In den letzten Monaten bin ich viel in Deutschland unterwegs gewesen, unter anderem habe ich zwei der bekanntesten Fotofestivals Deutschlands besucht, die ich beide sehr klasse fand, nicht zuletzt wegen ihrer Standorte: Den Oberstdorfer Fotogipfel im tiefsten Süden Deutschlands und das Umweltfotofestival Zingst an der Ostsee.
Heute berichte ich Euch von meinen Erlebnissen beim Oberstdorfer Fotogipfel, ein paar neuen (fotografischen) Entdeckungen, einem kleinen Wettbewerb und einem weinseliges Gespräch in meine Vergangenheit – manchmal glaube ich ja, dass eben doch irgendwie alles zusammenhängt…
Zum Oberstdorfer Fotogipfel wurde ich durch Manfrotto und CEWE eingeladen und Olympus war auch noch dabei. Das war natürlich schon eine ziemlich coole Kombi, die neugierig machte, und so konnte ich mit einigen anderen Bloggern, die sich gerne mit der Fotografie beschäftigen – in persona Sebastian & Jenny von 22Places, Luisa von Sunnyside2go und Florian von Phototravellers – die Ausstellungen erkunden, einen Rucksack und Stativ von Manfrotto testen sowie eine Olympus OM-D E-M5 Mark II* auf einem kleinen Fotoworkshop mit dem Outdoor-Fotografen Michael Frede testen.

Fotoausrüstung: Fotorucksack, Olympus-Kamera, Manfrotto-Stativ

Meine Leihgeräte für den Oberstdorfer Fotogipfel: Eine Olympus OM-D E-M5 MArk II, das Manfrotto BeFree-Stativ und ein Fotorucksack aus der Manfrotto OffRoad-Collection

Fotoworkshop mit Michael Frede

Die Gegend von Oberstdorf ist traumhaft und lohnt sich für einen Besuch Sommers wie Winters. Oberstdorf ist die südlichste Gemeinde Deutschlands und liegt in den Allgäuer Alpen auf ca. 800 Metern, eingekesselt von den Alpen und 2000 Meter hohen Bergen. In der Nähe liegt zum Beispiel die Breitachklamm im Kleinwalsertal, eine tiefe Klamm und Felsenschlucht. Von diesen tollen Anblicken haben wir allerdings erst einmal nichts mitbekommen, denn es schüttete wie aus Kübeln, als wir uns zum Workshop trafen – wie praktisch eigentlich, schließlich sind die höherpreisigen OM-Ds von Olympus spritzwassergeschützt und der Manfrotto-Rucksack bringt eine eigene Regenhülle mit sich, harhar.

Regen aus der Gondel

Regenblick aus der Gondel zum Nebelhorn: Den Schwarz-Weiß-Look bekommt man out of Cam, wenn man möchte, hier bietet die Olympus Spezialprogramme

Es hätte definitiv weniger Regen sein dürfen, aber davon einmal abgesehen, dass meine geliebte Vaude-Regenjacke anscheinend in die Jahre gekommen und total undicht war, sind einige der Nebel-Regenbilder ziemlich nett geworden, finde ich.

Nebel in Bäumen

Nebelbäume.

Nebel in Bäumen

Eines meiner Lieblingsbilder, ich liebe Nebel

Nebel auf der Seealpe

Nebel auf der Seealpe, der Mittelstation zum Nebelhorn

Ich bin ja nun mit den Olympus OM-Ds mittlerweile recht gut vertraut und werde mich bald in Kanada auf dem West Coast Trail sogar trauen, ausschließlich meine Olympus OM-D E-M10 mitzunehmen und aus Platzgründen auf meine große DSLR verzichten. Soweit ich mitbekommen habe, ist das größte Problem für Neulinge an den spiegellosen Olympus-Kameras der elektronische Sucher, an den man sich wirklich gewöhnen muss, das geht auch mir teils immer noch so. Ich habe größere Schwierigkeiten, die Fotos, die ich mache, korrekt einzuschätzen, was eigentlich seltsam ist, da man ja bereits das „fertige Bild“ im Sucher sieht. Das wird sich vermutlich mit der häufigeren Nutzung geben, über die Ergebnisse der „Kleinen“ bin ich dann immer wieder überrascht.

Meine Fotoaustüstung
Hier geht es zu meiner kompletten Fotoausrüstung.

