Wochen lang anhören, war diese Rundreise durch Chile das Gegenteil von Slow Traveling. Ursprünglich war mein Plan, zwei Monate ausschließlich durch Patagonien zu reisen. Doch der Zufall wollte es anders: Ich gewann eine großartige Fotoreise im Globetrotter-Fotowettbewerb nach Südamerika. Also änderte ich meine Pläne und reiste knapp drei Wochen mit einer Reisegruppe des Veranstalters Zoom-Expeditions durch den Norden Chiles und durch Bolivien.

Anschließend führte ich meine Chile Reise alleine fort und reiste weiter gen Süden bis nach Feuerland. Die Tour endete mit meiner ersten Antarktis-Reise.

Im Endeffekt blieben mir also für Patagonien inklusive eines siebentägigen Trecks durch den Torres del Paine Nationalpark nur fünf Wochen, und das ist wirklich wenig für dieses riesige Land, zumal ich mir fest vorgenommen hatte, ab Santiago nur mit dem Bus zu reisen. Wer weniger Zeit hat sollte vielleicht doch eher auf das Flugzeug umsteigen oder sich entweder für den Norden oder den Süden entscheiden. Insgesamt habe ich vermutlich eine Woche im Bus verbracht.

In die Chile Karte könnt Ihr einzoomen. Wenn Ihr auf das Symbol oben links klickt, seht Ihr alle Stichpunkte. Nicht alle kommen hier im Artikel vor, ich wollte ihn nicht zu lang werden lassen. Solltet Ihr aber eine Chile Reise planen, schaut mal nach diesen Stichpunkten, es sind tolle Anlaufpunkte.

Reisezeit Chile / Wetter / Packempfehlungen

Das Klima in Chile ist natürlich aufgrund der immens vielen Breitengrade, die das Land umfasst, sehr unterschiedlich:

Wetter in der Atacamawüste

Im Norden ist es wie erwähnt sehr trocken. Bis 2000 Meter kann es sehr warm werden, in den Höhenlagen über 4000 Meter natürlich entsprechend kalt. Nachts haben wir auch schon mal gefroren und man sollte auf jeden Fall auch sehr warme Kleidung dabeihaben. Meine Empfehlungen sind da immer: Zwiebeltechnik, eine gute Merino- oder Daunenjacke und auf jeden Fall eine lange Unterhose. Für die Damen ist das praktisch, denn die langen Unterhosen können wie eine Leggins mit Rock kombiniert werden, ich persönlich finde es super bequem, in sowas zu trekken. Das Wetter im Norden ist ganzjährig sehr ähnlich.

Empfehlung: Trekking-Packliste von Atacama bis Antarctica inklusive Zelt, Kocher und Essen. Inklusive Excel-Datei zum Download.

Wetter in Santago de Chile (Mittelchile)

In Mittelchile um Santiago de Chile machen sich die Jahreszeiten beim Wetter sehr bemerkbar: Im südamerikanischen Sommer (Dezember/Januar) heiß, im Winter kühl. Das Klima ist feuchter und die Gegend fruchtbarer.

Wetter und Reisezeit in Patagonien und Feuerland

Im Süden herrscht ganzjährig feuchtes Wetter. Patagonien und Feuerland sind für seine plötzlichen und häufigen Wetterumschläge bekannt, es kann stürmen und regnen und die Sonne scheinen und schneien in alleine einer einzigen Stunde. Wetterfeste Kleidung ist daher auf jeden Fall wichtig. Der südamerikanische Sommer ist natürlich etwas wärmer, erst in den Höhenlagen schneit es. Dennoch liegt die Mitteltemperatur schon aufgrund des Windes bei lediglich circa 10 Grad. Ohne Pullover bzw. Jacke war ich selten unterwegs. Im Winter dürfte der Transport aufgrund einiger Schneelagen schwieriger sein. Die Hochsaison und auch die beliebteste Reisezeit in Patagonien ist im Dezember, die Chilenen haben dann Ferien. Hätte ich noch einmal die Wahl, würde ich im südamerikanischen Herbst fahren, also etwa im März/April.

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Alleine Reisen und Backpacking

Sicherheit in Chile

Chile ist das reichste Land Südamerikas und daher auch ziemlich sicher. Überfälle gibt es wenige, mir ist kein einziger auf Touristen bekannt. Auch der Straßenverkehr ist sicher. Busse brechen zwar häufiger zusammen, sind aber nicht in Unfälle involviert. Das ist auch ein Grund, weshalb man Touren zum Salar de Uyuni eher im chilenischen San Pedro de Atacama als vom bolivianischen Uyuni bucht, wo es häufig zu Problemen mit betrunkenen Fahrern kommen soll.