Was mir ehrlicherweise am Fotoworkshop am besten Gefallen hat: Ich habe nicht wirklich etwas an Technik dazugelernt, aber die Gespräche mit Michael Frede waren für mich interessant und aufschlussreich.
Mich nervt manchmal der Zeitgeist der Fotografie, einiges finde ich so offensichtlich oberflächlich, dann wiederum finde ich mich zu schlecht, und dann finde ich wieder etwas total Banales schön… Im Gespräch mit Michael Frede hatte ich das Gefühl, so falsch oder alleine bin ich damit gar nicht. Das fand ich sehr motivierend und ich habe mir – wieder einmal – vorgenommen, viel häufiger mit anderen Fotografen und Hobbyfotografen über die Fotografie zu sprechen.

Breitachklamm

Grau und frisches Grün in der Breitachklamm

Der Oberstdorfer Fotogipfel, ein Teufel und ein Gläschen Wein zuviel

Der Oberstdorfer Fotogipfel fand dieses Jahr zum vierten Mal unter dem Motto „Mensch“ statt und ist „das höchste Fotofestival Europas“ – immerhin sind einige Installationen auf dem Nebelhorn auf über 2.200 Metern ausgestellt. Namhafte Fotografen und Künstler stellen ihr Werke aus, man kann an zahlreichen Fotoworkshops teilnehmen, z.B. zu den Themen Unterwasserfotografie und Streetart und Fotowanderungen zum Nebelhorn machen – was bei uns dann auch seinem Namen alle Ehre machte.

Das Oberstdorfer Haus

Das Oberstdorfer Haus, zentrale Anlaufstelle und Ausstellungshaus für den Fotogipfel

Fotogipfel Oberstdorf

Ausstellung zum Fotogipfel Oberstdorf

Oberstdorfer Fotogipfel

Der 4. Oberstdorfer Fotogipfel hatte das Thema „Mensch“

An weiteren Workshops habe ich nicht teilgenommen, dazu war die Zeit einfach zu knapp, aber die Fotoausstellungen haben mir sehr gut gefallen, zum Beispiel die Installation „Refugee Crisis“ des preisgekrönten polnischen Fotografens Maciek Nabrdalik, aber auch viele weitere Ausstellungen in der Umgebung und im Oberstdorfer Haus. Hier gibt es dann auch einen Fotomarkt mit Ausstellungsstücken und einen Fotografie-Flohmarkt, was ich leider viel zu spät mitbekommen habe.

Fotoausstellung Refugee Crisis beim Oberstdorfer Fotogipfel

„Refugee Crisis“ von Maciek Nabrdalik

Großfotoleinwände auf einer Wiese in OBerstdorf

Portrait-Installation der „Oberstdorfer“ von Christian Popkes

Ausstellung von Heinz Teufel in der schönen Villa Jauß

Ausstellung von Heinz Teufel in der schönen Villa Jauß

Am nächsten Tag war schönerweise tolles Wetter und so konnte ich noch die Installationen oben auf dem Berg mit fantastischer Aussicht anschauen.

Oberstdorfer Fotogipfel

Großformatige Ausstellung des Oberstdorfer Fotogipfels auf dem Nebelhorn auf 2000 Metern Höhe.

Nebelhorn

Auf dem Nebelhorn bei schönem Wetter, das dann doch noch kam

Tibetische Gebetsfahnen auf dem Nebelhorn

Tibetische Gebetsfahnen auf dem Nebelhorn

Bergsee in türkis

Die Seealpe, Mittelstation zum Nebelhorn bei schönem Wetter – auch hier gibt es Fotoinstallationen

Kug im Allgäu

Einmal Kuh streicheln muss sein im Allgäu, oder?

Am Abend trafen wir uns zum Essen in größerer Runde, die erwähnten Blogger waren natürlich wieder dabei, Aussteller, Künstler und Organisatoren.

Hotel-Loewen-Strauss

Das – übrigens sehr angenehme und toll dekorierte – Alpin Lifestyle Hotel Löwen & Strauß. Das Foto wurde mit der Olympus OM-D E-M5 Mark II mit einer Zehntel-Sekunde aus der Hand und ISO 1600 gemacht und ist kaum bearbeitet: Hier spielen die OM-Ds absolut ihre Stärken aus. Die Unschärfe resultiert eher von der Komprimierung der Bilder meinerseits.

Außerdem gesellte sich noch hoher Besuch dazu: Der Fotogipfel-Kurator Christian Popkes  höchstpersönlich und der Fotograf und offensichtlich guter Freund Popkes Heinz Teufel, u.a. Erfinder der „gestischen Fotografie“, GEO-Fotograf, Charmeur und das, was ich gerne einen stilvollen Grumpy-Künstler der alten Schule nenne: Er klatscht Dir ins Gesicht, dass er Outdoor-Klamotten hasst und Du eigentlich nix kannst, gleichzeitig flirtet er mit Dir und redet dennoch mit Dir auf Augenhöhe.
Bei solchen Menschen kann ich nicht anders: Ich bin fasziniert, fühle mich wie ein kleines Nixkönnchen und muss um jeden Preis über irgendwas diskutieren.

Zwischen Glas 1 und 2 ging es ein bisschen um Fotobearbeitung versa künstlerische Gestaltung schon während der Aufnahme, außerdem, warum Venedig total furchtbar sein kann (und er seine Workshops dort abhält), was heute ein guter Fotograf ist usw. Zwischen Glas 2 und 3 erzählte ich ein bisschen über Kasachstan und meine Grönlandpläne, er wiederum erzählte, wie er in den 70ern durch Nepal und Indien gereist ist.

Ohne Plan zu reisen bringt einen dorthin, wohin man nicht wollte, wo man aber genau richtig ist. – Heinz Teufel

Er lachte dabei, eigentlich kicherte er viel, und als wir unser viertes Glas kippten, wusste ich endlich, warum er mir so wahnsinnig bekannt vorkam.

„Heinz“, sagte ich (wir waren beim Du angekommen), „Heinz, das ist ne komische Frage, aber kanntest du eventuell Frank Böhm?“
Ich wusste, dass die intellektuelle Künstlerszene in Hamburg in den 70ern/80ern klein gewesen war, und wer künstlerisch für Magazine tätig gewesen war, kannte sich üblicherweise.
Da guckte mich der Teufel auf einmal ganz seltsam an. „Ja, der Frank, also der Frank Böhm? Der aus Hamburg?“
„Ja, Frank Böhm aus Hamburg. Das war mein Onkel. Du kanntest ihn wirklich?“
„Dein Onkel! Achnee! Das glaub ich ja jetzt nicht. Der Frank war Dein Onkel? Der so elendig an Krebs verreckt ist?“
„Ja, genau der.“

Frank Böhm, mein Onkel, war Redakteur und Künstler „ohne schöne Bilder“ und Intellektueller. Das Übel der Welt war sein Thema, er war direkt, ehrlich und nicht glücklich. Ich habe mich mit ihm entweder gar nicht oder über anstrengende Themen unterhalten, mit Kindern konnte er wenig anfangen. Früher haben wir meine Hamburger Familie sehr häufig besucht, meine Mutter und meine Tante standen sich sehr nah. Ich habe dieses alte Fachwerkhaus mit seinem wirren Interieur, den vielen tollen Bildern, den Skulpturen, den selbstgebauten Möbeln und den vielen kaputten Sachen überall schwer geliebt.
Was ich an meinem Onkel mochte: Das abgrundtief Ehrliche, das sich-stellen, dem Mist der Welt gegenüber, nichts beschönigen, nichts romantisieren, keinen Smalltalk führen. Ähnlich waren die Gespräche mit Heinz Teufel.

An diesem Abend haben wir wohl beide ein etwas seltsames Bild für die Mitanwesenden abgegeben: Ein bisschen traurig, ein bisschen rührselig in der Vergangenheit kramend, mit 30 Jahren Altersunterschied. Sich mit einem Künstler über das Schöne und die Scheiße der Welt zu unterhalten ist einfach mitunter das Beste was es gibt an kreativer Inspiration.

Heinz Teufel & Inka Cee

Im Gespräch mit Heinz dem Teufel

Und was ist eigentlich aus den Manfrotto-Sachen geworden?

Achtung, Eigenwerbung: Wir haben zusammen einen kleinen Fotowettbewerb mit den Bildern der Olympus-Kameras gemacht und netterweise hat Michael Frede eines meiner Fotos ausgewählt, yai! Der Manfrotto-Rucksack der Outdoor-offroad-Collection* ist deshalb nun mein und ich nutze ihn mittlerweile sehr häufig, weil er so eine schöne schmale Größe hat und ein kleines Seiten-Extrafach für Fotoequipment – sehr klasse. Außerdem hat er mein Equipment vor dem nächsten Sauwetter in Österreich bewahrt – aber das ist eine andere Geschichte.

Nebel auf der Weide

Linien & Nebel

Das Stativ aus der BeFree-Serie durfte ich mir für Grönland und Kanada leihen. Mein Urteil darüber findet Ihr im 2. Teil der Serie über meine Fotoausrüstung.

Ganz herzlichen Dank an CEWE und Manfrotto für die Einladung und die Möglichkeit, dieses wunderbare Fotofestival zu besuchen und das Equipment zu testen.

Manfrotto OffRoad Collection

TeilnehmerInnen am Fotoworkshop von Michael Frede – voll ausgestattet. Foto: Manfrotto

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