Ich habe mich als Frau immer sicher gefühlt, zumal ich ab Patagonien auf den Backpackerrouten gereist bin und selten alleine war. Trekken an den üblichen Spots ist überhaupt kein Problem, da man (leider) ohnehin selten alleine ist. Patagonien ist mittlerweile ein sehr beliebtes Trekkingland. Wer so richtig abseits der üblichen Pfade trekken will, sollte das jedoch nicht alleine tun. WENN man abseits ist, bedeutet das auch, dass dort absolut niemand erreichbar ist. Als 08/15-Tourist dürfte Dir das aber nicht passieren: Auf allen Trekkingrouten, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, sind auch andere Leute unterwegs.

(Günstige) Unterkünfte

Während des zweiten Teils der Reise durch Patagonien und Feuerland habe ich entweder gezeltet oder in günstigen Hostels gewohnt – für mich alleine darf es auch ein bisschen weniger sein. Die Hostels in Patagonien sind kein Knaller aber die meisten umgarnen mit netten Hostelgenossen und Genossinnen. Vor allem Israelis sind hier unterwegs und entgegen anderslautender Gerüchte sind diese super angenehme und spaßige Zeitgenossen. Trinkgelage habe ich nirgendwo erlebt.

Vorgebucht habe ich immer nur von einem Tag zum anderen. Nicht immer war spontan im Wunschhostel ein Bett frei, aber ich musste lediglich einmal länger suchen und mir dann mit zwei anderen Leuten ein Doppelzimmer teilen. Mittlerweile gibt es gute Plattformen, bei denen man ein Bett reservieren kann, das stornierbar ist, z.B. bei booking.com*. An verschiedenen gutbesuchten Stationen würde ich das auf meiner nächsten Reise auch machen, insbesondere, wenn Du Dein Zimmer nicht teilen möchtest, ist das sinnvoll. In vielen Hostels in Südamerika sind übrigens Doppelzimmer vorhanden.

Chile Reise durch das Altiplano und die Atacama-Wüste: Der Norden

Die Atacama-Wüste ist die trockenste Wüste der Erde, sieht man von der Antarktis einmal ab, denn die ist tatsächlich die trockenste Region der Erde, nachzulesen in meiner kleinen Antarktis-Einsteigerkunde.

Die Atacama wechselt sich ab mit braunen, trockenen Gebirgen, die wohl mit am eindrucksvollsten im Valle de la Luna, im Tal des Mondes zu bestaunen sind, und mit Salzwüsten, Salzseen und Lagunen.

Tal des Mondes - Valle de la Luna in Chile

Das Tal des Mondes, Valle de la Luna in Chile.

Salzsee in Chile

Skurrile Szenerie an einem Salzsee in Chile

Zentraler touristischer Knotenpunkt ist hier San Pedro de Atacama. Das kleine hippieske Dörfchen auf 2400 Meter Höhe ist ideal zur Akklimatisierung und trotz der vielen Touristen sehr entspannt. Hier treiben sich hauptsächlich Backpacker herum und man findet sehr leicht MitfahrerInnen für Touren in die spannenden Gegenden, zu den Lagunen und auch ins benachbarte Bolivien (sehr begehrt natürlich zum Salar de Uyuni).

San Pedro de Atacama - Hippieladen

Einer der vielen kleinen Läden in San Pedro de Atacama. Die Häuser schmiegen sich vom Aussehen in die Landschaft, alles ist etwas einfacher. Überall hängen hier Schilder, um für Touren in die Gegend zu werben.

Der Vulkan Licancabur ist hier stets sichtbar. Der knapp 6000 Meter hohe Berg war bei den Inkas heilig, auf seinem Gipfel fand man Überreste der Inka-Kultur.

Vulkan im Sonnenuntergang mit fliegenden Flamingos

Der Licancabur im Sonnenuntergang

Flamingo

Flamingo in der Atacama-Wüste

Die Gegend ist absolut fantastisch und völlig neu für meine Augen: Flamingos und Vicunhas, die scheuen und kleinen Neuweltkamele, kreuzen immer wieder unseren Weg. Die Lagune Miscanti beeindruckt genauso wie die Weite, die klaren Farben und vor allem das Tiefblau des Himmels hier auf 4500 Metern Höhe.

Atacama-Altiplano

Die berühmte Laguna Miscanti wird von fast jeder Tour angefahren. Die Lagune selbst und die surreale Landschaft drum herum sind fantastisch.

Regenbogental Chile Atacama

Das Regenbogental hat seinen Namen wegen der vielen bunten Farben, die aus den unterschiedlichen Mineralien resultieren

Die Salzseen mit ihren Lagunen, z.B. die Lagune Tebinquinche, tauchen die Umgebung in Pastelltöne.

Atacamawueste-Salzsee

Die Lagune Tebinquinche ist „der kleine Salar de Uyuni“. Wir haben hier einige Zeit verbracht, meine Augen konnten sich nicht sattsehen.

Die Geysire „El Tatio“ besuchen wir am frühen Morgen, weil dann die Aktivität am größten ist. Der wenige Schlaf und die dünne Luft auf 4300 Metern lassen uns mit anscheinend matschigen Birnen seltsame Videos drehen.

Geysire El Tatio in Chile

Unglaublich hoch spucken die Geysire am frühen Morgen. Der dunkelblaue Himmel ist für uns ungewohnt.

Natürlich denkt man bei der Atacamawüste sofort an großartige Sternenhimmel und den Besuch einer Sternenwarte sollte man auch auf keinen Fall auslassen. Bei uns war es leider etwas bedeckt und der Vollmond schien – das Timing war nicht ganz perfekt. Aber mein Equipment reichte damals ohnehin nicht ganz für gute Fotos aus.

Sternenwarte in der Atacamawüste

Ein riesiges Fernrohr in einer Sternenwarte in Chiles Atacamawüste

Auch historische Stätten gibt es genug: Viele Überreste zeugen von der präkolumbianischen Inka-Zeit. Alte Gräber beherbergen Mumien. Wir haben einige Stätten besucht, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Weiter geht es zu Steininseln mit Riesenkakteen und heißen Quellen. Nordchile wirkt auf mich wie die Wundertüte, in die man ein bisschen Island, Uyuni, Texas und Afrika reingeschmissen und durchgeschüttelt hat. Herausgekommen ist die Atacama.

Riesenkakteen in der Atacamawüste

Riesenkakteen in der Atacamawüste

Wohlgemerkt: Ich hatte mich eigentlich auf Patagonien vorbereitet. Dass der Norden Chiles so vielfältig und spannend sein würde und in fotografischer Hinsicht fast interessanter als der Süden war eine echte Überraschung.

Playmobil Raumfahrer

Wer wissen will, was es mit dem Playmobil-Raumfahrer auf sich hat, schaut mal hier.

Die Nord-Chile Reise endet über den Inka-Weg an der Pazifikküste. Durch trockene Gebirgszüge verläuft dabei in der Mitte das grüne Tal bis nach Arica.

Inka-Pfad im Norden Chiles

Der Inka-Weg ist uralt, es gibt heute einen Wanderweg und eine Straße. Der Fluss schlängelt sich wie ein schmaler grüner Pfad durch die karge Landschaft.

Wer mehr Zeit hat, kann sich jetzt an der schönen Küste in Arica entspannen oder einen Trip auf die berühmte Osterinsel machen.

Regenbogenwolke über dem Salar de Uyuni

Über meinen 10-tägigen Abstecher nach Bolivien gibt es hier eine Zusammenfassung über meine Bolivien-Reise.

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Santiago de Chile

In Santiago de Chile merkt man: Chile gehört zu den wohlhabenderen Ländern Südamerikas. Allerdings: Spanischkenntnisse helfen, in Santiago konnte fast niemand Englisch. Ich habe dort lediglich einen Tag verbracht.

Hier endet die gewonnene Reise mit dem Veranstalter Zoom-Expeditions, ich muss mich vom Mann verabschieden (ein wirklich olles Erlebnis, sowas mitten auf einer Reise zu tun und der Grund, weshalb ich spätere Reisen anders geplant habe) und reise ab sofort alleine weiter. Wer mal das Konzept des Reiseveranstalters anschauen mag, schaut auf dessen Webseite. Die Organisation ist fantastisch und für Fotografen und Fotografie-Interessierte ausgelegt.

Tipp: Wer Zeit hat sollte von hier unbedingt einen Abstecher ins nahe gelegene Valparaiso machen!

Santiago de Chile

Ausblick vom Cerro San Cristobal auf Santiago de Chile

Chile Reise durch Patagonien: Der Süden

In Patagonien bin ich auf mich gestellt und ich reise mit öffentlichen Bussen im Zickzack auf der Ruta 40 durch Argentinien und Chile gen Süden. Das Busnetz ist überall gut ausgebaut, selbst in der Hochsaison habe ich ohne Reservierungen nicht warten müssen. Wer auf bestimmte Zeiten angewiesen ist, sollte vorreservieren. Wie das allerdings funktionieren soll blieb mir bis zum Ende meiner Reise schleierhaft, denn ja, Ihr habt es schon erraten: Ich kann kein Spanisch. Selbst ein Spanischkurs konnte mir diese Sprache nicht wirklich näherbringen. Aber: In Patagonien wird es interessanterweise einfacher, sich mit Englisch zu verständigen. Die Orte, in denen man gewöhnlich landet, sind Touristen gewöhnt und damit geht meist auch ein bisschen englische Kommunikation einher.

Flagge Patagonien

Patagonien!

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Von Puerto Montt durch Argentinien

Die Busse sind mal komfortabel, mal weniger. Die vielen online-Tipps, die ich mir geholt habe, nützen wenig: Die angeblichen Luxus-Reisebusse scheint es irgendwie nicht zu geben, ich habe kaum eine Wahl, welchen Bus ich nehme. Dennoch: Wenn der Fahrer nicht gerade den Knopf für die Klimaanlage vergessen hat, reist es sich recht komfortabel, wenn man das nach einer 20-stündigen Busfahrt noch sagen mag.

Ruta 40 in Argentinien

Die Ruta 40 in Argentinien: Endlose Einöde

Nach Puerto Montt führt die Ruta 40 erst einmal lange Zeit durch Argentinien. Ich selbst mache dort mehrere Zwischenstopps:

  • in Bariloche, wo ich unter Trennungskater leide und die Gegend überbewertet finde, weil man ohne Auto oder Bus erstmal nichts machen und eigentlich nur organisierte Touren unternehmen kann – das hatte ich mir anders vorgestellt.
  • in El Chalten, wo ich zum Fitz Roi trekke und das erste Mal fühle, dass ich in Patagonien bin: Es ist deutlich kälter und endlich nutze ich mein Zelt. Außerdem kann ich einfach vom Hostel mit Zelt auf dem Rücken loslaufen – toll!
  • in El Calafate, um den hübschen Gletscher Perito Moreno, einen Teil des patagonischen Inlandeises, zu bestaunen.

Tipp: Wer vorher Zeit hat, kann nördlich von Puerto Montt den Osorno besteigen oder die Insel Chiloe besuchen. Viele nutzen dort auch die Möglichkeit, mit der Fähre durch die Fjorde nach Süden zu fahren.

Fitz Roi Massiv

Der Fitz Roi – zu meinem üblichen Glück in Wolken versteckt.

Ich habe die Leerzeiten der Busfahrten genossen, so ein Bus-Alltag kann aber auch ein bisschen anstrengend sein, auf jeden Fall ist es das allerbeste Mittel, um die einheimische Mentalität und andere Backpacker kennen zu lernen…

Nach Puerto Natales zum Nationalpark Torres del Paine

Berge des Torres del Paine Nationalparks mit Guanakos

Die Berge des Torres del Paine Nationalparks mit Guanakos im Vordergrund

Der Nationalpark Torres del Paine war eines der Highlights meiner Reise, oder eigentlich war er ursprünglich sogar der Aufhänger. Die meisten Touristen sind nur 1-2 Tage dort, viele laufen das berühmte „W“ in drei Tagen ab, nur wenige gehen den ganzen Circuito-Trek. Ich habe den Circuito gemacht und war sehr froh über diese Entscheidung. Tatsächlich war bei mir das Wetter die ganzen acht Tage ziemlich oll, ich habe kaum die Torres gesehen (das ist irgendwie mein Ding, das mit den nicht klappenden guten Aussichten) und die Highlights sind tatsächlich auf der W-Strecke. Dafür ist die Strecke im „Hinterland“ aber nicht so überlaufen wie der W-Trek und bringt schöne und ruhige Aussichten mit sich, was ich persönlich ja das Wichtigste am Trekken finde.

Berge im Torres del Paine Nationalpark

Das Valle de Francais im Torres del Paine Nationalpark auf dem „W“

Torres del Paine Nationalpark in Chile

Schöne Aussichten: Am Grey-Gletscher im Torres del Paine Nationalpark

Dusche im Torres del Paine Nationalpark

Sogar Duschen! Für ein richtiges Outdoorfeeling sind diese Installationen einigermaßen irritierend.

Insgesamt bin ich unentschlossen, ob ich den Torres del Paine für Liebhabertrekker wirklich empfehlen würde: Es gibt in Patagonien so viele tolle Ecken und der W-Trek ist tatsächlich dermaßen überlaufen, dass das für mich gefühlt nicht mehr viel mit richtigem Trekken zu tun hat, dazu gehört für mich ein bisschen Einsamkeit. Dennoch ist der Park natürlich wunderschön.

 Leseempfehlungen:

Seenlandschaft im Torres del Paine NationalparkAuszug aus einem Trekkerleben: Torres del Paine, 6. Tag

Durch den Torres del Paine nach Tierra del Fuego {Feuerland}

 

 

Patagonien und Feuerland. 50 Touren* von Ralf Gantzhorn. Ralf hat mehrere, inzwischen leider vergriffene Trekkingbücher zu Patagonien geschrieben und hat die Tipps für weniger überlaufene Touren. Beachten sollte man allerdings, dass dieses Buch schon einige Jahre alt ist.

In Puerto Natales habe ich mich wiederum so wohl gefühlt, dass ich eine ganze Woche geblieben bin. Das kleine Städtchen beherbergt überall Trekker, die sich in den Torres del Paine aufmachen oder gerade von dort zurückkommen. Dennoch ist die Stadt nicht touristisch überladen und wirkt wie ein alltägliches Stückchen Chile. Außerdem ist der Hafen schön, an dem man bei gutem Wetter in Richtung der Torres del Paine die Berge sehen kann.

Puerto Natales, Straßenansicht

Puerto Natales, Station zum Torres del Paine

Waterfront in Puerto Natales

Waterfront in Puerto Natales

fliegende Skulpturen am Hafen von Puerto Natales

Am Hafen von Puerto Natales fliegen diese beiden Figuren – genauso wunderbar und frei habe ich mich dort gefühlt

Mein Hostel war außerdem noch irre gemütlich und die beiden Geschäftsführer outdoorverrückt vom Feinsten und sehr sympathisch. Dazu gab es jeden Abend eine Gitarreneinlage mit wunderbarem Gesang und Wein. Ich musste mich schwer aufraffen, um weiterzufahren.

Inka mit Hostel-Geschäftsführern

Die beiden Geschäftsführer meines Lieblingshostels – schwer sympathisch und mit einer grandiosen Stimme ausgestattet

Bushäuschen in Chile mit blauem Dach

Bushäuschen in Chile: Ja, da wartet sogar jemand drin, ich war auch überrascht.

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Punta Arenas: Unterschätztes Reiseziel

Punta Arenas wird von vielen Besuchern ziemlich abgetan: Hässliche Stadt, in zwei Tagen hat man alles gesehen, heißt es häufig.

Internationaler Wegweiser in Punta Arenas

Internationaler Wegweiser in Punta Arenas – man beachte: Münster!

Lupinen in verschiedenen Farben

Die Lupinen sind in ganz Patagonien allgegenwärtig.

Davon einmal abgesehen, dass ich in Punta Arenas mein bestes Steak aß und das Timing perfekt war, um für ein paar Tage Stadtluft zu schnuppern und auszuspannen, wäre ich gerne länger geblieben, um weitere interessante Touren zu unternehmen. Bekannt ist die Tour zur Isla Magdalena mit ihren vielen Magellan-Pinguinen.

Magellan-Pinguine auf der Isla Magdalena in Chile

Auf der Isla Magdalena, einer kleinen Insel vor Punta Arenas, die mit einer schönen Fährfahrt zu erreichen ist, brüten jedes Jahr tausende Magellan-Pinguine.

Magellan-Pinguin mit Küken

Magellan-Pinguin mit Jungen

Ich wollte außerdem gerne eine Schaf-Farm besuchen und hätte mich gerne endlich näher mit dem Leben der Gauchos beschäftigt und noch ein paar Museen gesehen. Für die Touren aber braucht man einigermaßen Geduld, viele sind ausgebucht oder finden nur alle paar Tage statt, dann jedoch kann das Touristenbüro im Zentrum alles wünschenswerte organisieren. Meine Zeit reichte dazu leider nicht aus.

Der Friedhof in Punta Arenas ist sehr sehenswert und beherbergt außerdem die Geschichte des unbekannten Indianerjungen.

Friedhof in Punta Arenas

Der Friedhof in Punta Arenas

Fazit Patagonien

Patagonien hatte ich mir reisetechnisch einfacher vorgestellt, muss ich zugeben. Am Anfang der Reise völlig verwöhnt durch Privatfahrer und eine exklusive kleine Reisegruppe, bei der man alle Wünsche äußern konnte inklusive „Stopp“-schreien bei interessanten Sachen, konnte ich mich anschließend nicht mehr ganz mit der relativ fremdbestimmten Reiseart Bus anfreunden: Die Busse halten selten, ich hatte das Gefühl, die interessantesten Orte und Geschichten fliegen an meinem Fenster vorbei.

Touristenrouten zu verlassen war zumindest vor drei Jahren schwierig: Ich hätte mir alleine teure Privatfahrer mieten müssen. Es gab kaum Angebote für kleinere, interessante Touren, zum Beispiel zu den unglaublich tollen Marmorhöhlen (sind oben in der Karte verzeichnet, heute gibt es wohl organisierte Touren dorthin) oder um das Leben in Patagonien kennen zu lernen. Deshalb habe ich dann auch in den kleinen Orten, von denen ich aus meine Trekkingtouren gestartet habe, etwas mehr Zeit verbracht, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Wer sich ein Trekkingparadies wünscht, sollte sich etwas näher mit den Routen befassen (siehe oben den Buchtipp von Ralf Gantzhorn) und sich entweder eine organisierte Reise buchen oder einen Fahrer nehmen oder selbst fahren. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln läuft man auf den schon relativ breit ausgelatschten Pfaden, die 99% der Touristen besuchen.

Patagonien ist natürlich dennoch unfassbar schön und interessant und ich möchte meine Zeit dort auf keinen Fall missen.

Fast das Ende der Welt: Feuerland

Lenga-Bäume Patagoniens

Die Südbuchen, oder auch Lenga-Bäume Feuerlands und Patagoniens

Alleine der Umstand, dass Feuerland hier ein eigenes Kapitel neben Patagonien darstellt, sagt einiges aus: Manche zählen Feuerland zwar zu Patagonien, eigentlich aber endet Patagonien in Punta Arenas und südlich der Gewässer der Magellanstraße beginnt Feuerland.

Ich erinnere mich noch, dass ich mich direkt auf der Fahrt ins argentinische Ushuaia in Feuerland verknallte: Die dicken, knorrigen Urwälder (die leider in großem Maße abgeholzt werden), die Lenga-Bäume, die raue Landschaft: Feuerland ist wunderschön. Da ich allerdings meine Zeit nur in Argentinien verbracht habe, ist das eine Geschichte für eine andere Zeit.

Leuchtturm im Beagle Kanal Chile / Argentinien

Leuchtturm im Beagle Kanal Chile / Argentinien

Feuerland endet südlich wieder als chilenisches Hoheitsgebiet. Bis dorthin habe ich es leider nicht geschafft und musste mein Geld und meine Zeit für die Antarktisreise sparen, die von Ushuaia aus startete, die Isla Navarino soll allerdings fantastisch sein. Eines Tages kehre ich bestimmt zurück.

Eine Leseempfehlung für diejenigen, die so sehr wie ich von Patagonien und Feuerland träumen möchte ich hier unbedingt noch loswerden:

Das Buch Am Ende der Welt: Eine Reise durch Feuerland und Patagonien* von Klaus Bednarz war für mich der allerbeste Einstieg. Kaum jemand verstand es, so sympathisch, tiefgängig und fesselnd zu schreiben. Er gibt viele Einblicke in Alltägliches und Zwischenmenschliches, was mir auf der Durchreise verborgen blieb. Bednarz war langjähriger ARD-Korrespondent und ist leider im letzten Jahr verstorben.

Die dazu passende DVD* gibt es nur noch gebraucht für relativ viel Geld, ist allerdings eine absolut empfehlenswerte Doku über Bednarz‘ Reise durch Patagonien und Feuerland.

 

Dieser Beitrag ist Teil des Stadt-Land-Fluss-Spiels von Ferngeweht.

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